1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Agrarwende, die etwas kosten wird

  8. >

Gemeinsames Papier der Verbände

Agrarwende, die etwas kosten wird

Berlin

Mit Sorge blickt die Landwirtschaftsbranche auf die Koalitionssuche in Berlin. In einer ungewöhnlichen Allianz haben Agrar- und Umweltverbände jetzt gemeinsame Forderungen an die neue Bundesregierung gestellt.

Von unseremRedaktionsmitgliedFrank Polke

Bund-Chef Olaf Bandt Foto: Foto: dpa

Mit Sorge blickt die Branche auf die Koalitionssuche in Berlin. Die Union, mehr mit sich selbst beschäftigt als aktuell regierungsfähig. Und die Ampel-Sondierer von SPD, FDP und Grünen haben bisher wenig verlauten lassen, wie sie sich den Umbau der Landwirtschaft in Deutschland vorstellen. Deswegen kommt der Stellungnahme von Agrar- und Umweltverbänden große Bedeutung zu.

Was ist das Anliegen? Die neue Bundesregierung wird aufgefordert, den zwischen den Interessengruppen mühsam erzielten Konsens für einen Umbau der Landwirtschaft umzusetzen. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen war im Sommer ein breiter Konsens für einen Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Umwelt- und Tierschutz gelungen. Die Mehrkosten einer bei Ökologie und Tierwohl leistungsfähigeren Landwirtschaft müssten zu einem Teil auf den Märkten erwirtschaftet werden, waren sich die Beteiligten Interessengruppen von Handel, Landwirtschaft, Schlachtindustrie und Naturschutz einig. Wenn Lebensmittel teurer werden, sei dies für Einkommensschwache aber sozial zu flankieren. Der Vorsitzende der Kommission, Peter Strohschneider, hatte gesagt, die notwendige Transformation werde mehr kosten, als in öffentlichen Haushalten national und europäisch bisher vorgesehen sei.

Was sagen die Naturschutzverbände?

Nach Angaben von Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, hat die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) ein gutes und gerechtes Konzept für die Rettung der Natur vorgelegt, bei dem auch die wirtschaftlichen Interessen der Betriebe und der Landwirte berücksichtigt worden seien. „Jetzt müssen diese Über­legungen auch Teil der Sondierungen sein, die dann schnell umgesetzt werden“, so Niebert. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund), Olaf Bandt, forderte ein staatlich begleitetes Umbauprogramm für die Nutztierhaltung sowie eine verbindliche Pestizidreduktionsstrategie zum Schutz der Biodiversität. Ebenso wichtig sei, dass die Politik die Rahmenbedingungen für faire Preise für Erzeugerinnen und Erzeuger verbessere.

Und der Bauernverband? Der Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, forderte eine komplette Umsetzung der Ergebnisse der Kommission: „Ohne eine zukunftsfähige Landwirtschaft sind die Herausforderungen nicht zu bewältigen. Dazu braucht es Wertschätzung, Wertschöpfung, wirtschaft­liche Tragfähigkeit und ­Perspektive für die Landwirtschaft.“

Startseite