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Gemeinsame Erklärung

UN-Klimakonferenz: Medien aus aller Welt verurteilen Kohle, Öl und Gas

Ägypten

Die diesjährige Weltklimakonferenz (COP27) ist am Montag in ihre zweite Woche gestartet. Nun haben Medien aus über 20 Ländern eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Es geht für sie um nicht weniger als die Rettung der Welt - und um viel Geld.

Von Patrick Andreas

Die diesjährige Weltklimakonferenz findet im ägyptischen Sharm El-Sheikh statt. Vor allem das Thema Klimafinanzierung steht 2022 im Fokus der Verhandlungen. Foto: dpa/Christophe Gateau

Bisher waren die meisten seriösen Medien darum bemüht, möglichst objektiv über den Klimawandel zu berichten. Einige Klimaaktivisten fordern hier jedoch mittlerweile ein Umdenken: Es reiche aus ihrer Sicht nicht mehr aus, gelegentlich und so distanziert wie möglich über die globale Erwärmung zu informieren - stattdessen hätten vor allem Medien mit einer großen Reichweite die Aufgabe, einen eigenen Fokus zu setzen und die Aufmerksamkeit aktiv auf Missstände in der Politik zu lenken. 

So plädiert der Verein „Klima° vor acht“ für eine Klimaberichterstattung im Fernsehen, die "täglich zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird und so viele Zuschauer wie möglich erreicht" - in den sozialen Medien wird diese Initiative von mehreren tausend Menschen unterstützt. Ein weiteres Beispiel ist Luisa Neubauer. Das Gesicht der Fridays for Future-Bewegung in Deutschland erklärte letzte Woche im Gespräch mit dem WDR, dass es nicht die Aufgabe der Klimaschutzbewegung sei, von dort zu berichten, wo die Not am schlimmsten ist. Auch sie wünsche sich eine Medienlandschaft, die dies für die meist noch jungen Klimaschützer übernimmt - und die sich damit auf einer Gradwanderung zwischen Journalismus und Aktivismus befinden würde.

Fossile Energieträger im Fokus

Zu solch einer Doppelrolle haben sich nun über dreißig reichweitestarke Medien aus über 20 Ländern zusammengefunden. Europäische Unterschriften kamen unter anderem aus Frankreich ("Libération"), Dänemark ("Politiken"), Polen ("Gazeta Wyborcza") und Großbritannien ("Daily Mirror"). Am frühen Dienstagmorgen veröffentlichten sie, unter der Federführung der in London beheimateten Tageszeitung „The Guardian“, eine gemeinsame Erklärung, die vor allem einen gemeinsamen Gegner ausruft: fossile Energieträger. Ihre Nutzung sei für den Klimawandel hauptverantwortlich und müsse so schnell wie möglich beendet werden. Tatsächlich würden aber gerade die reicheren Staaten momentan genau das Gegenteil tun und wieder vermehrt in Kohle, Öl und Gas investieren - und somit ein „Klimachaos“ riskieren.

Neben der endgültigen Abkehr vom fossilen Zeitalter fordern die Medien reiche Länder nicht nur dazu auf, das Klima konsequenter zu schützen, sondern auch eine stärkere finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer umzusetzen. Hierbei bezieht sich das gemeinsame Schreiben auf das vor über einem Jahrzehnt gemachte Versprechen der Industriestaaten, ärmeren Ländern zwischen 2020 und 2025 jährlich insgesamt 100 Milliarden für mehr Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Bislang wurde dieses Versprechen in keinem einzigen Jahr eingehalten - auch nicht von Deutschland. Gleichzeitig ist eine stärkere Besteuerung der größten Öl- und Gaskonzerne Teil der Forderungen.

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