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Besuch in Odessa

Roth sieht kulturelle Identität der Ukraine bedroht

Odessa (dpa)

Für die Sicherung von Kultur ist auch militärischer Schutz notwendig. Das zeigt sich Kulturstaatsministerin Claudia Roth beim Besuch in Odessa. Manches ist bereits zerstört, noch viel mehr bedroht.

Von dpa

Staatsministerin Claudia Roth steht in Odessa an einer Panzersperre an dem mit Sandsäcken geschützten Standbild des Armand Emmanuel du Plessis, Duc de Richelieu, der ab 1803 für elf Jahre der erste Gouverneur der Hafenstadt war. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist aus Sicht von Kulturstaatsministerin Claudia Roth die kulturelle Identität des Landes bedroht.

«Dieser Krieg ist auch ein Krieg gegen die Kultur, gegen die Kultur der Demokratie», sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag bei einem Besuch in der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Roth ist das erste Kabinettsmitglied, das Odessa seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine besucht.

Nach mehr als drei Monaten Krieg seien 375 Kultureinrichtungen zerstört oder beschädigt, sagte Roth. Auch 137 Kirchen seien betroffen. «Da wird deutlich: Es geht darum, die kulturelle Identität der Ukraine anzugreifen.»

Wird Odessa Welterbe-Stadt?

Roth versprach dem Land Unterstützung. «Wir versuchen jetzt ein internationales Zeichen zu setzen, indem wir die Nominierung der Altstadt Odessas unterstützen als Welterbe-Stadt.» Die internationale Gemeinschaft müsse entsprechend Verantwortung übernehmen. Dies sei vielleicht auch ein zusätzlicher Schutzschild vor Angriffen. Zudem sprach sie sich dafür aus, der Ukraine den Kandidatenstatus für die Europäische Union zu geben. Es gehe «auch um Werte, die wir teilen: die Werte der Freiheit, der Gerechtigkeit und eines Lebens in Frieden».

Die Staatsministerin verwies darauf, dass Deutschland in der Ukraine auch die Digitalisierung von Archivbeständen unterstütze. «Hier werden auch Bibliotheken und alte Archive angegriffen, also das Gedächtnis von Städten, von Gemeinden, von einer Gesellschaft.»

Im Gespräch mit Roth in Odessa wies der Gouverneur der Region, Maksym Marchenko, auf die Notwendigkeit auch militärischer Unterstützung hin. «Wir haben hier dasselbe Problem wie in der ganzen Ukraine», sagte Marchenko. «Wir brauchen bestimmte Arten von Waffen für die Panzerabwehr, für die Luftabwehr, für die Schiffsabwehr», so der Militär. «Die Reserve an Munition, die wir haben, reicht nicht, um die Stadt zu verteidigen.»

Getreideernte steht bevor

Roth und Marchenko sprachen auch über die Blockade von Getreidelieferungen über den wichtigsten Seehafen der Ukraine. In den Silos lagern rund 20 Millionen Tonnen. Der Beginn der nächsten Ernte ist laut Marchenko in zwei Wochen.

Die Ukraine sieht laut Marchenko aktuell nur in einem grünen Korridor eine Lösung der Blockade von Seiten der russischen Schwarzmeerflotte. Es sei eine Garantie von Seiten Russlands notwendig, betonte Marchenko. Dann könnten die Getreidetransporte auslaufen, wenn keine russischen Kriegsschiffe kämen. Die Frage sei allerdings, welche Garantien Russland glaubhaft geben könne.

«Für den grünen Korridor muss Russland den Schwarzmeerraum entminen», sagte Marchenko. Dafür seien zwei Wochen notwendig.

Roth ist auf Einladung des ukrainischen Kulturministers Olexandr Tkatschenko in Odessa. Die Stadt gilt nicht nur als Kulturmetropole, sondern ist vor allem wegen ihres großen Hafens auch von strategischer Bedeutung. Zuletzt gab es erneut Meldungen über Raketenangriffe im Raum Odessa.

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