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Wassermangel in Südafrika

128 Tage bis „Stunde Null“

Münster

Aktuell bleiben Kapstadt noch 128 Tage bis zur „Stunde Null“. Dann wird die Wasserversorgung der gesamten Stadt abgedreht. Sollte es bis dahin nicht ausreichend regnen, wird Trinkwasser nur noch vom Militär an bestimmten Versorgungsstellen ausgegeben, strikt rationiert auf 25 Liter pro Person und Tag. Es drohen Unruhen und schlimmstenfalls gewaltsame Auseinandersetzungen.

Mirko Heuping

Zwar neigt sich der süd­afrikanische Sommer langsam dem Ende zu, doch noch immer lechzen Einwohner und Touristen in der Metropole Kapstadt bei bis zu 35 Grad im Schatten nach Abkühlung. „Oft sieht es so aus, als würde es regnen und alle blicken hoffnungsvoll in den dunklen Himmel, doch dann passiert es wieder nicht“, sagt Matthias Klager. Der 30-jährige Steinfurter lebt gerade für sein Studium ein Jahr in Stellenbosch, rund 40 Kilometer von Kapstadt entfernt.

Schlimme Dürreperiode

Der Sprung ins kühle Nass des Swimmingpools und die Dusche zur Erfrischung zwischendurch sind für die Kapstädter schon länger tabu. Seit drei Jahren leidet die Region unter einer der schlimmsten Dürreperioden ihrer Geschichte. Die Reservoire, die Kapstadts Wassersystem speisen, sind fast leer. Die Regierung hat deshalb in der vergangenen Woche den Katastrophenzustand ausgerufen. Der Wasserverbrauch ist auf 50 Liter pro Tag beschränkt. Zum Vergleich: Der Durchschnittsdeutsche verbraucht täglich 120 Litern.

Strikte Regeln

Klager spürt in seinem Alltag immer wieder, was die Wasserknappheit bedeutet: „Beim Duschen stellen wir einen Eimer auf, um das Abwasser für die Toilettenspülung aufzufangen. In Restaurants bekommt man sein Essen auf wegwerfbaren Papptellern serviert und beim Friseur müssen die Kunden sogar ihr eigenes Wasser zum Haarewaschen mitbringen. Sogar das Trinkwasser im Supermarkt war zuletzt knapp.“ Wer sich nicht an die strikten Regeln hält, muss empfindliche Strafen zahlen. Längst beäugen die Einwohner der Vier-Millionen-Einwohner-Stadt auch den Wasserverbrauch ihrer Nachbarn kritisch.

So versuchen reichere Kapstädter, Einschränkungen zu umgehen

Eine Expertin des Interessenverbandes Social Justice Coalition (SJC), der sich für die Grundrechte der Ärmsten einsetzt, sagt: „Zum ersten Mal müssen alle Menschen in Kapstadt mit Wasserbeschränkungen leben, die für Slumbewohner schon immer zum täglichen Leben gehören.“ Die reicheren Kapstädter versuchen dies dennoch zu umgehen. „Sie ziehen sogar in Hotels, weil die Einschränkungen für die Touristen nicht ganz so strikt sind“, sagt Klager.

Die Lage ist kritisch

Der Ernst der Lage ist den meisten aber mittlerweile bewusst. Viel zu spät, wie Kritiker behaupten. Trotz der Dürre seien lange nur unzureichende Maßnahmen zur Reduktion des Wasserverbrauchs getroffen worden. Die jüngsten Erfolge beim Wassersparen und der Import von Wasser aus einer Nachbarregion haben sich immerhin bereits auf die „Stunde Null“ ausgewirkt. Erst in dieser Woche wurde er vom 4. Juni auf den 9. Juli verschoben. Ein Etappensieg, doch die Lage ist nach wie vor kritisch.

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