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Unter dem Titel „Diskurs Bayreuth“ kreisen mehrere Kunstwerke um den „Ring“

Puppen am Tümpel, Skulptur im Park

Bayreuth

Bayreuth nähert sich dem „Ring des Nibelungen“ in diesem Jahr mit Kunstaktionen im Freien. Da kommt es für die Gäste zu kuriosen und optisch einnehmenden Begegnungen.

Von Harald Suerland

So sieht in diesem Jahr die „Götterdämmerung“ aus. Eine Installation von Chiharu Shiota. Foto: Harald Suerland

Es ist nicht gerade ein Ersatz für den „Ring“ – aber immerhin haben die Bayreuther Festspiele es in diesem Jahr geschafft, um „Die Walküre“ herum die anderen drei Opern künstlerisch in den Blick zu rücken. Am ulkigsten sicherlich im Falle des „Siegfried“: Da konnten sich die Zuschauer in den „Walküre“-Pausen von Videokünstler Jay Scheib in einen Drachenkämpfer verwandeln lassen, der durch eine 3D-Brille im virtuellen Festspielhaus zum Schwert greift. Ob diese paar Minuten Amüsement allerdings gute Vorzeichen für die geplante „Parsifal“-Inszenierung des Amerikaners sind, bei der sich die Opernbesucher während der Vorstellung 2023 mit Masken zusätzliche Bilder liefern lassen, bleibt abzuwarten.

Puppen in der Uraufführung der Oper „Immer noch Loge“ von Gordon Kampe am Rande der Bayreuther Festspiele. Foto: Enrico Nawrath

Für die freien Vormittage der „Walküre“-Aufführungen haben Katharina Wagner und Co. die einstündige Oper „Immer noch Loge“ auf einen Text von Paulus Hochgatterer bei Gordon Kampe in Auftrag gegeben. Das Ganze wird am und im Weiher am Fuß des Grünen Hügels aufgeführt, was leider zur Folge hat, dass dieser Teil des Parkgeländes von hohen Zäunen umsäumt wird. Das Stück selbst nimmt zwar die Rheintöchter und Urmutter Erda in den Fokus, die über den eingesperrten Feuergott Loge Gericht halten, und bezieht sich also auf „Das Rheingold“. Aber über Loges Schlüsselsatz „Welchen Handel hätt’ ich geschlossen?“ hinaus geht es eher um das Aufarbeiten des Weltenbrandes am Ende der „Götterdämmerung“: Zwar wird Loges Gefängnis laut Libretto am Schluss entzündet, aber der Komponist und der Regisseur Nikolaus Habjan gönnen ihm die letzten Worte, wohl wissend, dass der einst mächtige Göttervater Wotan ja Loges Auftraggeber war.

Mit großen Puppen im Rollstuhl (Erda) und im Teich sowie drei Sängern ohne Scheu vor dem Wasser setzt die Inszenierung auf simple Bilder eines Open-Air-Spektakels, dessen Text und Musik deutlich mehr an Details zu bieten haben. Der finalen „Götterdämmerung“ schließlich gilt die Skulptur von Chiharu Shiota auf der anderen Seite der Hügel-Auffahrt. Das Seil der Nornen aus dem Beginn der Oper wird bei ihr zu einem schier endlosen, verschlungenen roten Band. Eine Installation, die an Ringe, Reusen oder an Blutbahnen erinnert und zum Schauen und Sinnieren einlädt, die aber auch im Kontrast zum Grün des Parks einen eigenen Reiz verströmt.

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