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Asiens Jackie Kennedy: Thailands Ex-Königin Sirikit wird 90

Bangkok (dpa)

Sie war umwerfend schön, ihr Ruf legendär: Die halbe Welt lag Thailands früherer Königin Sirikit zu Füßen. Später erwarb sie sich als Wohltäterin viel Respekt. Jetzt feiert sie runden Geburtstag.

Der damalige Bundespostminister Richard Stücklen (l) begrüßt Königin Sirikit von Thailand im bayrischen Raisting. Foto: picture alliance / Georg Göbel/dpa

Kaum ein Titelblatt der Welt kam einst an Sirikit vorbei. Die «Bunte Illustrierte» bezeichnete sie einmal als «eine der bestangezogenen Frauen der Welt», internationale Modemagazine feierten sie als «Asiens Jackie Kennedy». Heutige royale Ikonen wie Kate, Letizia oder Máxima waren noch nicht geboren, da war Thailands anmutige Königin das Maß aller Dinge in puncto Klasse und Eleganz. Gekrönte Häupter aus aller Welt reisten in den 1950er und 1960er Jahren nach Bangkok, um König Bhumibol und seine schöne Ehefrau zu treffen. Diese Art von Glamour am Hofe Thailands lebt heute nur noch in der Erinnerung. Am Freitag (12. August) wird Sirikit 90 Jahre alt.

Seit dem Tod von Bhumibol im Jahr 2016 ist sein Sohn Maha Vajiralongkorn (oder offiziell Rama X.) König von Thailand und die hoch verehrte Sirikit die offizielle Königinmutter. Zuvor war sie sechseinhalb Jahrzehnte Regentin des alten Siam. Ihren Geburtstag begeht die Nation nicht nur als Feiertag, sondern auch als Muttertag. In Bangkok tragen unter anderem ein Konferenzzentrum, ein Park und ein Textilmuseum ihren Namen. Außerdem gibt es eine gelbe Rose und ein Frauen-Golfturnier namens «Queen Sirikit». Kurz vor ihrem Geburtstag wurden im Land als Zeichen des tiefen Respekts zahlreiche großformatige Porträts aus den Zeiten ihrer Regentschaft aufgestellt.

Nur selten tauchten aber in den vergangenen Jahren aktuelle Bilder von ihr auf. Darauf ist die jahrzehntelang für ihre pechschwarzen Haare bekannte Adelige ergraut zu sehen, aber immer noch mit rotem Lippenstift und feiner Perlenkette. An ihrer Seite auf den raren Aufnahmen sitzt meist der neue König, der vergangenen Monat selbst runden Geburtstag feierte und 70 Jahre alt wurde.

Es war «Hass auf den ersten Blick»

Die Liaison zwischen Bhumibol und Sirikit war im letzten Jahrhundert eine der größeren Liebesgeschichten des internationalen Adels. Dabei sah es am Anfang - sie war gerade einmal 15, er 19 - gar nicht danach aus. «Es war Hass auf den ersten Blick», beschrieb Sirikit viele Jahre später das erste Treffen 1947 in Paris. «Er wollte um vier kommen, kam aber erst um sieben. Er ließ mich warten und ewig den Knicks üben.» Der Groll hielt nicht an: Schon bei der nächsten Begegnung soll es Liebe gewesen sein.

Die 1932 in Bangkok geborene Sirikit Kitiyakara stammt selbst aus königlichem Hause und ist eine Urenkelin von König Chulalongkorn (Rama V.). Ihr Vater ist ein Prinz und thailändischer Botschafter, ihre Jugend verbringt sie in Frankreich, Dänemark und Großbritannien. In Paris lernt sie als Schülerin den kaum älteren Bhumibol kennen, der zu dem Zeitpunkt in der Schweiz studiert. Als er 1948 in Lausanne einen schweren Autounfall hat, bei dem er ein Auge verliert, eilt Sirikit an sein Krankenbett. Das Märchen vom feschen Prinzen und der blutjungen Schönheit nimmt seinen Lauf: Hochzeit ist im April 1950, eine Woche vor der offiziellen Krönung.

Die halbe Bundesrepublik liegt ihr zu Füßen

Die jungen Royals sind dem europäischen Jetset sehr zugetan und tanzen an den Höfen Europas bei rauschenden Bällen. Auch sind sie begeisterte Besucher der Festspiele in Salzburg und Bayreuth. Der König wirkt eher schüchtern, im Mittelpunkt steht die gertenschlanke Sirikit mit ihren vornehmen Roben, Hüten und Sommerhandschuhen aus den Händen von Pariser Nobelschneidern. Beim Staatsbesuch 1960 in Deutschland liegt ihr die halbe Bundesrepublik zu Füßen.

Das Paar bekommt vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn. Dann, Ende der 1960er Jahre, der Abschied vom High-Society-Leben: Statt französischer Haute Couture trägt Sirikit nun thailändische Seide. Das Paar - selbst viele Milliarden reich - engagiert sich für die Entwicklung seines Heimatlands und für soziale Projekte. Dafür ernten beide großen Respekt. Im von vielen Putschen politisch gebeutelten Thailand stehen sie für Stabilität.

Bis heute wird Sirikit als «Wohltäterin der Nation» gefeiert. Seit 1956 ist sie Präsidentin des thailändischen Roten Kreuzes. Mit ihren Spendenprojekten engagierte sie sich unter anderem für Angehörige von gefallenen Soldaten und getöteten Polizisten, für die ländliche Bevölkerung, die Begrünung des Landes oder die Rettung bedrohter Tiere wie Elefanten und Schildkröten. Der Autor und Journalist Paul Handley bezeichnete die Königin in seinem in Thailand verbotenen Werk «The King Never Smiles» aber auch als Machtmenschen. Viele Thailänder waren empört.

Seit einem Schlaganfall 2012 war Sirikit kaum noch zu sehen. Eines der letzten Male, dass man sie abgesehen von einigen offiziellen Fotos in der Öffentlichkeit zu Blick bekam, war im Oktober 2016. Damals begleitete sie den Leichenzug, mit dem der tote Bhumibol aus dem Krankenhaus in den Großen Palast gebracht wurde.

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