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Corona-Pandemie

Inzidenz auf Rekordwert - BDI-Chef kritisiert Corona-Politik

Berlin (dpa)

Die Neuinfektionen steigen weiter. Weiterhin sind viele Menschen ungeimpft. Das Ziel der Bundesregierung, bis Ende Januar 80 Prozent der Bevölkerung zu impfen, steht vor dem Scheitern.

Von dpa

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie e. V. (BDI), übt scharfe Kritik am Corona-Management. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldete bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat erstmals die Schwelle von 1100 überschritten. Das RKI gab den Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 1127,7 an.

Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1073,0 gelegen, vor einer Woche bei 772,7 (Vormonat: 205,5). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 189.166 Neuinfektionen - vor einer Woche waren es 135.461 Ansteckungen.

Vor zwei Jahren - am 27. Januar 2020 - war das Coronavirus in Deutschland erstmals bestätigt worden. Seitdem wurden mehr als 9,6 Millionen Infektionen registriert, rund 118.000 Menschen starben an oder unter Beteiligung einer Infektion. Am Samstag wurden erneut mehrere Proteste gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise und die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht erwartet.

Kritik am Corona-Management

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, kritisierte das bisherige Pandemie-Management. «Nach zwei Jahren Corona ist es völlig inakzeptabel, dass es nicht genug aktuelle Daten, PCR-Testkapazitäten und einheitliche Hygienekonzepte für Schulklassen gibt», sagte Russwurm den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). «Und mich verwundert manche Entscheidungsfindung. Wir erleben Corona-Gipfel von Bund und Ländern mit großer Einigkeit − und ein paar Stunden später landesspezifische Varianten der Entscheidung.» Das führe zu Vertrauensverlust und zu einem Flickenteppich, den keiner mehr verstehe. Russwurm sagte: «Ich wünsche mir mehr Systematik. Deutschland kommt einfach nicht vor die Welle.»

Wegen der rasanten Ausbreitung der Virusvariante Omikron stellen sich die Kliniken auf zahlreiche neue Patienten ein. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte daher von der Bundesregierung neue und verlässliche Maßstäbe zur Bewertung der Lage. Da die bisher im Fokus stehende Sieben-Tage-Inzidenz in der laufenden Omikron-Welle auch wegen mangelnder Testmöglichkeiten ihre vorwarnende Wirkung verliere, «brauchen wir ein neues Bewertungssystem, das sich an der Belegung der Krankenhausbetten orientieren sollte», sagte der CSU-Chef der «Welt am Sonntag». «Nur so erfahren wir, ob das Gesundheitssystem stabil bleibt - oder ob eine Überlastung droht.»

Die Zahl der Impfungen in Deutschland nahm derweil ab. Wie aus RKI-Daten hervorgeht, wurden am Freitag mindestens 370.000 Impfdosen verabreicht - am Vortag waren es noch 466.000. Am Freitag vor einer Woche gab es knapp 582.000 Impfungen, am Freitag davor etwa 769.000. 63 Millionen Menschen oder 75,7 Prozent erhielten mindestens eine Impfdosis. Das Ziel der Bundesregierung, bis Ende Januar 80 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal gegen Corona zu impfen, ist somit kaum noch zu erreichen.

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