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Nach den Zwischenwahlen mehrt sich die Kritik am Ex-Präsidenten

DeSantis stiehlt Trump die Show

Washington

DeFuture“ titelte die konservative und bislang trumptreue „New York Post“ frech – eine Mischung aus den Wörtern DeSantis und Zukunft. Dazu ein Foto des jungen italienischstämmigen Gouverneurs von Florida, der mit Frau und Kindern in Florida elegant winkend seinen Erdrutschsieg feierte wie ein glamouröser Monarch.

Ron DeSantis winkt mit seiner Frau Casey und seinen Kindern in der Wahlnacht seinen Anhängern zu. Donald Trump gerät nach dem Wahlsieg von DeSantis immer mehr in die parteiinterne Kritik. Foto: IMAGO/Mike Lang

„DeFuture“ titelte die konservative und bislang trumptreue „New York Post“ frech – eine Mischung aus den Wörtern DeSantis und Zukunft. Dazu ein Foto des jungen italienischstämmigen Gouverneurs von Florida, der mit Frau und Kindern in Florida elegant winkend seinen Erdrutschsieg feierte wie ein glamouröser Monarch. Und das ausgerechnet im „Königreich“ Trumps, der seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus in seinem Anwesen in Florida wohnt. Sind seine fetten Jahre vorbei?

Fest steht: Die Zwischenwahlen in den USA haben bei den Republikanern einiges durcheinandergebracht. Umfragen hatten der Partei zum Teil überwältigende Erfolge vorhergesagt. Doch diese blieben aus – und das ist vor allem für Trump ein Problem. Denn er will partout weiter den Ton in der Partei angeben. Und dann hat der 76-Jährige für den 15. November – genau eine Woche nach der Wahl – noch eine „sehr große Mitteilung“ angekündigt – Beobachter gehen davon aus, dass er seine erneute Präsidentschaftskandidatur für das Jahr 2024 ankündigen will. Doch nun ist ausgerechnet sein größter Rivale und sein einstiger Ziehsohn Ron DeSantis gestärkt aus den Zwischenwahlen hervorgegangen – sein Stern überstrahlt den konservativen Himmel. Doch Trump hatte DeSantis schon vor der Wahl gewarnt, ebenfalls anzutreten. Dann würde er „Dinge über ihn enthüllen“, drohte Trump. Denn er wisse mehr über ihn als jeder andere. Eine Übertreibung, aber auch eine Drohung. Trump-Style eben.

Das eher maue Ergebnis der Wahlen könnte auch schwerwiegende Konsequenzen für Trumps Standing in seiner Partei haben. Wichtige Mitstreiter hielten sich bislang mit ihrem Urteil über die Lage der Partei und Trumps zurück. Das könnte sich ändern. Denn er hat ganz offensichtlich schwere strategische Fehler begangen. Er hat landauf, landab Kandidaten gefördert, die vor allem eine Botschaft verbreiteten: Die Wahl von 2020 war gestohlen, der demokratische Präsident Joe Biden sitzt zu Unrecht im Weißen Haus.

Das hat offenkundig moderate und unabhängige Wählerinnen und Wähler verschreckt. Ausgerechnet Trumps rechter Haussender Fox News fand dazu deutliche Worte. „Ron DeSantis ist der neue Anführer der republikanischen Partei“, kommentierte Kolumnistin Liz Peek. „Die Republikaner sind bereit, ohne Donald Trump weiterzuziehen.“ Er sei der größte „Verlierer“ der Wahl.

Das dürfte Trump die Zornesröte ins Gesicht treiben. Denn „Verlierer sein“ – das hasst er wie nichts anderes. Faktum ist: Viele von Trumps prominenten Schützlingen mit den geforderten politischen Extrempositionen verloren oder lagen in den Auszählungen hinten.

Welche Partei im Senat und im Repräsentantenhaus künftig den Ton angeben wird, könnte sich gar erst in einigen Tagen oder Wochen entscheiden. Eine besonders schwere Niederlage für Trump hielt das Rennen im umkämpften US-Bundesstaat Pennsylvania bereit. Dort verlor bei der Abstimmung für den Senatssitz sein Schützling Mehmet Oz gegen den Demokraten John Fetterman. In Georgia muss nun Trump-Anhänger Herschel Walker in die Stichwahl um den Senatssitz.

Anders Gouverneur DeSantis, der haushoch gewann – obwohl oder gerade weil er sich von Trump distanziert hat. Er ist erst 44 Jahre alt, hat an Elite-Unis Jura studiert – kein Anti-Establishment-Politiker. Aber er hat wie Trump ein Händchen für die Parteibasis. Auch liberalere Republikaner dürften sich jedenfalls nun ermutigt fühlen, ihren Hut in den Ring zu werfen. Immer wieder wird Ex-Vizepräsident Mike Pence gehandelt, aber auch der ehemalige Außenminister Mike Pompeo und die frühere UN-Botschafterin Nikki Haley.

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