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Unumkehrbarer Prozess

Pandemie bringt die Digitalisierung in Deutschland nach vorne

Berlin

Die Corona-Krise hat auch positive Nebenwir­kungen. Die hat der IT-Branchenverband Bitkom jetzt in einer Umfrage unter 602 Unternehmen zutage gefördert: Die Pandemie hat die Wirtschaft in einen Digitalisierungsschub gezwungen. Aus dem gibt es auch kein Zurück mehr, prophezeite Bitkom-Präsident Achim Berg gestern in Berlin.

Von Uwe Gebauer

Die IT als Kernstück vieler Unternehmen: Foto: dpa

Videokonferenzen statt Dienstreisen, Kol­la­bo­ra­tions­werk­zeuge, digitale Dokumente und Signaturen, Weiterbildung der Beschäftigten und Arbeiten aus dem Homeoffice: In allen Bereichen sind die Unternehmen seit Ausbruch der Pandemie (verstärkt) tätig geworden.

Mit offensichtlichem Erfolg: 41 Prozent aller Firmenchefs sehen ihre Unternehmen gut durch die Pandemie gekommen. Vor einem Jahr waren es nur 29 Prozent. Die Digitalisierung selbst werde nur noch von sechs Prozent der Unternehmen als existenzgefährdend eingeschätzt. 2017 lag die Quote noch bei 25 Prozent.

Wo und wie ausgebaut werden soll

Da ist es nur logisch, dass viele Firmen auf diesem Weg bleiben wollen. Über 60 Prozent der Unternehmen wollen auch künftig auf Videokonferenzen statt auf persönliche Treffen setzen, sieben Prozent wollen die Nutzung dieser Technik sogar noch ausbauen. Noch größere Anstrengungen planen die Firmen in Sachen „Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle“, hier wollen 27 Prozent künftig zulegen.

Manche Themen sind inzwischen schon selbstverständlich geworden: Weiterbildung zu Digitalthemen, digitale Dokumente und digitale Signaturen wollen zwischen 95 und 97 Prozent der Firmen künftig weiter oder gar verstärkt nutzen.

Trendwende beim Homeoffice?

Einzig beim Thema Homeoffice deutet sich eine Trendwende an. Wenn sie wieder können, wie sie wollen, planen 71 Prozent aller Unternehmen, die Arbeit aus dem Homeoffice ganz oder teilweise zurückzunehmen. In gerade mal 23 Prozent der Unternehmen soll das aktuelle Niveau beibehalten werden. „Firmenchefs wollen ihre Beschäftigten sehen“, sagte Bitkom-Präsident Berg: „Hier müssen wir Hybridlösungen finden.“

Unter dem Strich findet Berg diese Untersuchungsergebnisse „sehr, sehr ermutigend“. Er wundert sich auf der anderen Seite über die Minderwertigkeitsgefühle der deutschen Wirtschaft. Nur ein Prozent der Unternehmen sieht Deutschland bei der Digitalisierung weltweit führend, gleich 88 Prozent glauben gar, dass der Anschluss an die USA und China schon verloren sei. Die Wahrheit liegt nach Erkenntnissen von Bitkom irgendwo dazwischen. So setze Deutschland beispielsweise im Gesundheitsbereich und beim Thema autonomes Fahren international Maßstäbe.

Große Hindernisse machen viele Unternehmen in den Datenschutzbestimmungen aus. 79 Prozent beklagten diese als „Bremse“. Dabei gehe es gar nicht um den Datenschutz an sich, meint Berg, sondern um das deutsche Auslegungswirrwarr mit 16 Datenschutzaufsichten in den Ländern und einer im Bund.

Digitalisierung kein „One-Time-Ereignis“

Bitkom freilich macht eine weitere Gefahr aus. In der Umfrage gaben 37 Prozent der Unternehmen an, ihre Digitalisierungsinvestitionen 2022 wieder herunterzufahren. Eine Fehlentscheidung, klagte Berg: Digitalisierung sei kein „One-Time-Ereignis“ sondern eine dauernde Aufgabe – und die erledige man nicht zum Nulltarif.

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