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Nettigkeit in Flaschen

Wie schmeckt Günther Jauchs Aldi-Wein?

Münster

Sechs Euro kostet der Weißwein, dessen Etikett der Name von Günther Jauch ziert. Seit ein paar Tagen ist der  Riesling bei Aldi erhältlich. Versteckt sich hinter dem prominenten Namen tatsächlich eine preiswerte Köstlichkeit?

Harald Suerland

Günther Jauch ist seit einigen Jahren Winzer. Für die Rot- und Weißweine vom Discounter verwendet er Trauben anderer Erzeuger. Foto: obs

Süß ist er nicht, der Weißwein von Günther Jauch. Für Gelegenheits-Weintrinker ein wichtiges Kriterium, denn ihnen gilt „trocken“ als Synonym für „gut“. Dass gerade der natürliche Restzucker eines Weins wunderbare Aromen transportieren kann, zeigt zwar auch der preiswerteste Riesling aus Günther Jauchs Weingut „von Othegraven“. Aber um den geht es nicht bei den hübschen Flaschen, die seit ein paar Tagen bei Aldi für rund sechs Euro angeboten werden und die den Namen des beliebten Moderators auf dem Etikett tragen.

Passion für eigenes Weingut

„Rebsorte: Cuvee“, liest man sowohl beim Weißen als auch beim Roten auf dem Rück-Etikett: Ein Verschnitt mehrerer Rebsorten ist zwar keineswegs ehrenrührig, aber eigentlich nicht gerade typisch für klassischen deutschen Wein. Der weiße Riesling und der rote Spätburgunder bilden wohl die Basis dieser Weine, ihre Aromen bestätigen jedenfalls, was im Netz an Informationen aufzustöbern ist. Das ist schon mal nicht übel – und auch nicht ganz verwunderlich: Denn sowohl der Jung-Winzer Günther Jauch, dem man im persönlichen Gespräch seine Passion für die Sache des eigenen Weinguts deutlich anmerkt, als auch sein erfahrener Kellermeister Andreas Barth stehen mit ihren Namen für die Qualität der neuen Erzeugnisse ein – auch wenn die Trauben nicht aus dem eigenen Gut, sondern von ungenannten Zulieferern stammen. Wo Jauch draufsteht, ist eben nicht „von Othegraven“ drin – aber immerhin ein Wein, den der Promi und sein Fachmann vertreten können.

Sechs Euro: Für einen Discounter-Wein eher teuer, für einen renommierten Winzer eher die untere Preisgrenze. Da das Ganze keine kurzfristige Aktion ist, sondern Jauchs Wein zum Standardsortiment gehören soll (und daher in großen Mengen erzeugt werden muss), passt der Deal zum Bestreben des Händlers, dauerhaft jenseits des Billig-Angebots zu punkten und Käufer zu locken, die nicht allein auf den Cent, sondern auch auf den guten Namen des Produzenten schauen. Wer sich hingegen im Fachhandel einzudecken pflegt, wird die Jauch-Weine eher mit begrenzter Neugierde wahrnehmen.

"Nett, aber nicht aufregend"

Denn auf die alles entscheidende Frage „Wie schmecken die denn?“ gibt eine erste Probe die Antwort: nett, aber nicht aufregend. Beim Weißwein erscheint die klassische Säure eines Moselrieslings gefällig abgemildert, der Rotwein besitzt ein angenehmes Burgunder-Aroma und verzichtet dankenswerterweise auf die populären Fruchtbomben-Eigenschaften von Erzeugnissen heißerer Regionen. Beide weisen einen eher mäßigen Alkoholgehalt auf. Kurios, aber wahr: Sie verströmen in etwa jene verhaltene Sympathie, die ihren Namensgeber Günther Jauch so populär gemacht hat. Dass er auf dem Etikett in Quizmaster-Pose mehr zu erahnen als zu erkennen ist, passt zum perfekten Marketing des Produkts.

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