1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. „Tiefe Beziehung mit Potenzial“

  8. >

Israelischer Botschafter lobt enge Kooperation mit Berlin

„Tiefe Beziehung mit Potenzial“

Münster

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff ist nur noch drei Monate im Amt. Das macht seinen Auftritt bei einer münsterischen Studentenverbindung zum Teil einer Art „Abschiedstour“ in NRW, bei der er eine positive, aber auch sehr nachdenkliche Bilanz zog

Von Claudia Kramer-Santel

Jeremy Issacharow, Botschafter des Staates Israel Foto: Claudia Kramer-Santel Foto: Claudia Kramer-Santel

„Ich bin sehr beeindruckt von der Tiefe der deutsch-israelischen Beziehungen, die sich gerade in aktuellen Krisen gezeigt hat“, sagt Jeremy Issacharoff gleich am Anfang dieses Abends. Ob Militärhilfe, ob engste Geheimdienstkooperation: Deutschland sei zentraler Verbündeter Israels in der EU. Der israelische Botschafter ist nur noch drei Monate im Amt. Das macht seinen Auftritt bei einer münsterischen Studentenverbindung zum Teil einer Art „Abschiedstour“ in NRW, bei der er eine positive, aber auch sehr nachdenkliche Bilanz zog. „Dass beide Länder bereits 1965 diplomatische Beziehungen aufgenommen haben, ist eine starke, einmalige Botschaft an die ganze Welt“, sagt er. Es sei der Beweis, dass auch aus einer scheinbar unmöglichen Ausgangssituation nach dem Holocaust etwas Neues, sehr Enges wachsen könne.

Höhepunkt der diplomatischen Annäherung war für Issacharoff die Rede von Angela Merkel in der Knesset 2008, in der sie Israels Sicherheit zur deutscher Staatsräson erklärt hatte. Doch auch für die aktuellen deutschen Staatsfrauen und Staatsmänner in Berlin findet Issacharoff nur lobende Worte: Nicht nur von Heiko Maas, auch von der neuen Außenministerin Annalena Baerbock habe er bereits einen positiven Eindruck als Freundin Israels gewonnen.

Bewegender Höhepunkt seiner Amtszeit war die Teilnahme an einer Reise anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in Yad Vashem vor „bösen Geistern in neuem Gewand“ warnte. Die Reise endete mit dem Händeschütteln der Präsidenten Rivlin und Steinmeier am Brandenburger Tor. „Das war unvergesslich.“

Der Botschafter verhehlt später im Gespräch nicht, dass das tödliche Attentat auf eine Synagoge in Halle, aber auch der Alltagsantisemitismus für ihn Grund zur Sorge sind. Auch die Verwendung von Davidsternen etc. bei Coronademos hält er für „völlig unakzeptabel und schändlich“. Wenn man Probleme mit der Politik eines Landes hat, sollte man miteinander reden. Umso mehr kämpfte er für einen Ausbau des Jugendaustausches zwischen Israel und Deutschland. „Durch Begegnung spüren junge Menschen die enge Verbindung unserer Länder mehr als durch viele Worte. Sie sind unsere Zukunft.“

Neues Potenzial für die Beziehung beider Länder sieht er in NRW auch im Bereich der technologischen Kooperation von Start Ups, bei der Digitalisierung oder der im Nahen Osten so wichtigen Bewässerungstechnologie.

Startseite
ANZEIGE