1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Deutscher Bio-Markt wächst in Corona-Krise weiter

  8. >

Schub in der Pandemie

Deutscher Bio-Markt wächst in Corona-Krise weiter

Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, wie Lebensmittel hergestellt werden. Bei vielen zieht da ein «Bio»-Aufdruck auf dem Etikett. Der Markt wächst - bald auch auf noch breiterer Front?

dpa

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte bei einer Presskonferenz neue Umfragedaten zu Bio-Lebensmitteln vor. Foto: Michael Sohn

Berlin (dpa) - Im Supermarkt haben Kunden häufig die Wahl: Soll es die «normale» Gurke sein - oder doch die etwas teurere Bio-Gurke in der Auslage daneben?

Gerade Gemüse und Obst aus ökologischem Anbau legen viele Verbraucher gern in den Einkaufswagen. Doch wie ist es mit Bio-Fleisch, wenn zum Beispiel 360 Gramm Puten-Medaillons schon mal fast elf Euro kosten? Insgesamt ist das Geschäft mit schonender erzeugten Lebensmitteln auch in der Corona-Krise weiter gewachsen, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Freitag sagte. Im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz nach ersten Schätzungen auf mehr als 14 Milliarden Euro gestiegen sein, 17 Prozent mehr als 2019.

«Die Branche hat in der Pandemie noch mal einen Schub bekommen», sagte Klöckner in Berlin. Aus vielen Gelegenheitskäufern seien inzwischen Gewohnheitskäufer geworden. In einer neuen Umfrage im Auftrag des Ministeriums sagten 37 Prozent der Befragten von sich, regelmäßig zu Bio-Produkten zu greifen. Gekauft wird weiterhin vor allem in Supermärkten und Discountern - reine Bio-Supermarktketten nannten 44 Prozent, Online-Käufe 7 Prozent. Das vor 20 Jahren eingeführte staatliche Bio-Siegel wird laut Ministerium von mehr als 6000 Firmen für fast 90.000 Produkte verwendet - als freiwilliges Erkennungszeichen, an das aber Produktionsauflagen geknüpft sind.

Nicht bei allen Produkten steht bio gleichermaßen hoch im Kurs. Vorn liegen Eier: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten kaufen sie nach eigenen Angaben «ausschließlich» oder «häufig» bio - bei der Umfrage vor einem Jahr waren es 66 Prozent. Meist in der ökologischen Variante gefragt sind laut der Umfrage nun auch Gemüse und Obst (70 Prozent «ausschließlich» oder «häufig»), Kartoffeln (52 Prozent), Milchprodukte (51 Prozent), Fleisch und Wurst (50 Prozent). Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge von Ende Juli bis Ende August 1011 Menschen ab 14 Jahre vom Institut Infas befragt.

Umwelt- und Verbraucherschützer sehen die Entwicklung verhaltener. Nach 20 Jahren Bio-Siegel hätten ökologische Lebensmittel immer noch nur einen Marktanteil von gerade einmal rund fünf Prozent, monierte die Organisation Foodwatch - bei Fleisch nur ein bis zwei Prozent. «Bio ist immer noch Nische.» Klöckner sollte sich besser für eine konsequente Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft einsetzen. Greenpeace-Experte Martin Hofstetter forderte: «Damit die heimische Landwirtschaft und die Umwelt profitieren, müssen mehr Betriebe in Deutschland umstellen. Sonst lässt die wachsende Nachfrage nach Biolebensmitteln nur die Importe ansteigen.»

Bei den Bauern legt der Ökolandbau allmählich weiter zu. Der Anteil an der gesamten Agrarfläche Deutschlands stieg 2019 auf 9,7 Prozent - erklärtes Ziel der Bundesregierung sind 20 Prozent bis 2030. Klöckner warb für Fördermöglichkeiten und verwies auch auf höhere Zahlungen aus dem Milliardentopf der EU-Agrarfinanzierung für Bio-Produktion. Wichtig sei aber auch eine Annäherung der Produktionsweisen in einer Art «Hybrid-Landwirtschaft»: Der Ökolandbau müsse weiter produktiver werden - und die konventionelle Landwirtschaft mehr auf Umwelt- und Tierschutz setzen, dabei aber auch ertragreich bleiben.

Die Grünen forderten, nicht-chemische Pflanzenschutzlösungen, und Öko-Züchtungen stärker zu fördern. Auch der Bauernverband sieht Chancen, wenn Höfe auf bio umstellen - extrem knapp sei zum Beispiel aktuell Öko-Schweinefleisch, nachdem die Öko-Fleischnachfrage 2020 um 50 Prozent zugelegt haben dürfte. Wachstumsmöglichkeiten sehen viele auch bei mehr Bio-Produkten in Kantinen und Restaurants.

© dpa-infocom, dpa:210115-99-43084/2

Startseite