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26. August: Tag des Toilettenpapiers

In den USA ist nahezu jeder ein „Knüller“

Der 26. August ist der „Tag des Klopapiers“. Grund zum Anlass den sowohl unscheinbaren als auch unabdingbaren Gegenstand mal von der Rolle zu nehmen.

Rabea John

Foto: DPA

Hier also Klopapier in zehn verschiedenen Lagen:

1. Geschichte. Das Toilettenpapier wurde im vierzehnten Jahrhundert in China erfunden. Es war eine Art Luxus-Produkt für das Kaiserpaar, welches das neuartige Hygienepapier in rauen Mengen verbrauchte. Die erste industrielle Produktion von Toilettenpapier gab es in den USA im Jahr 1857. 1928 kam das Klopapier dann nach Deutschland. 1972 kam das erste 3-lagige Papier auf den Markt. Der Werbeslogan der Firma Hakle zum neuen und innovativen Produkt lautete: „Verlangen Sie Hakle und nicht Toilettenpapier. Das klingt besser."

2. Herstellung. Wie das von jedem von uns tägliche benutzte Produkt hergestellt wird, zeigt die Sendung mit der Maus in gewohnt anschaulicher Art und Weise:

3. Alternativen zum Toilettenpapier. Obwohl das Toilettenpapier in seiner Funktion in Deutschland wohl unantastbarer Spitzenreiter ist, gab und gibt es auch Alternativen zur Reinigung nach der Toilettenbenutzung mit Papier. Vor der Erfindung des Klopapiers wurden zur Körperhygiene Maiskolben (vornehmlich in den USA), Schiffstau (hauptsächlich auf hoher See), Kokosnussschale (vorwiegend in Südamerika), Moos, Blätter, Steine, Schwämme oder auch Zeitungspapier benutzt. Auch heute gibt es noch Papier-freie Toiletten, z.B. in Frankreich, Japan oder Brasilien, wo das Bidet verhältnismäßig häufig vorkommt.

4. Zahlen zum Verbrauch: In Deutschland werden laut bundesweiter Statistik pro Kopf im Jahr ca. fünfzehn Kilogramm Toilettenpapier verbraucht. Damit liegen die Bundesbürger zwei Kilogramm über dem EU-Schnitt.

5.Industrie und Wirtschaft. Die Deutschen geben im Jahr etwa 1,2 Milliarden € für Toilettenpapier aus, im Jahr 2012 wurden fast 500.000.000 Packungen des Hygieneartikels verkauft. Hierzulande sind ca. 80 verschiedene Sorten Klopapier auf dem Markt, die größtenteils von den drei wichtigsten Produzenten SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget), Kimberly-Clark und WEPA vertrieben werden.

6. Marken und Produkte. Das Toilettenpapier als Wohlfühlprodukt: SCA bewirbt seine Produkte der Serie Zewa Soft mit den Beschreibungen „Das Verwöhnsichere“, „Das Samtige“ oder auch „Das Verwöhnzarte mit Mandelmilch“ (Letzteres ist übrigens Produkt des Jahres 2014 in der Kategorie „Hygienepapiere“). Neben diesen märchenhaften Namen für ein Produkt, das wir im Klo herunterspülen, gibt es Toilettenpapier in ziemlich schrägen Variationen: vom farbigen Papier (z.B. „Schwarz - für echte Männer“), über Klopapier mit Motiven (z.B. Geldscheine, Weihnachtsmänner, Herzchen, Blumen, etc.) bis hin zur Variante „Glow-in-the-dark“ ist alles dabei.

7. Die Kontroverse: Falter, Wickler, Knüller oder ein-Blatt-Nutzer? Statistiken zufolge sind 90% der Deutschen Falter. Soziologisch betrachtet hat „der typische Falter studiert und ist verheiratet“. In Groß-Britannien ist ungefähr jeder Dritte ein „Knüller“ und in den USA im Prinzip jeder. Das Ganze hat einen historischen Hintergrund: In den Staaten benutzte man früher die Seiten von Versandkatalogen, die dünn und weich waren und sich vorrangig zum Zerknüllen eigneten. In Deutschland wurde früher hartes Krepppapier benutzt, dass sich eher zum Falten anbot.

8. Kreativität. Zweckentfremdet wird Toilettenpapier zum Rohstoff für „Klorigami“.

Dieser Trend wurde z.B. durch Produkte der Geschenkartikel-Firma „Sheepworld“ gesetzt. Außerdem wird die Rolle Klopapier auch durchaus gerne mal mit Hilfe von Häkel- oder Stricknadel mit einem dekorativen Hütchen versehen.

9. Umwelt(-schutz). „40% des Holzes aus Urwald Kahlschlägen wird zu Toilettenpapier verarbeitet. Das sollte Ihnen nicht am A… vorbei gehen!“ Die großen Umweltorganisationen wie Greenpeace oder der WWF fordern dazu auf im Sinne der Umwelt ausschließlich Recycling-Toilettenpapier zu verwenden.

10. Mediale Rezeption: Toilettenpapier in Fernsehen und Musik. Die Hip-Hopper der Berliner Formation KIZ widmeten dem Hygienepapier den Track „Klopapier“. Die erste Zeile des Chorus lautet: „Es saßen 3 Gestalten auf'm Donnerbalken und sie schrien nach Klopapier! (Klopapier!)“

Zu einer kleinen Nebenrolle kam das Toielttenpapier auch schon in der US-amerikanischen Sitcom „Scrubs“. Die Mitbewohner Turc und JD pflegen in der Serie die Gewohnheit von Übernachtunsgästen zu verlangen, Klopapier mitzubringen. Außerdem führt eine ungewöhnlich lange Rolle Toilettenpapier Protagonistin Eliot Ried in der dreizehnten Folge der dritten Staffel im übertragenen Sinne zu einer Horizont-erweiternden Erleuchtung.

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