1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Eine verlorene Generation

  8. >

Ein Jahr nach der Massenflucht der Rohingya

Eine verlorene Generation

Münster

Die 17-jährige Humaira flüchtete im August 2017 nach Bangladesch, nachdem ihre Eltern vor ihren Augen getötet worden waren. Im Flüchtlingslager Cox’s Bazar wird sie inzwischen von Rashna Sharmin Keya, einer Mitarbeiterin von „Save The Children“, betreut. Keya berichtete der Organisation gerade in einer Bilanz, dass es einen Monat dauerte, bevor Humaira bereit war, über das Erlebte zu sprechen. „Sie weinte und erzählte mir: ‚Alle sind tot. Meine ganze Familie ist in Myanmar getötet worden. Ich hab es gesehen’.“

Claudia Kramer-Santel

Hunderttausende Menschen leben in Cox‘s Bazar in Bangladesch: Dort befindet sich das größte Flüchtlingslager der Welt. Foto: dpa

Cox’s Bazar in Bangladesch: In Dutzenden Camps – darunter eines der bevölkerungsreichsten Flüchtlingslager der Welt – lebten teilweise bis zu eine Million Rohingya. Nach Angriffen von Rohingya-Rebellen auf Posten der Sicherheitskräfte am 25. August 2017 begannen die „Räumungsoperationen“ der Armee mit brutaler Gewalt, nach Ansicht der UN eine systematische ethnische Säuberung. Eine Rückführung der Flüchtlinge in ihre Heimat Myanmar wurde zwar vereinbart. Doch sie ist nichts geschehen. Denn die muslimische Minderheit wird im mehrheitlich buddhistischen Myanmar weiter unterdrückt. Kritik aus dem Westen prallt ab, der internationale Druck hält sich in Grenzen. Etliche Hilfsorganisationen versuchen, die Not zu lindern. Die dringendsten Grundbedürfnisse wurden inzwischen gedeckt. Doch es drängen sich andere auf.► Rund 950 Millionen US-Dollar (etwa 823 Millionen Euro) haben die Camp-Organisatoren von der internationalen Gemeinschaft erbeten. Nur ein Drittel davon ist bisher gedeckt. Nun droht, dass zahlreiche Leistungen gestrichen werden.► Hinzu kommt die Überfüllung und die Sorge vor der Verbreitung von Krankheiten, die sich durch verunreinigtes Wasser übertragen, weil Latrinen überfluten. Diese müssen in einem gewissen Abstand von Unterkünften gebaut werden. Das Problem ist der Platz.► Die Monsunzeit nähert sich dem Ende; in der Region gibt es aber immer wieder auch Zyklone. Gegen einen solchen Wirbelsturm kann man sich schwer rüsten.► Hinzu kommt das Pro­blem, dass die Kinder nicht zur Schule gehen können. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef beklagt, es gebe zwar Lernzentren für Kinder bis 14 Jahre, aber keinen richtigen Lehrplan. Es drohe eine verlorene Generation.

Startseite