1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Vermischtes
  6. >
  7. Prinz Philip beeindruckte durch Disziplin und irritierte mit seinem Humor

  8. >

Nachruf

Prinz Philip beeindruckte durch Disziplin und irritierte mit seinem Humor

London/Münster

Welch ein bewegtes Leben – eine unstete Kindheit und Jugend, dann Sicherheit beim militärischen Drill, schließlich mehr als 70 Jahre an der Seite seiner Frau Elizabeth: Der britische Prinz Philip, der am Freitag in London gestorben ist, hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern durch Disziplin, Humor, taktlose Sprüche, aber auch Härte, Tapferkeit und knallharte Traditionspflege gesichert.

Dorle Neumann

Der britische Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, nimmt bei seinem letzten öffentlichen Auftritt in der Rolle als Generalkapitän an einer Parade teil. Foto: dpa Foto: Hannah Mckay

Welch ein bewegtes Leben – eine unstete Kindheit und Jugend, dann Sicherheit beim militärischen Drill, schließlich mehr als 70 Jahre an der Seite seiner Frau Elizabeth: Der britische Prinz Philip, der am Freitag in London gestorben ist, hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern durch Disziplin, Humor, taktlose Sprüche, aber auch Härte, Tapferkeit und knallharte Traditionspflege gesichert.

Philip Mountbatten wurde am 10. Juni 1921 im Schloss Mon Repos auf Korfu geboren – sein Vater war ein griechischer Prinz, seine Mutter eine deutsche Prinzessin. Seine eher unglückliche Kindheit verbrachte er nach dem Scheitern der elterlichen Ehe in Paris bei der psychisch kranken Mutter, bis diese in eine geschlossene Anstalt kam. Da der in Monte Carlo lebende Vater den Jungen nicht aufnehmen wollte, kam Philip bei Verwandten unter und besuchte schließlich auf Geheiß seiner Schwester Theodora das Internat Schloss Salem am Bodensee.

Deutsch-griechische Vergangenheit

Nach der Machtübernahme der Nazis wurde Philip auf Internate in Frankreich und Großbritannien geschickt. Er diente im Zweiten Weltkrieg in der britischen Marine, zeichnete sich durch Tapferkeit aus und löste sich 1947 von seiner deutsch-griechischen Vergangenheit: Er nahm die britische Staatsangehörigkeit an, änderte seinen Namen von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg in Mountbatten als englische Version des Namens Battenberg, des Mädchennamens seiner Mutter, und verzichtete auf seinen Titel Prinz von Griechenland und Dänemark.

Und: Der smarte Marine­offizier heiratete am 20. November 1947 die britische Prinzessin und Thronfolgerin Elizabeth. Eine entfernte Verwandte übrigens: Königin Victoria war sowohl die Ururgroßmutter von Philip als auch von Elizabeth. Er wurde zum Herzog von Edinburgh und musste anfangs gegen Vorbehalte wegen seiner deutschen Wurzeln kämpfen.

Als Vater, so berichtete es der älteste Sohn Charles später, war Philip eher streng und wenig interessiert. Das Verhältnis zu den Söhnen Charles, Andrew und Edward sowie zur Tochter Anne hat sich erst in späteren Jahren entspannt.

Großer Rückhalt der Queen

Legendär ist nicht nur Philips unbeirrbare Rückendeckung für die Königin, die ihn ihren „Felsen“ nannte – auch wenn man ihm einige Affären nachsagte. Vielmehr sorgten taktlose Sprüche oft für einigen Wirbel. So warnte er britische Studenten in China augenzwinkernd: „Wenn Sie länger hier bleiben, werden Sie alle Schlitzaugen bekommen.“

Australische Aborigines verblüffte er mit der Frage, ob sie noch mit Speeren aufeinander würfen. Zu Nigerias Präsidenten meinte er mit Blick auf dessen folkloristische Kleidung: „Sie sehen aus, als wollten Sie gleich zu Bett gehen.“ Und auch der verstorbene Kanzler Helmut Kohl blieb nicht verschont: Auf der Hannover-Messe 1997 wurde er von Prinz Philip so begrüßt: „Guten Tag, Herr Reichskanzler!“ Die Diplomaten rangen in solchen Momenten die Hände, die Queen blieb unbeeindruckt. Die Briten mit ihrem besonderen Humor mochten ihn wegen oder trotz seiner Despektierlichkeit.

Autounfall sorgte für Schlagzeilen

Seinen Charme konnte Philip in Englisch, Deutsch und Französisch fließend spielen lassen. Dagegen beherrschte er kaum Griechisch – er war zu klein, als die Familie Korfu verließ.

Er war der dienstälteste Prinzgemahl in der britischen Geschichte. Am 17. April 2009 stand er der Queen 57 Jahre und 71 Tage zur Seite – und übertraf damit Königin Charlotte (1744-1818), Ehefrau von König Georg III. Am 4. Mai 2017 hatte das britische Königshaus erklärt, dass der 96-jährige Philip sich aus den offiziellen Verpflichtungen zurückziehen werde – am ­2. August 2017 absolvierte er seinen letzten offiziellen Termin. Danach machte er im Januar 2019 noch Schlagzeilen wegen eines Autounfalls, den er in der Nähe von Schloss Sandringham verursachte. Einige Wochen später gab er den Führerschein ab.

Startseite
ANZEIGE