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Wolodymyr Selenskyj

Ex-Komiker wird Volksheld

Für viele galt er als Witzfigur: Doch die Zeiten, wo Wolodymyr Selenskyj als Ex-Komiker belächelt wurde, sind vorbei. Der Präsident der Ukraine hat mit seinen beherzten, volksnahen Auftritten nicht nur die Sympathien seines Volkes, sondern die der ganzen Welt erobert.

Von Claudia Kramer-Santel

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj. Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/dpa

Für viele galt er als Witzfigur: Doch die Zeiten, wo Wolodymyr Selenskyj als Ex-Komiker belächelt wurde, sind vorbei. Der Präsident der Ukraine hat mit seinen beherzten, volksnahen Auftritten nicht nur die Sympathien seines Volkes, sondern die der ganzen Welt erobert.

Seine wichtigste „weiche“ Waffe ist ein einfaches Handy: Täglich meldet er sich per Videochat aus Kiew und zeigt damit: Ich bin noch da! Er sitzt nicht in prunkvollen Räumen, sondern bewegt sich auf der Straße, dann wieder im Keller, ist immer unterwegs – wie seine Leute. Seinen Anzug hat er an Tag eins des Krieges mit einem olivgrünen T-Shirt getauscht. Die Farbe soll zeigen: Wir sind jetzt alle Soldaten. Er verzichtet auf eine aufgeplusterte Uniform, präsentiert sich seinem Volk als ganz normaler, junger Familienvater, der als Zivilist plötzlich zum Dienst an der Waffe gezwungen wird.

Er wirkt dabei bewusst verletzlich wie sie alle, aber auch unbeugsam und kämpferisch. Sein Image ist nun das eines bedrängten Freiheitskämpfers, der sein Volk nicht im Stich lässt. Immer wieder sagt er: „Ich bin hier“. Auch wenn viele Ukrainer gehen. Mag sein Leben auch bedroht sein. Trotzdem wirkt er im Kampf um die Bilder viel erfolgreicher als sein Gegenspieler Wladimir Putin.

Die starke und positive Inszenierung im Netz ist kein Zufallsprodukt. Auch seine erste Karriere verdankt er dem Internet. Seine Serie „Diener des Volkes“ verbreitete sich dort erfolgreich – er spielte einen Geschichtslehrer, der Präsident wird.

Nun hat er im realen Leben dieses Amt inne. Immerhin hat der 44-Jährige vor seiner Schauspieler-Karriere Jura studiert. Sein Schauspiel-Talent dürfte ihm gerade mehr helfen. Er moduliert seine Stimme perfekt zum Anlass: mal kämpferisch, mal persönlich. Er lässt sich in die westlichen Parlamente der Welt schalten.

Selenskyj wirkt gestresst, neuerdings auch müde. Aber nicht einsam, denn er ist ein Mann, der Unterstützer um sich schart. Er ist ein Mensch, der zum Symbol der Hoffnung geworden ist. Gerade weil er ein Volksheld ist, kann er täglich zum tragischen Helden werden. Doch Selenskyj hat sich entschieden. Er bleibt da.

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