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Niederlande

Lastzug walzt Grillfest nieder: Sechs Tote bei Rotterdam

Rotterdam (dpa)

Das Grillfest in einem kleinen Ort in Holland ist gerade voll im Gange. Dann die Katastrophe: Ein Lastzug fährt von einem Deich mitten in die Feiernden. Wie konnte es zu dem tragischen Unfall kommen?

Von Michael Evers, dpa

Rettungskräfte am Unfallort: Zehn Krankenwagen und ein Hubschrauber sind im Einsatz. Foto: ANP/dpa

In einem kleinen holländischen Ort endet ein Grillfest in einer Katastrophe mit sechs Toten: Ein Lastwagen ist am Samstagabend bei Rotterdam von einem Deich abgekommen und in die rund 60 Feiernden gefahren. Sieben Menschen, darunter auch Kinder, wurden schwer verletzt, gegen den festgenommenen Lastwagenfahrer werde wegen des tödlichen Unfalls ermittelt, teilte die Polizei mit.

Der 46-Jährige war aus noch ungeklärter Ursache aus der Spur geraten. Einige der Toten, unter ihnen auch eine Hochschwangere, konnten erst geborgen werden, als viele Stunden später der Lastwagen weggeschafft wurde. Die Polizei prüft auch die Schilderung, wonach der Lkw-Fahrer einem Lieferwagen ausweichen musste.

Zu dem Unfall mit dem spanischen Lastzug kam es in der kleinen Ortschaft Nieuw-Beijerland an einer Kreuzung. Der unbeladene Lkw habe an der Kreuzung zunächst angehalten und sei beim Wiederanfahren von der schmalen Straße geraten, sagte eine Polizeisprecherin. Weshalb der Lastwagen überhaupt auf der Nebenstrecke unterwegs war, ob dies mit einer gesperrten Autobahn zusammenhing, werde untersucht. Der spanische Fahrer, der unverletzt blieb, habe keinen Alkohol getrunken gehabt, Hinweise auf Drogen gab es auch nicht. Der Mann werde medizinisch untersucht und es werde ebenfalls geklärt, ob er etwa von seinem Mobiltelefon abgelenkt wurde.

«Ein tiefschwarzer Tag für diese Gemeinschaft»

Der Lastzug wurde beschlagnahmt und wird nun technisch untersucht, sagte Staatsanwalt Hugo Hillenaar. Das tonnenschwere Gefährt war die Böschung herunter unvermittelt mitten in das weiter unten laufende Grillfest gefahren, wo Dutzende Menschen zusammen waren. Binnen Sekunden walzte der Lkw alles nieder. Augenzeugen sprachen von Chaos und einem Bild der Verwüstung. «Das ist ein tiefschwarzer Tag für diese Gemeinschaft», sagte der Staatsanwalt.

Rund 100 Menschen hätten sich für das von einem Verein am letzten Wochenende der Sommerferien organisierte Fest angemeldet gehabt, sagte ein Anwohner dem Sender Omroep Rijnmond. Eine Nachbarin sagte, alle seien in Panik gewesen. Jeder habe helfen wollen. «Aber es gab fürchterlich viele Verletzte.» Campingtische und Sitzbänke flogen zur Seite und der Grill kippte um. Zehn Krankenwagen und Hubschrauber kamen zum Einsatz.

In der Nacht hatte zunächst eine Spezialfirma mit einem Kran den schweren Lastzug wieder auf die Straße gehievt. Dann machten sich Experten an die Bergung und Identifizierung der unter dem Fahrzeug liegenden Toten.

«Der Schock ist enorm»

«Sie können sich vorstellen, was das für ein Schlag ist: Während eines Nachbarschaftsfests fährt ein Lkw in diese Menschengruppe, der Schock ist enorm», sagte eine Polizeisprecherin am Unfallort. Die Gemeinde kümmere sich um die Betreuung der zahlreichen Zeugen. Die Menschen wurden in einem nahen Bauernhof betreut.

Das Drama habe Nieuw-Beijerland und seine Einwohner in tiefe Trauer gestürzt, sagte Bürgermeister Charlie Aptroot. «Was sie gesehen haben und mitgemacht haben, ist nicht mit Worten zu beschreiben», meinte er. «Das trifft viele und auch mich sehr hart.»

«Schreckliche Nachrichten über das Unglück in Nieuw-Beijerland», schrieb der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte auf Twitter «Meine Gedanken sind bei den Opfern dieses schrecklichen Dramas und ihren Angehörigen.»

Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima zeigten sich bewegt. «Wir sind geschockt und getroffen durch das fürchterliche Unglück in Nieuw-Beijerland gestern Abend, bei dem es so viele Opfer gegeben hat.» Für die enge Dorfgemeinschaft sei dies unvorstellbar traurig.

Der spanischen Zeitung «La Verdad» zufolge erklärte die spanische Spedition, der Fahrer des Lastwagens sei von der Straße abgekommen, als er versuchte, einem Lieferwagen auszuweichen. Das Fuhrunternehmen stehe mit den niederländischen Behörden in Kontakt, um bei der Klärung der Unfallursache zu helfen, berichtete die Zeitung weiter.

Ob ein Lieferwagen in den Unfall verwickelt war, konnte die niederländische Polizei noch nicht sagen. Am Unfallabend war allerdings nach einem weißen Lieferwagen gefahndet worden, der vor und während des Unfalls auf der Kreuzung stand. Der Fahrer meldete sich später bei den Behörden, seine Aussage werde überprüft, sagte eine Polizeisprecherin. Wie sie betonte, seien noch alle Szenarien hinsichtlich des Unfallhergangs offen.

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