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Zum Geburtstag an der Chart-Spitze: Benny Andersson wird 75

Stockholm (dpa)

Benny Anderssons musikalische Kreativität wurde ihm schon früh in die Wiege gelegt. Das neue Abba-Album beweist: Auch im fortgeschrittenen Alter scheint die Lust des Schweden an der Musik kaum versiegt zu sein.

Von Steffen Trumpf, dpa

Benny Andersson wird 75. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Sein wohl schönstes Geburtstagsgeschenk hat sich Benny Andersson vor kurzem mit ein paar Freunden selbst gemacht: Gemeinsam mit Agnetha Fältskog, Anni-Frid «Frida» Lyngstad und Björn Ulvaeus hat der Stockholmer Anfang November ein nigelnagelneues Abba-Album herausgebracht.

Es war das erste Studioalbum der Kultband seit fast 40 Jahren. Andersson als zweitjüngster aus dem Quartett wird an diesem Donnerstag (16. Dezember) nun 75 Jahre alt. Und wie einst in den 70ern finden sich Abba zu Anderssons Geburtstag an einem ganz bestimmten Platz wieder: ganz weit oben in den Musik-Charts.

«Wir haben nichts zu beweisen», hatte Benny Andersson vor der Veröffentlichung des Albums «Voyage» im Gespräch mit der schwedischen Zeitung «Dagens Nyheter» festgestellt. Schon bei der Ankündigung des Sensationscomebacks Anfang September in London hatte der Komponist selbstbewusst gesagt, die neue Abba-Musik gefalle ihm tatsächlich ziemlich gut. «Wir haben es so gut gemacht, wie wir das in unserem Alter können.» Und wenn die Leute denken, dass Abba vor 40 Jahren doch viel besser gewesen seien? Geschenkt!

Rekordstart für «Voyage»

Mittlerweile hat «Voyage» in Deutschland einen Rekordstart hingelegt. In der ersten Woche verkaufte sich das Album mehr als 200.000 Mal und somit besser als die restlichen Top 100 zusammengerechnet. In Deutschland und weiteren Ländern stürmten Abba so an die Spitze der Albumcharts. Für die Single «I Still Have Faith In You» wurde die Band außerdem zum allerersten Mal für einen Grammy nominiert.

Entstanden ist all das in Anderssons Musikstudio in Stockholm. Dort musizierten sich Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid erst zu zwei Songs, zu denen sich weitere dazu gesellten und dann noch ein paar. Plötzlich standen zehn Lieder, darunter erstmals auch ein Abba-Weihnachtslied - und insgesamt somit ein neues Studioalbum. Hinzu kommt eine beispiellose Live-Show, bei der ab Mai 2022 in einer eigens dafür gebauten Abba-Arena in London digitale Abbilder der Popgruppe auf der Bühne «stehen» sollen.

Wenn Agnetha und Frida das Gesicht von Abba sind, dann sind Benny und Björn dessen Köpfe. Das kongeniale Duo schrieb und komponierte die Abba-Songs mit ihren eingängigen Melodien, während die Stimmen der beiden Frauen dem Ganzen den einzigartigen Sound der Gruppe gaben. So war es schon beim Abba-Durchbruch auf dem Eurovision Song Contest 1974 mit «Waterloo», und so ist es heute auch bei «Voyage» noch.

Liebe zur Musik

Was bei dem am 16. Dezember 1946 in Stockholm zur Welt gekommenen Göran Bror Benny Andersson immer wieder durchklingt, ist seine außerordentliche Liebe zur Musik. Die entstand schon weit vor den schillernden Abba-Zeiten der 70er Jahre.

Bereits in Kindheitstagen spielten Vater Gösta und Opa Efraim mit dem kleinen Benny auf dem Akkordeon, ehe Mutter Laila ein Klavier für ihn kaufte. Wenn er nichts für die Schule tun musste, dann saß der junge Schwede von da an große Teile des Tages an den Tasten.

Früh wurde ihm klar, dass er Musiker werden wollte. Das führte ihn im Teenager-Alter zunächst zur Band The Hep Stars. «Schwedens wildeste Popband bekam einen neuen Organisten», heißt es darüber im Abba-Museum in Stockholm. Mehrere Hits der Gruppe mit Andersson am Keyboard landeten ganz oben in den schwedischen Charts und hallten im Sommer durch Hunderte Volksparks des musikbegeisterten Landes.

Am 5. Juni 1966 traf Andersson bei einem Auftritt in einem dieser Parks einen anderen Musiker namens Björn Ulvaeus. Die beiden wurden Freunde, die fortan Lieder miteinander schrieben. Ende der 60er begegnete er der damaligen Jazz-Sängerin Anni-Frid Lyngstad, die er 1978 nach langjähriger Beziehung letztlich heiraten sollte.

Superhits ohne Unterlass

Zum Zeitpunkt des Jawortes war das Paar gemeinsam mit seinen ebenfalls liierten Band-Partnern längst zu Weltstars geworden. Ob «SOS», «Mamma Mia», «Dancing Queen» oder eine ganze Latte an weiteren Songs: Was Abba anfasste, wurde schlagartig zu Gold.

Nach drei Jahren Ehe war Schluss mit Lyngstad - und kurz darauf auch Schluss für Abba. Unmittelbar nach der Scheidung heiratete Andersson die TV-Moderatorin Mona Nörklit, und auch musikalisch ging es weiter für den allzeit kreativen Komponisten: Gemeinsam mit Ulvaeus schrieb er in der abbalosen Zeit unter anderem das Musical «Chess», die Volksmusik ließ er mit dem Benny-Andersson-Orchester wiederaufleben. 2008 wurde er zum Ehrendoktor der Stockholmer Universität ernannt.

Überhaupt: Stockholm! Seiner Heimatstadt ist Andersson bis heute treu geblieben. «Das Gute an Stockholm ist, dass dich die Leute nicht stören - nicht in den 70ern, nicht in den 80ern, nicht jetzt», sagte er jüngst der BBC. Die Menschen kämen heute einfach auf ihn zu und zeigten sich erfreut, dass Abba ein paar neue Songs gemacht habe.

Mit seinem freundlichen Gesichtsausdruck, den gräulich gewordenen langen Haaren und der kleinen Brille sieht das einstige Teenie-Idol heute ein wenig so aus wie ein zufriedener Physik-Lehrer in der Oberstufe. Bei all der Lockerheit, die er ausstrahlt, kann man schnell vergessen, dass hinter den Abba-Erfolgen harte Arbeit steckt - und die erfordert auch mal ein paar Opfer.

Ein kleineres davon war, dass sich Benny und Björn im Zuge der Bewegungserfassung für die digitalen Abbilder für die Londoner Abba-Show ihre vertrauten Bärte abrasieren mussten. «Wenn es getan werden muss, dann muss es getan werden», sagte Andersson dazu überaus pragmatisch der BBC. Man könnte auch sagen: Zwischen Benny Andersson und die Musik soll auch im fortgeschrittenen Alter kein Haar passen.

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