Mit Glamour und Prosecco

Fashion-Week in Berlin zieht Paradiesvögel an

Berlin

Ist die Berlin Fashion Week in ernsthafter Gefahr? Durch Veranlassung des Hauptsponsors wurde die Veranstaltung zeitlich und finanziell deutlich eingeschränkt - denn die erhofften internationalen Händler sind ausgeblieben. Promis und Designer ließen sich - bis jetzt -  jedoch nicht abschrecken. 

Annegret Schwegmann

Die Schauspielerinnen Veronica Ferres (v.l.) , Heike Makatsch, Esther Schweins und Yvonne Catterfeld sind zu Gast bei der Show des Designers Marc Cain im Velodrom. Foto: dpa

Frage an einen Kioskbetreiber auf dem einst prächtigen Boulevard Unter den Linden: „Wirkt sich die Fashion Week positiv auf Ihr Geschäft aus?“ „Fashion Week?“, kontert er eher mäßig interessiert. „Ist die gerade?“ Hätte er häufiger von seinem Würstchenbräter aufgesehen, wären sie ihm wahrscheinlich aufgefallen, die Paradiesvögel, die Berlin zweimal im Jahr Glamour und steigende Proseccoabsätze bescheren.

Doch es sind weniger geworden – weniger Paradiesvögel und in der Folge auch weniger Prosecco-Kelche. Sollte sich der Trend fortsetzen, so befindet sich die einst so selbstbewusst als Herausforderer großer Modestandorte wie Mailand und Paris angetretene Fashion Week Berlin in ernsthafter Gefahr.

Aussichtsloses Unterfangen? 

Zuerst hat der Hauptsponsor den Zuschnitt der Schauen zeitlich und finanziell deutlich verschlankt. Und nun ist auch der Berliner Salon Vergangenheit, der Händlern und Medien eine kleine Kollektionsauswahl namhafter und noch unbekannter Marken auf unkomplizierte Weise vorstellen sollte. Das Format hat sich offenbar nicht gelohnt – die erhofften internationalen Händler blieben aus.

Aussichtslos ist das Unterfangen trotzdem nicht. Und Mode spielt natürlich immer noch eine der tragenden Rollen während der bis Freitag dauernden Fashion Week – in enger Konkurrenz zu Partys und Small Talk bei erfrischenden Getränken. Besonders die Shows von Publikums- und Kundenlieblingen wie Guido Maria Kretschmer, Marc Cain, Anja Gockel, Lena Hoschek und Riani waren komplett ausgebucht. Auch Prominenz jedweder Kategorie stellte sich ein – von sehr bedeutend bis eher nicht so bedeutend. Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, adelte die Anja-Gockel-Show im Adlon.

Prominenz in der ersten Reihe 

Bei Marc Cain nahmen Schauspielerinnen wie Heike Makatsch, Esther Schweins und Veronica Ferres charmant plaudernd in der ersten Reihe Platz. Und im alten E-Werk lösten auf dem roten Teppich routiniert posende und gut aussehende Menschen wieder ein Ratespiel aus, das zu den anspruchsvollsten der Modewoche gehört. Wer mag das sein? Eine in den Vormittagsstunden beschäftigte Moderatorin oder doch wieder eine frühere Topmodel-Kandidatin von Heidi Klum?

Bei dem aktuellen Bachelor-Paar Jennifer Lange und Andrej Mangold herrschte hingegen Einigkeit. „Ein schönes Paar“, schwärmte eine Frau. Die beiden ­Influencer mussten derweil zusehen, dass ihr eng getakteter Terminplan nicht ins Wanken geriet. Nach einem Abstecher bei Irene Luft folgte eine Anprobe bei Sportalm für die Show des Labels am nächsten Tag. Auch die fand im E-Werk statt, das sich übrigens in direkter Nachbarschaft des Bundesministeriums für Finanzen befindet. Eine charmante Pikanterie: Was das alles kostet . . .

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