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Neue Impf-Pläne

Hausärzte bereit zum Impfen

Ab Anfang April sollen die niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen. Wird dann die Impf-Reihenfolge vollends außer Kraft gesetzt? Das geschehe schon jetzt, mahnt ein Experte - und sorgt sich um die Schwächsten.

heu/dpa

Das Vorgehen der Bundesländer bei den Corona-Impfungen sorgt für Diskussionen. Foto: dpa

Ab Anfang April sollen die ­niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen. Darauf legte sich jetzt die Gesundheitsministerkonferenz fest. Der Impfstoff werde auf dem normalen Weg über Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. Der büro­kratische Aufwand soll so auf ein Minimum reduziert werden, hieß es. Die Impfzentren bleiben zudem vorerst bestehen und vereinbarte Termine erhalten.

Der Deutsche Hausärzteverband begrüßt die Entscheidung der Gesundheitsminister. „Das finde ich sehr gut, das unterstützen wir“, sagte Bundesvorstandsmitglied Anke Richter-Scheer am Dienstag. Laut Kassenärzt­licher Bundesvereinigung (KBV) stehen fürs Impfen 75 000 Haus- und Facharztpraxen in Deutschland bereit. Wenn 50 000 Arztpraxen täglich jeweils 20 Impfstoffdosen verabreichten, könnten laut KBV alleine dadurch bis zu fünf Millionen Impfungen in der Woche durchgeführt werden. Wenn es ­genug Impfstoff gibt, kann es nach Modellrechnungen gelingen, bis zum 1. August einen Impfvollschutz der gesamten Bevölkerung zu erreichen.

Welche Auswirkungen auf Impfreihenfolge und -ort die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) hat, den Astrazeneca-Impfstoff auch bei Menschen über 65 Jahren zu verimpfen, ist indes noch unklar. Denn noch wurde die Coronavirus-Impfverordnung des Bundes nicht geändert. Auf Anfrage stellte das Gesundheits­ministerium NRW am Dienstag klar, man prüfe, wie sich eine erwartete Freigabe auf das Impfgeschehen auswirke. „Bis dahin gilt weiterhin, dass spätestens im Mai mit dem Beginn der Impfungen der über 70-Jährigen zu rechnen ist.“

Fest steht, dass die Einladung für diese Gruppe Jahrgangs- oder Zweijahrgangsweise geschehen wird. Die Betroffenen werden rechtzeitig über den Beginn der Impfungen und die Terminorganisation informiert. Derzeit hat bislang rund die Hälfte aller in NRW lebenden über 80-Jährigen eine Erstimpfung erhalten.

Kritik an der Impfreihenfolge äußerte am Dienstag der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens. Die Länder würden sich über die Impfverordnung des Bundes hinwegsetzen. Der Ulmer Virologe sagte: „De facto wird in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen.“ Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären.

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