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Online-Abstimmung über dreisteste Werbelüge startet

Foodwatch sucht den "Goldenen Windbeutel" 2019

Ab heute (5.11.) können Verbraucher für den "Goldenen Windbeutel" 2019 abstimmen. Der Verein foodwatch vergibt jährlich den Negativpreis für die "dreisteste Werbelüge" und zwingt so jedes Jahr Unternehmen zu Änderungen. Langfristig forciert foodwatch allerdings grundsätzliche Regelungen gegen Verbrauchertäuschungen.   

Simon Schuling

Die fünf nominierten Produkte für den "Goldenen Windbeutel" 2019 Foto: Presseabteilung foodwatch

Eine Kalorienbombe wird als Fitnessprodukt vermarktet, ein Milchgetränk soll für einen gesunden Darm sorgen. Werbungen für Lebensmittel versprechen häufig Großes. Viel zu häufig werden diese Versprechungen nicht gehalten. Immer wieder führt die Lebensmittelindustrie die Kunden auf unterschiedlichste Art und Weise hinters Licht. Dabei ist Verbrauchertäuschung laut EU-Recht verboten.

Foodwatch möchte mit der jährlichen Verleihung des "Goldenen Windbeutels" auf diesen Missstand hinweisen. Jedes Jahr überreicht der Verein dem Hersteller des Produkts mit der "dreistesten Werbelüge des Jahres" diesen Negativpreis. Für das Jahr 2019 stehen nun fünf nominierte Produkte fest, die im Internet zur Abstimmung stehen.

Für den "Goldenen Windbeutel" 2019 stehen fünf Nominierte zur Abstimmung

Als erster Kandidat steht der "100% Bio Direktsaft Karotte" von Hipp zur Wahl. Nach Angaben von foodwatch reduzierte Hipp im April 2019 die Flaschengröße von 500 ml auf 330 ml. Obwohl die Rezeptur fast identisch blieb, kostete die kleinere Flasche nun 1,35€ statt 1,05€. Der Preis hatte sich damit fast verdoppelt.

Der zweite Kandidat zeigt, dass nicht unbedingt das drin sein muss, was auf der Verpackung steht. Die Wasabi Erdnüsse von Rewe würden zwar groß mit dem edlen japanischen Gewürz beworben, sie enthielten allerdings nur 0,003 Prozent Wasabi, bemängelt foodwatch. Um dem Konsumenten die Schärfe und Farbe der Erdnüsse vorzugaukeln, füge Rewe stattdessen Aroma und Farbstoffe hinzu.

Mit einer ähnlichen Lüge werde der dritte Nominierte beworben. Der "Corny Protein Lower Carb" der Firma Schwartau täusche mit der Verpackung und Angaben wie "Protein" und "Lower Carb" vor, eine gesunde Fitnessmahlzeit zu sein. Dabei bestehe der Schokoriegel zu einem Viertel aus Zucker, so die Verbraucherorganisation.

Ebenfalls unverhältnismäßig hoch sei der Zuckeranteil in der "Kinder Tomatensauce" von Zwergenwiese, dem vierten Nominierten für den "Goldenen Windbeutel". Zwar suggeriere Zwergenwiese eine kindgerechte Rezeptur. Doch die Sauce enthalte 140 Prozent mehr Zucker als die normale Tomatensauce für Erwachsene, so die foodwatch-Kritik.

Diese vier Nominierten wurden aus über 200 Einsendungen von Konsumenten auf der Plattform schummelmelder.de ausgewählt. Das fünfte Produkt "Yakult Original" des Unternehmens "Yakult" wurde von der foodwatch-Redaktion zur Abstimmung gestellt. Das Milchgetränk wird als Heilmittel für die Darmgesundheit beworben. Dabei gebe es laut foodwatch "keine wissenschaftlichen Belege für eine gesundheitsfördernde Wirkung". Jedes Jahr ergänzt foodwatch zusätzlich zu den Einsendungen von Konsumenten Werbelügen (wie die von "Yakult"), die nicht jedem normalen Verbraucher sofort auffallen würden.

Letztes Jahr gewann so zum Beispiel Coca-Cola den "Goldenen Windbeutel". Der amerikanische Konzern hatte sein Produkt "Smart-Water" mit einem besonderen Bearbeitungsverfahren beworben und dementsprechend teuer verkauft. Das Verfahren hatte sich allerdings als komplett unsinnig herausgestellt.

Langfristig will foodwatch durch strengere Gesetze Täuschungen unmöglich machen

Durch die Negativauszeichnung mit dem "Goldenen Windbeutel" habe sich punktuell immer etwas beim betreffenden Produkt verändert. Allerdings sei dies nicht das, was foodwatch langfristig wolle, so Andreas Winkler aus der foodwatch-Presseabteilung. "Wir wollen bessere und strengere Kennzeichnungsregeln und Gesetze, sodass das grundsätzliche Problem der Verbrauchertäuschung unmöglich gemacht wird". Winkler wertet es als Erfolg für foodwatch, dass "endlich überhaupt über die Verantwortung von Lebensmittelherstellern" debattiert werde. Außerdem soll zum Beispiel mit dem "Nutri-Score" 2020 eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel eingeführt werden, für die der Verein mehr als zehn Jahre gekämpft habe.

Für den "Goldenen Windbeutel" 2019 kann noch bis zum ersten Dezember auf www.goldener-windbeutel.de abgestimmt werden. Außerdem können jederzeit neue Werbelügen für den Preis im nächsten Jahr auf www.schummelmelder.de vorgeschlagen werden.

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