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Ein Unbekannter soll künftig die NRW-SPD führen

Sebastian wer?

Düsseldorf

Die markigen Wortstanzen hat er schon drauf. „Die SPD ist stark, sie wird gebraucht.“ Und zwar als starke Stimme. „Die SPD kann gesellschaftlichen Wandel, sie kann den Umbruch organisieren. Ich will den Umbruch organisieren.“ So klingt der von einer Findungskommission als künftiger SPD-Landesvorsitzender vorgeschlagene Sebastian Hartmann. Sebastian wer?

Hilmar Riemenschneider

Knapp ein Jahr nach der Wahlniederlage will die SPD mit dem designierten Vorsitzenden Sebastian Hartmann auf Aufbruch setzen. Foto: dpa

Der 40-Jährige sitzt seit 2013 im Bundestag, wohnt in Bornheim im Rhein- ­Sieg-Kreis und ist SPD-Chef des drittgrößten NRW-Bezirks Mittelrhein. Am Dienstag stellt er sich in der SPD-Landtagsfraktion vor, anschließend präsentiert ihn der Noch-Vorsitzende Micha­el Groschek mit der als Generalsekretärin nominierten Landtagsabgeordneten Nadja Lüders aus Dortmund der Öffentlichkeit.

Dass Hartmann in der Partei weitgehend unbekannt ist, streitet Groschek trotzig ab. Und im Übrigen werde das neue Spitzenteam jetzt durch die Ortsvereine tingeln und sein Konzept zur Erneuerung der Partei vorstellen. Hartmann will die SPD mit „klareren Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit“ wie die Digitalisierung und die Verteilung von Arbeit und Vermögen als „linke Volkspartei“ profilieren.

Doch an der Basis müssen sich Hartmann und Lüders, die er schon als „meine ­Generalsekretärin“ tituliert, kritischen Fragen stellen: Denn beide Namen waren schon vor Ostern publik, ­bevor die Findungskommission getagt hat. Vielen Genossen stößt der Eindruck auf, dass Fraktionschef Norbert Römer und Groschek hinter den Kulissen das ­Personaltableau festgezurrt haben.

Dazu gehört, dass der 71-jährige Römer – er führt den mächtigsten Bezirk Westliches Westfalen – den Fraktionsgeschäftsführer Marc Herter (43) aus Hamm als Nachfolger durchsetzen will. Die Wahl wird auf den 24. April vorgezogen, eine Woche vorher sollen sich die Kandidaten herauswagen. Das hat noch keiner öffentlich getan.

Es dürfte zur Kampf­abstimmung kommen. Die Fraktionsvizes Martin Börschel und Thomas Kutschaty werden sich vermutlich einigen, wer von ihnen gegen Herter antritt. Nur dann wäre ihre Chance gewahrt, denn Römers Bezirk stellt die meisten Abgeordneten.Dass ihm alle folgen, ist indes unsicher. Am Dienstag ist in der Fraktionssitzung jede offene Diskussion über das Personaltableau, den plötzlichen Zeitdruck und die Indiskretionen unterblieben. „Das ist kein gutes Zeichen“, ahnt ein Abgeordneter und warnt vor einer „Rebellion auf dem Stimm­zettel“. Dass nur wieder der Regionalproporz zählt und dabei Talente durchs Raster fallen, beunruhigt viele Genossen – Funktionäre und an der Basis. Manche murren, Römer und Groschek hätten die Schraube damit überdreht. Zu stark vielleicht, unkt ein Genosse: „Nach ganz fest kommt ganz locker.“

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