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Umfrage zur Schulpolitik

Lehrer in NRW gehen gern zur Arbeit, fühlen sich aber mit Problemen alleingelassen

Düsseldorf

Ihren Job machen sie aus Überzeugung. Trotzdem reiben sie sich an vielen Rahmen­bedingungen auf und geben in einer Forsa-Umfrage der Schulpolitik in NRW eine unterdurchschnittliche Note. Was kreiden die Lehrer den Politikern an?

Hilmar Riemenschneider

Die Arbeit mit jungen Menschen nennen 98 Prozent der Lehrer als stärkste Motivation für ihre Berufswahl. Und 89 Prozent der Lehrkräfte in NRW gehen trotz aller Belastungen „gern“ bis „sehr gern“ zur Arbeit. Foto: dpa

Ihren Job machen sie aus Überzeugung: Mit jungen Menschen zu arbeiten und ihnen Wissen zu vermitteln, nennen 98 Prozent der Lehrer als stärkste Motivation für ihre Berufswahl. Und 89 Prozent der Lehrkräfte in NRW gehen „gern“ bis „sehr gern“ zur Arbeit. Trotzdem reiben sie sich an vielen Rahmen­bedingungen auf: In einer Forsa-Umfrage gaben sie darum der Schulpolitik in NRW die Note 4,2. Der bundes­weite Durchschnitt liegt mit 4,0 etwas besser. „Ich rate dringend, dass die Politik die ‚Vier minus‘ ernst nimmt und erkennbar nachsteuert“, mahnte am Montag Udo Beckmann, Landes und Bundesvorsitzender des Lehrer-Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), der die Studie in Auftrag gab.

► Was kreiden die Lehrer den Politikern an?

Als größten Fehler monierten 85 Prozent (NRW: 87) der bundesweit 1001 Befragten, dass politische Entscheidungen nicht dem Schulalltag gerecht werden. Zwei Drittel finden, dass die Arbeitszeiten für Aufgaben außerhalb des Unterrichts unrealistisch bewertet sind. Fast ebenso viele Lehrer beklagen zu große Klassen in zu kleinen Räumen.

►  Welche Unterstützung wünschen sich die Lehrkräfte?

Nur in etwa jeder zweiten Schule können Lehrer auf Teams mit Sozialarbeitern und Psychologen zurückgreifen. Dabei halten 89 Prozent der Pädagogen in NRW dies für unabdingbar. Jeder Zweite fühlt sich mit schwierigen Schülern alleingelassen. Zwei Drittel kritisieren, dass sie Klassen mit sehr breitem Leistungsspek­trum allein unterrichten müssen. Für elementar halten 85 Prozent der Lehrer Fortbildungen, aber nur 71 Prozent kommen in den Genuss.

►  Wie wirken sich die Sorgen aus?

18 Prozent der Lehrer treibt laut Umfrage die Angst um, dass sie den Anforderungen ihres Berufs nicht mehr gewachsen sein könnten – bundesweit sind es 21 Prozent. Weil vier vom zehn Lehrern die Gesundheitsprävention als mangelhaft einstufen, sieht der VBE eine hohe Gefahr der Selbstausbeutung.

Kommentar

Motivation wiegt stärker

►  Wie fällt die politische Bewertung aus?

Die hohe Motivation der Lehrer verdeutlichte VBE-Chef Beckmann an einem Beispiel: „Der Unterrichtsausfall wäre viel höher, wenn die Kollegen nicht bereit wären, deutlich über ihr Soll hinauszugehen.“ CDU und FDP warnten, die Lehrer stießen angesichts drängender Aufgaben wie der Inklusion oder dem Unterricht für Flüchtlingskinder an die Grenzen der Belastungs­fähigkeit. Schulministerin Sylvia Löhrmann betonte, mit der 2010 einberufenen Bildungskonferenz sei ein Forum geschaffen, um über diese Themen zu sprechen und Lösungen zu erarbeiten.

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