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Abschiedsbesuch der Kanzlerin

Forscherin: Israel bedauert Merkel-Abschied

Tel Aviv (dpa)

Die Kanzlerin habe sich stets «an die Seite von Juden» gestellt, sagt die Wissenschaftlerin Adi Kantor. Israel blicke mit Unsicherheit auf das Ende von Merkels Amtszeit. Der Diskurs werde antisemitischer.

Von dpa

Kanzlerin Angela Merkel will am Sonntag unter anderem den israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett, Präsident Izchak Herzog und Außenminister Jair Lapid zu Gesprächen treffen. (Archivbild) Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Vor dem Abschiedsbesuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Israel schaut das Land laut einer Wissenschaftlerin mit Unsicherheit auf das Ende ihrer Regierungszeit.

«Sie hat sich immer an die Seite von Juden in Deutschland, in Israel und auf der ganzen Welt gestellt», sagt Adi Kantor, Forscherin am Europa-Forschungsprogramm des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. «Es ist sehr wichtig für Israel zu wissen, dass Deutschland an seiner Seite steht und keinerlei Angriffe auf Israel und auf Juden auf deutschen Straßen tolerieren wird - besonders jetzt, wenn Merkel geht.»

Die Kanzlerin will am Sonntag unter anderem Ministerpräsident Naftali Bennett, Präsident Izchak Herzog und Außenminister Jair Lapid zu Gesprächen in Jerusalem treffen. Merkel war bei der Bundestagswahl am 26. September nicht mehr angetreten.

Expertin: Diskurs wird antisemitischer

Der öffentliche Diskurs in Deutschland werde weniger pro-israelisch und antisemitischer, sagt Kantor. Sie verwies dabei auch auf die Alternative für Deutschland (AfD). «Sehr alarmierend waren die antisemitischen Angriffe nach (der Militäroperation) 'Wächter der Mauern' im Mai. Wir haben eine neue Dimension von Attacken auf Juden in Deutschland gesehen.»

Israel und militante Palästinenser hatten sich im Mai einen elftägigen bewaffneten Konflikt geliefert. Dabei wurden in Israel nach offiziellen Angaben 13 Menschen getötet, im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 255 Menschen.

Kantor sagt, Merkel habe Geschichte geschrieben, als sie 2008 im israelischen Parlament Deutschlands historische Verantwortung für die Judenverfolgung als «Teil der Staatsräson meines Landes» bezeichnete. Israels Sicherheit werde für sie «niemals verhandelbar» sein, sagte die Kanzlerin damals. «Ich hoffe, die Führung, die sie ersetzen wird, wird sich auch so verpflichtet fühlen wie sie», sagt Kantor.

Die Kanzlerin werde hoch angesehen in Israel, in allen politischen Lagern. «Da scheint es ein sehr einzigartiges Vertrauen zu geben, das sehr viel mit dieser einzigartigen Führungsperson zu tun hat», sagt Kantor. «Wir haben verstanden, dass sie eine sehr wahre Freundin für die israelischen Juden und die Juden in Deutschland ist.»

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