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Schiffbau

Bund will insolventen MV Werften helfen

Wismar (dpa)

Nach Jahren des Aufschwungs steckt der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern in der Krise. Der wichtigste Industriezweig des Landes muss sich neu orientieren, um zu überleben. Wirtschaftsminister Habeck sieht dafür Chancen.

Von dpa

Bundeswirtschaftsminister bei seinem Besuch auf der insolventen MV-Werft. Der Standort soll Unterstützung vom Bund erhalten. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die insolventen MV Werften können für die angestrebte Weiterführung und einen Neustart mit der Hilfe des Bundes rechnen.

Als Voraussetzungen nannte Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einem Besuch des Werftenstandortes Wismar die Erschließung neuer Geschäftsfelder und die Vorlage tragfähiger Konzepte. Eine Neuausrichtung auf zukunftsträchtige Bereiche wie den Bau von Umspann-Plattformen für Windparks auf See oder von Schiffen mit emissionsarmen Antrieben sei dabei der Weg. «Neue Geschäftsfelder an den alten Standorten nach vorne zu bringen, das ist politischer Auftrag über den Tag hinaus», sagte der Grünen-Politiker. Es gebe einen enormen Bedarf für Konverterstationen und ein gemeinsames Interesse, über einen deutschen Anbieter zu verfügen.

Auf den MV Werften mit Standorten in Wismar, Stralsund und Rostock-Warnemünde wurden zuletzt Kreuzfahrtschiffe gebaut, für die der Markt im Zuge der Pandemie aber zusammenbrach. «Die Bereitschaft des Bundes besteht natürlich, die coronabedingten Brancheneinbrüche zu überbrücken», sagte Habeck und verwies auf den Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Dieser sei aufgelegt worden, um Unternehmen über die Corona-Krise hinwegzuhelfen.

Insolvenz-Antrag für MV Werften im Januar gestellt

Das Geld könne fließen, wenn neue Investoren gefunden worden seien und schlüssige Finanzierungskonzepte vorlägen. Der bisherige Werfteigner Genting habe Ende vorigen Jahres keine Gewähr mehr für die Fortführung der Werften geben können, begründete Habeck die Entscheidung, zunächst keine staatlichen Hilfen mehr zu gewähren. Mitte Januar war für die MV Werften Insolvenz beantragt worden, wenig später auch für den Genting-Konzern aus Hongkong. «Wir werden das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen, sondern immer genau prüfen», machte Habeck deutlich.

Derzeit hoffen knapp 2000 Schiffbauer auf staatliche Überbrückungshilfen. Sie sollen zunächst in einer Transfergesellschaft untergebracht und so vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden. Statt der bislang geplanten vier dringt die IG Metall auf zwölf Monate Laufzeit, um eine Abwanderung zu verhindern. «Denn selbst wenn man Investoren findet, was nützt eine Werft ohne Mitarbeiter? Diese Mitarbeiter haben das Know-how, und diese Mitarbeiter müssen wir halten», sagte Gesamtbetriebsratschefin Ines Scheel.

Für Arbeit auf der Werft könnte der Weiterbau der «Global Dream» (früher «Global 1») sorgen. Das Kreuzfahrtschiff mit Platz für 9500 Passagiere liegt im Dock der Wismarer Werft und ist zu etwa 75 Prozent fertiggestellt. «Wir sind mit mehreren ernsthaften Interessenten im Gespräch und mittlerweile guter Dinge, dass wir einen Käufer für die "Global 1" finden», sagte Insolvenzverwalter Christoph Morgen.

Bau von Offshore-Plattformen im Gespräch

Bund und Land hätten ihre Bereitschaft signalisiert, bei der Finanzierung der noch nötigen 600 Millionen Euro zu helfen, sofern auch der Käufer seinen Beitrag leiste. «Das ist ein starkes Signal an die Belegschaft und auch an die Investoren», sagte Morgen. Nach seinen Worten laufen auch Gespräche über andere Projekte, etwa über den Bau von Offshore-Plattformen. Vorhaben dieser Größenordnung benötigten aber mehrjährige Vorlaufzeiten. Deshalb seien der Weiterbau des Kreuzfahrtschiffs und die Bildung der Transfergesellschaft wichtig, um Zeit zu gewinnen.

Habeck hatte nach Gesprächen im Wirtschaftsministerium in Schwerin betont, dass er die Gründung einer Transfergesellschaft für die Mitarbeiter der Werften-Gruppe zunächst als vordringlichste Aufgabe ansehe. Diese soll garantieren, dass die Beschäftigten auch über das Insolvenzgeld hinaus Lohn erhalten und den Werften die Treue halten. «Es geht um Arbeitsplätze, aber auch um Tradition, Identität und Stolz», betonte der Minister.

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