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Kindertraum Baggerfahrer - hier lässt er sich ausleben

Haren (dpa)

Einmal einen tonnenschweren Bagger bedienen - davon träumen vor allem Jungs und Männer. Ein Baggerpark bietet die Gelegenheit, das einmal auszuprobieren.

Von Elmar Stephan, dpa

Ein Bagger ist im Einsatz im Baggerpark Emsland. Privatleute können auf dem Gelände Baufahrzeuge vom Minibagger bis zum 21-Tonnen Bagger ausprobieren. Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Bagger brummt, der Greifarm geht leicht ruckelnd nach unten. «Bruno!», ruft Rudolf Schnieders zum Baggerfahrer und macht eine Bewegung mit der Hand. Baggerfahrer Bruno nickt und führt den Steuerhebel etwas vorsichtiger.

Prompt gleitet der Baggerarm mit der Schaufel deutlich geschmeidiger in die Grube, um Erdreich herauszuholen. Bruno sitzt erst seit ein paar Minuten an den Steuerknüppeln der kleinen Baumaschine, vor zehn Minuten hat Schnieders ihm die Handgriffe gezeigt. Außerdem ist Bruno erst acht Jahre alt. Und er strahlt. Ein Traum ist für ihn in Erfüllung gegangen.

Seit 2007 betreibt Ursula Meyer ihren Baggerpark im emsländischen Haren (Niedersachsen). «Wir machen das jetzt in der 14. Saison», erzählt die gelernte Hotelfachfrau. Die Geschäftsidee habe ihr Schwager gehabt: «Er hat gesagt, man sieht so viele Bagger überall stehen, und denkt sich, ich möchte auch mal in einen einsteigen.» Damals habe es noch nicht die Möglichkeit gegeben, sich selber einmal einen Minibagger auszuleihen. «Die Grundidee war, Kindern und Erwachsenen es einmal zu ermöglichen, einen Bagger zu bedienen», sagt die 56-Jährige. Inzwischen stehen fünf Bagger auf dem Areal, zwei Minibagger, zwei 21-Tonner und ein 4,5-Tonnen-Bagger. Rund 15 000 Gäste kommen jedes Jahr zum Bagger-Park Emsland, den Meyer zusammen mit ihrem Mann Wolfgang an der A 31 betreibt

Gleichwohl: Fahren dürfen die Gäste mit den Baugeräten nicht. Nach einer Einweisung, die erfahrene Baggerführer geben, dürfen sie die Baggerarme und Schaufeln bedienen, unter Aufsicht des Experten. «Die Leute möchten ja möglichst viel alleine machen», sagte Meyer. Aber wer Hilfe benötige, bekomme auch Unterstützung. Und wen der Ehrgeiz gepackt hat, kann auch ein «Baggerdiplom» machen, für das man bestimmte Aufgaben erledigen muss - etwa eine Schubkarre mit Erdreich vollladen. Kinder ab acht Jahren können das Diplom mit dem kleinen und mittleren Bagger machen.

In Deutschland gibt es zahlreiche Baggerparks. Nach Beobachtung des Hamburger Freizeitforschers Ulrich Reinhardt ist ein Baggerpark-Besuch vor allem für Männer interessant. Älteren Statistiken zufolge seien von zehn Besuchern sieben bis acht Männer. «Für Männer ist das vielleicht ein Kindheitstraum, wenn sie in der Sandkiste schon mit Baggern gespielt haben, haben sie für diese Fahrzeuge eine kleine Faszination und jetzt können sie endlich mal einen bedienen.» Dann zähle auch, dass ein Baggerparkbesuch etwas Ungewöhnliches sei - anschließend gebe es dann bei Freunden, Kollegen und in der Familie viel zu erzählen. Dass die Besucher öfter in einen Baggerpark kommen, sei eher selten. «Man hat es einmal gemacht, und dann ist es auch gut», sagt Reinhardt. Also: Einmal in einem Baggercockpit sitzen, ist ein ungewöhnliches Erlebnis, was auch gerne zu Geburtstagen oder anderen Anlässen verschenkt werde.

Dies ist bei Bruno der Fall. Zusammen mit seinen Eltern Nadine und Mario Mazanek sowie seinem Onkel und seiner Tante ist er von Ibbenbüren im westfälischen Nachbarkreis Steinfurt an diesem Tag nach Haren gekommen. «Er interessiert sich für Trecker, Baustellen und so weiter, das war schon immer ein Faible von ihm», erzählt seine Mutter. Sie habe von einer Freundin gehört, dass es in Haren diesen Baggerpark gebe. Als Brunos Onkel gefragt habe, was er seinem Neffen zur Kommunion schenken könne, habe sie ihm den Tipp zu einem Ausflug in den Baggerpark erzählt.

Rudolf Schnieders jedenfalls ist voll des Lobes über Bruno. «Er ist ein Naturtalent», sagt der 68 Jahre frühere Maschinist. Auf dem Bau habe er alles gefahren, vom Lastwagen bis zum Tieflader, sagt Schnieders. Er spüre, wenn jemand Talent zum Baggerfahren habe. «Mancher macht den Baggerschein und sitzt 20 Jahre drauf, kann es aber trotzdem nicht.» Bruno hingegen habe er die Griffe gezeigt, und der Junge habe sofort gewusst, was er tun müsse.

Schnieders arbeitet schon seit 2007 im Baggerpark, mit drei Jahren Unterbrechung. Jetzt, im Ruhestand, bessere er seine Rente mit dem 450-Euro-Job ein bisschen auf. «Man hat ja nie viel verdient auf dem Bau.» In den Jahren habe er alle Altersgruppen auf dem Bagger gehabt. «Der älteste Mann war 91 Jahre alt, und eine Oma im Alter von 87 Jahren hatte ich auch schon mal», erzählt er.

Auch einer älteren Dame im Rollator habe er bereits in das Bagger-Cockpit geholfen. «Ich habe das Fahrzeug eingebuddelt. Dann konnte man den Rollator reinschieben, und sie konnte einsteigen. Man muss sich einfach was einfallen lassen.»

Wenn er sein schönstes Erlebnis schildert, wird der stille Emsländer emotional. Es geht um einen körperlich und geistig behinderten Zwölfjährigen, der inzwischen schon fünf Mal da war. «Er konnte erst keine Hand bewegen. Mit ihm gehe ich immer auf den großen Bagger. Jetzt habe ich ihn so weit, dass ich seine rechte Hand nehme und auf den rechten Hebel lege - und er kann ihn bewegen. Was sagen Sie jetzt? Ist das nicht toll?»

Das im Baggerpark erwerbbare Baggerdiplom berechtigt natürlich nicht zum Führen eines Baggers außerhalb des Parks. Ein «echter» Baggerschein koste 3000 Euro, weiß Schnieders. Ursula Meyer hat weder ein Diplom noch einen realen Baggerschein. «Wenn ich auch das Baggern kann, stehe ich nicht nur in der Anmeldung und im Bistro, dann stehe ich auch neben dem Bagger.» Mit anderen Worten: Eine Chefin muss auch delegieren können.

Und dann ist es für Bruno so weit: Ursula Meyer hat den Jungen im Bagger fotografiert und sein Baggerdiplom ausgedruckt. Sie überreicht dem Achtjährigen das Dokument, während die Familie applaudiert.

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