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Die Afrikareise des Entwicklungsministers Gerd Müller

In Eritrea keimt Hoffnung

ASMARA/ BERLIN/ M...

Wenn Entwicklungsminister Gerd Müller heute auf seiner Afrikareise Station in der eritreischen Hauptstadt Asmara macht, könnte dies ein Neubeginn für die Beziehungen zwischen den Ländern werden. Denn Anfang Juni hatten Äthiopien und Eritrea nach von Krieg und Gewalt beherrschten Jahrzehnten den zuletzt immer wieder aufflammenden Grenzkonflikt beigelegt. „Der Friedensprozess ist irreversibel“, erklärte die Koordinatorin der UN-Residenz in Asmara, Susan Ngongi-Namondo.

Ulrich Coppel

Auf dem Medebar Market in Eritrea werden Chilischoten gemahlen und alle erdenklichen Alltagsutensilien produziert. Foto: Ulrich K. Coppel

Aus eritreischer Sicht war die durch den neuen äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali endgültig zugesicherte Anerkennung des ausgehandelten Grenzverlaufes dafür die Voraussetzung. Die fast zwei Jahrzehnte andauernde Situation „no ­peace – no war“ war Ursache für die seither ununterbrochene Dauermobilisierung Eritreas. Sie bewirkt, dass die gesetzliche Wehrpflicht von 18 Monaten auf unbestimmte Zeit ausgedehnt wurde. Hinzu kommt das in 2009 verhängte UN-Embargo, welches Eritrea wirtschaftlich total isolierte. Die Sanktionen waren aufgrund von Vorwürfen verhängt worden, dass Eritrea im Bürgerkrieg im benachbarten Somalia die fundamental-islamische Al-Shabaab-Miliz unterstützt habe.

Obwohl sich dafür bis heute keine Beweise fanden, und obwohl inzwischen sogar Äthiopien und Somalia selbst seit Kurzem ein Ende der Sanktionen gegen Eri­trea fordern, gelten diese bis heute unverändert. Die unendlich andauernde Wehrpflicht und die bittere Armut der Bevölkerung trieb Hunderttausende, zumeist junge Eritreer in die Flucht nach Europa.

Auch Entwicklungsminister Müller hofft auf Reformen im Land. Im Vorfeld der Reise sagte er: „Jetzt brauchen wir einen verlässlichen Friedensprozess. Deutschland bietet dazu seine Unterstützung an, zum Beispiel mit beruflicher Bildung. Denn Eritrea muss jungen Menschen dringend neue Perspektiven eröffnen. Das kann auch ein Signal an die vielen Eritreer sein, die nach Deutschland geflohen sind. Wichtig für unsere Unterstützung sind allerdings konkrete Reformschritte.“

Das scheint ganz im Sinne Eritreas zu liegen: Präsidentenberater Yemane Gebreab kündigte zuletzt eine Demobilisierung der Wehrkräfte sowie eine Zurückführung der Wehrpflicht auf die in Friedenszeiten geltenden gesetzlichen 18 Monate an. Dazu meinte Eritreas Informationsminister Yemane Gebremeskel im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir brauchen jetzt ein Ende der ungerechten Sanktionen gegen unser Land, und heißen jeden Investor herzlich willkommen, mit uns zu verhandeln.“

Investitionen, Ausbildung und Arbeit würden für das ressourcenreiche Eritrea wirtschaftlichen Aufschwung bewirken – und damit für die Jugend auch eine Perspektive bieten, im Land zu bleiben. Bleibt die Chance jetzt ungenutzt und der Osten Afrikas weiter von der Weltgemeinschaft abgekoppelt, dann drohen bald neue Bürgerkriege, die weitere Flüchtlingsströme generieren werden.

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