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Verkehrsdebatte

E-Scooter: Die Promillegrenze schwankt

Goslar/Münster

Wer betrunken auf einem Elektroroller erwischt wird, ist schneller den Führerschein los, als er vermutet. Für E-Scooter-Fahren gilt die 0,5-Promille-Grenze wie beim Autofahren. Fahrradfahrer dürfen mehr trinken – ist das gerecht?

Von Ralf Repöhler

Alkohol und E-Roller-Fahren vertragen sich nicht gut. Trotzdem fordern Verbände wie der ADAC ein Anheben der bisherigen Promillegrenze. Foto: dpa

Raus aus der Kneipe und los mit dem Roller – wer betrunken mit einem Elek­tro-Scooter im Straßenverkehr unterwegs ist, läuft rasend schnell Gefahr, seinen Führerschein zu verlieren. „Das wissen die meisten Menschen nicht. Sie denken, die Grenze für den Roller ­läge wie bei Radfahrern bei 1,6 Promille“, sagt Verkehrsunfallberater Michael Volmer.

Von wegen! Für E-Scooter gilt wie beim Auto: Eine Fahrt mit bereits 0,5 Pro­mille Blutalkoholgehalt oder mehr ist eine Ordnungs­widrigkeit. Ab 1,1 Promille sind höhere Geldstrafen und das Abgeben des Führerscheins möglich. Wer also wegen Alkoholkonsums das Auto stehenlässt und lieber angeschickert den E-Scooter nimmt, ist auf dem Holzweg. Die strafrechtlichen Konsequenzen sind gleich.

Alkoholfahrten in Studentenhochburgen

Vor allem in Studentenstädten wie Münster oder Köln fallen vorwiegend junge Menschen auf den Irrglauben rein, dass bei Rollerfahren trotz Alkohol­konsums schneller ein Auge zugedrückt wird. „Ein Großteil kennt sich mit den Regeln nicht aus“, sagt Volmer. Das gilt auch für Touristen aus ländlicheren Regionen, wenn sie in größeren Städten spontan mit bereitstehenden E-Rollern am Straßen­verkehr teilnehmen.

Der bis Freitag in Goslar tagende Deutsche Verkehrsgerichtstag wird über die Sicherheit der E-Roller diskutieren und sich mit der Frage beschäftigen, ob die Promillegrenze für Fahrer von E-Scootern auf 1,6 Promille angehoben werden soll – wie sie für Radfahrer gilt. Der ADAC und weitere Experten raten zu dieser deutlichen Anhebung der Strafbarkeit bei Rollerfahrten. Denn: Stromroller seien bei einem Höchsttempo von 20 km/h einem Fahrrad näher als einem Auto.

E-Scooter im Straßenverkehr

Gleichwohl: Alkohol im Straßenverkehr ist kein Kavaliersdelikt, Alkohol am Steuer verursacht zahlreiche Unfälle mit Personenschaden. Der Automobil-Verkehrsclub ist gegen eine Anhebung der Promillegrenzen. Es könne keinen Trinkbonus für Fahrten mit dem E-Roller geben, nur weil dafür nach einem Kneipenbesuch vielleicht das Auto stehenbleibe. Die Deutsche Verkehrswacht rät zur Verbesserung der Sicherheit von E-Rollern sogar die Null-Promille-Grenze. Die Empfehlungen des Verkehrsgerichtstags sind in den Vergangenheit häufig in die Gesetzgebung eingeflossen.

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt generell, dass Fahrer von E-Rollern mitunter Ampeln und Verkehrszeichen missachten würden – ob mit oder auch ohne Alkohol im Blut. „Mit dem Aufsteigen auf den E-Scooter blenden viele grundlegendste Regeln des sicheren Miteinanders im öffentlichen Verkehrsraum aus“, kritisiert der stellvertretende Bundesvorsitzende Mertens.

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