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"Auszeichnung" für Werbelüge

Der "Goldene Windbeutel" 2019 geht an Zwergenwiese Naturkost

Silberstedt

Zwergenwiese Naturkost erhält den "Goldenen Windbeutel" 2019 für ihre "Kinder-Tomatensauce". Obwohl der Bio-Hersteller die Tomatensauce für Kinder bewirbt, enthält das Produkt mehr als doppelt so wie Zucker wie die Erwachsenen-Version. Bei einer offenen Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch bekam Zwergenwiese über 53 Prozent der Stimmen.

Simon Schuling

foodwatch übergibt den Preis am Firmensitz von Zwergenwiese Foto: foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

Schnell nach der Arbeit für die Kinder kochen - aber trotzdem gesund. Vor dieser Herausforderung stehen viele Elten jeden Tag. Der Bio-Hersteller Zwergenwiese verspricht eine Lösung: Eine fertige Tomatensauce für Kinder. Gesund ist das Produkt allerdings überhaupt nicht - dabei zielt die Werbung extra auf Kinder ab.

Die Verbraucherorganisation foodwatch prämierte die "Kinder-Tomatensauce" von Zwergenwiese Naturkost daher am Dienstag mit dem "Goldenen Windbeutel" 2019. In den vergangenen Wochen hatte foodwatch Verbraucher dazu aufgerufen, die "dreisteste Werbelüge" des Jahres zu wählen. 53,2 Prozent der 70.000 Teilnehmer entschieden sich in der offenen Online-Abstimmung für die "Kinder-Tomatensauce". Am Dienstag war der Verbraucherschutzverein am Firmensitz im norddeutschen Silberstedt vor Ort, um den Negativpreis zu überreichen.

Für Kinder beworbene Produkte enthalten häufig übermäßig Zucker

Eine Portion der Tomatensauce von Zwergenwiese enthält ganze sechs Würfel Zucker und damit mehr als doppelt so viel als das Pendant für Erwachsene. "Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun - aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus", erklärt Wahlleiter Manuel Wiemann. Schon seit Jahren kämpft foodwatch für eine Beschränkung des Kinder-Marketings.

Marktstudien hätten immer wieder belegt, dass die meisten Kinder-Produkte zu viel Zucker enthalten. Der Unterstützung der Kinderärzte kann sich foodwatch sicher sein. "Geschmack wird anerzogen - und zwar schon im frühkindlichen Alter", sagt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach. Die Politik dürfe nicht weiter zusehen, wie "die Kindergesundheit wirtschaftlichen Interessen geopfert wird".

Der Hersteller hatte sein Produkt nach der Nominierung für den "Goldenen Windbeutel" Anfang November verteidigt: Statt "zugesetztem Kristallzucker" enthalte der Tomatensaft Apfeldicksaft, so Zwergenwiese. Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner betont jedoch, dass auch dieser Zucker zu den "freien Zuckerarten" gehöre. Deshalb sei der Zucker aus Äpfeln "nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker".

Einsatz für die Rechte von Verbraucher

Hinter dem Gewinner Zwergenwiese landete "Yakult Original" von Yakult mit 26,1 Prozent auf Platz 2 und der "100% Bio-Direktsaft-Karotte" von Hipp mit 7,4 Prozent auf Platz 3. Auf Platz 4 wurden die Wasabi-Erdnüsse von Rewe gewählt, die nur einen verschwindend geringen Wasabi-Anteil aufweisen. Außerdem wurde der "Corny Protein-Lower-Carb" von Schwartau mit dem fünften Rang prämiert. Nach Bekanntgabe der Nominierung versprach der Schwartau jedoch, den Schokoriegel vom Markt zu nehmen.

Der "Goldene Windbeutel" wird seit 2009 jedes Jahr vom foodwatch vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt "Actimel" von Danone (2009) oder die Milchschnitte von Ferero (2011). Letztes Jahr erhielt das "Smart Water" von Coca Cola den Preis. Die Verleihung des "Goldenen Windbeutels" soll für mehr Verbraucherschutz in Deutschland sorgen und ist Teil eines vielfältigen Engagements foodwatchs für die Rechte von Verbraucher.

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