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35 Millionen für Antisemitismusforschung

„Mehr Sensibilisierungfür Antisemitismus in den Schulen“

Berlin

Weil „klassische Methoden“ der Erfassung, Beschreibung und Bekämpfung von Antisemitismus an ihre Grenzen kommen, will das Bundesbildungsministerium nun mit einer Aufrüstung der Forschung gegensteuern. Mit insgesamt 35 Millionen Euro sollen in mehreren Forschungsverbünden die aktuellen Ausprägungen des Problems behandelt und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. „Wir brauchen Tiefenwissen“, betonte Karliczek in einer Pressekonferenz.

Von Claudia Kramer-Santel

Anja Karliczek (r, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, Felix Klein (M), Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, und Frank Bajohr, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München. Foto: Soeren Stache/dpa Foto: Soeren Stache

Anja Karliczek findet für die Zunahme anti­semitischer Vorfälle klare Worte: „Es ist für Deutschland mehr als beschämend.“ Jüdisches Leben sei so bedroht wie schon lange nicht mehr – die Bundesbildungsministerin nennt als Bei­spiele Verschwörungstheorien am Rande von Querdenker-Demos, Radikalisierungen in der Gesellschaft, Judenhass im Netz.

Weil „klassische Methoden“ der Erfassung, Beschreibung und Bekämpfung von Antisemitismus an ihre Grenzen kommen, will das Bundesbildungsministerium nun mit einer Aufrüstung der Forschung gegensteuern. Mit insgesamt 35 Millionen Euro sollen in mehreren Forschungsverbünden die aktuellen Ausprägungen des Problems behandelt und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. „Wir brauchen Tiefenwissen“, betonte Karliczek in einer Pressekonferenz. Die Projekte gehen zum Teil auf eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Förderrichtlinie zurück und zum Teil auf den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus. Auch in Schulen müsse mehr Sensibilisierung und Aufklärung stattfinden. Am Ende brauche man neues, auch digitales Unterrichtsmaterial, um Lehrkräften ­etwas an die Hand zu geben. Besonders Judenhass im Internet sei in seinen Ausprägungen nicht aus­reichend analysiert worden.

„In der Regel geht Antisemitismus mit einer völligen Kenntnislosigkeit über die jüdische Kultur einher“, betonte der Historiker Frank Bajohr (München). Karliczek erklärte, man müsse auch den Alltag des jüdischen Lebens erforschen und besser vermitteln. Bajohr sprach vom Eisbergmodell, wonach nur die Spitze des verfestigten Antisemitismus sichtbar sei, „doch sie ruht auf einem Sockel aus Ressentiments, die sehr verbreitet sind“. Konventionelle Methoden der Meinungserhebungen stoßen an Grenzen. Auch die umstrittene statistische Er­hebung des Antisemitismus müsse überdacht werden. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, begrüßte das geplante breite Spektrum von vernetzten Forschungsvorhaben: „Wir stellen so sicher, dass das erzeugte Wissen ausgetauscht, verbreitet und genutzt wird.“

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