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Bei den Filmfestspielen kommt das Münsterland in dem Film „Spencer“ als Kulisse zur Geltung

Venedig will wieder mit Stars glänzen

Venedig/Münster

Am Mittwoch, 1. September beginnt das Filmfestival in Venedig. Dort kommt diesmal auch das Münsterland zur Geltung. Als Parklandschaft und Schlosskulisse für den Film „Spencer“, der das Leben von Prinzessin Diana zum Thema hat. In der Titelrolle: Hollywoodstar Kristen Stewart, die nun längst weiß, wie schön das Münsterland ist.

Von Aliki Nassoufisund Johannes Loy

Der geflügelte Goldene Löwe, Symbol der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Foto:

Vor wenigen Wochen erst feierte das Festival Cannes die Wiederbelebung der Filmbranche. Wegen der Pandemie war es vom traditionellen Mai-Termin in den Juli verschoben worden und rückte damit ungewöhnlich nah an das im September startende Filmfest Venedig heran. Könnte es sein, dass Cannes schon die besten Filme abbekommen hat und Venedig sich mit eher unbedeutenderen Werken und Namen abfinden muss? Das war die Frage, die seitdem im Raum stand. Jetzt, vor der Eröffnung der 78. Internationalen Filmfestspiele Venedig am Mittwoch (1. September), ist klar: Cannes war erst der Auftakt, Venedig kann mit noch mehr Stars und noch mehr Hollywood-Produktionen auftrumpfen. Und auch das Münsterland hat dort seinen Auftritt – als Drehkulisse.

Während im südfranzösischen Cannes auffallend wenig US-Filme zu sehen waren, scheint es nun, als habe Hollywood auf das Festival in der italienischen Lagunenstadt gewartet – und zeigt dort gleich mehrere Studio-Großproduktionen. So feiert Ridley Scotts Actionspektakel „The Last Duel“ mit Matt Damon, Adam Driver und Ben Affleck seine Premiere, genauso wie Jamie Lee Curtis in der Fortsetzung des Grusel-Horrors „Halloween Kills“. Auch die mit Spannung erwartete Neuauflage des Science-Fiction-Epos „Dune“ wird in Venedig gezeigt, für das Denis Villeneuve mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling und Javier Bardem ungewöhnlich viele Stars vor die Kamera holte.

Ein verträumter Blick, das Kinn auf die Hand gestützt, ein markanter blauer Verlobungsring am Finger: So präsentiert sich Kristen Stewart als Prinzessin Diana. Der Film wurde auch an Schauplätzen des Münsterlandes gedreht, unter anderem am Schloss Nordkirchen. Foto:

Hollywoods Interesse am Filmfest Venedig hat sicherlich damit zu tun, dass gleich mehrere Oscar-Gewinner der vergangenen Jahre – darunter „Nomadland“, „Joker“ und „Shape of Water“ – zuerst in Venedig gezeigt wurden. Los geht es am Mittwochabend allerdings mit einem europäischen Werk: In „Madres paralelas“ des spanischen Oscar-Gewinners Pedro Almodóvar spielt Penélope Cruz eine von zwei Frauen, die ungeplant schwanger wurden und sich kurz vor der Geburt in einem Krankenhaus treffen.

20 weitere Beiträge werden dann in den folgenden Tagen ebenfalls um den Goldenen Löwen für den besten Film konkurrieren. Einer von ihnen ist „Spencer“, ein zu großen Teilen in Deutschland gedrehtes Drama um Princess Diana mit Kristen Stewart in der Hauptrolle. Über Wochen war dabei auch das Münsterland Drehort. Als Kulisse wurde im Frühjahr 2021 unter anderem das barocke Schloss Nordkirchen genutzt. Wer damals allerdings einen Blick auf die Darsteller erhaschen wollte, hatte Pech. Das Schloss wurde von Sicherheitsleuten weiträumig abgeschottet. Das Münsterland kommt also nun in Venedig und später auch in den Kinos global als Kulisse zur Geltung.

Paul Schrader, der die Drehbücher zu „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier“ schrieb, zeigt „The Card Counter“ mit Oscar Isaac und Willem Dafoe. Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza – Die große Schönheit“) kehrt mit „È stata la mano di Dio“ ins Neapel seiner Jugend zurück, während „Competencia oficial“ mit Penélope Cruz und Antonio Banderas eine Satire über das Filmgeschäft ist.

Auch einige Frauen – 5 der 21 Beiträge stammen von einer Regisseurin – könnten den Wettbewerb aufmischen. Schauspielerin Maggie Gyllenhaal zum Beispiel legt mit „The Lost Daughter“ nach einem Roman von Elena Ferrante ihr Regiedebüt vor und verpflichtete dafür Olivia Colman und Dakota Johnson. Ein weibliches Regie-Schwergewicht hingegen ist bereits Jane Campion. Die Neuseeländerin, die mit „Das Piano“ vor fast 30 Jahren einen weltweiten Erfolg feierte, meldet sich nach einer längeren Kinopause zurück. In ihrem „The Power of the Dog“ verkörpern Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons neben Kirsten Dunst ein Brüderpaar, dessen Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird.

Er habe den Eindruck, „als ob die Pandemie dazu gedient hätte, die Kreativität anzuregen und die Messlatte für Qualität höher zu legen“, erklärte Festivalleiter Alberto Barbera vorab. Viele Filme habe er aus Platzgründen gar nicht ins Programm nehmen können. Ob er mit dieser Auswahl einmal mehr sein gutes Gespür für international erfolgreiche Werke beweisen kann? Das wird sich während des Festivals zeigen. Am 11. September werden die „Löwen“ vergeben.

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