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EU-Abgeordneter und der Green Deal

Pieper: Ohne Erdgas wird es nicht gehen

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Zu langsam, zu zaghaft: Der Zustand der Energiewende ist hierzulande oftmals Gegenstand massiver Kritik. Europapolitiker Markus Pieper (CDU) aus Lotte will durchaus auch die Erfolge gewürdigt wissen. Insbesondere NRW als das Bundesland, das die meiste Energie produziert, habe bereits Großes geleistet. Dennoch kann auch Pieper nicht leugnen, dass noch viel Arbeit bevorsteht. Insbesondere die Energiegewinnung aus Erdgas, glaubt Pieper, wird für Deutschland wichtig.

Von Ulrich Schaper

Eine Gaspipeline des deutsch-russischen Joint Ventures Achimgaz in Russland. Auch künftig wird Deutschland viel von seinem Energiehunger mit Erdgas stillen müssen. Foto: Wintershall +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: A9999 DB Wintershall

Es ist ja derzeit in Mode, Diagramme in Gesprächsrunden mitzubringen. Am Dienstag noch stellte Robert Habeck, der neue ­Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, seine Startbilanz auf der Bundespressekonferenz vor. Am Freitag präsentierte auch der Europaabgeordnete Markus Pieper (CDU) aus Lotte einige ansehnliche Balkendiagramme: „Wir sehen, dass wir in NRW beim Ausbau der erneuerbaren Energien über dem Bundesdurchschnitt liegen. Bemerkenswert ist das, weil in NRW allein 30 Prozent des bundesweit benötigten Stroms produziert werden.“ Weitere Erfolge im Sinne des europäischen Green Deals sind der Rückgang der Kohleverstromung und die kontinuierliche Reduzierung der CO2-Emissionen – auch hier scheint NRW vorbildlich.

Pieper, der im EU-Parlament auch die Kreise Lippe, Herford und Minden-Lübbecke vertritt, hat seit Kurzem eine neue Funktion: Er überarbeitet den Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Und vor diesem Hintergrund blickt er mit einiger Sorge auf die derzeitige Entwicklung der Energiegewinnung in Europa.

Naturpotenziale und Energiehistorie müssen berücksichtig werden

Seit die EU-Kommission am Silvesterabend den Entwurf eines Rechtsakts vorgelegt hatte, der Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke unter bestimmten Umständen als nachhaltig erklärte, ist ein Streit entbrannt. Uneinigkeit besteht, welche Rolle Kernenergie und Erdgas bei der Erreichung der gesteckten Klimaziele spielen dürfen.

Man merkt Pieper seine diplomatische Ader bei der Frage nach dem Königsweg an: Man müsse die Energiehistorie der einzelnen Länder berücksichtigen. Wichtig sei, dass CO2 reduziert wird, um das Pariser Klimaziel zu erreichen. Aber: Womöglich sei es für Frankreich der bessere Weg, dies mit Atomstrom zu erreichen, für Deutschland könne Erdgas die Schlüsseltechnologie sein. „Ohne Gaskraftwerke wird es in dem gesteckten Zeitrahmen bei uns nicht gehen. Wir müssen die Naturpotenziale in Deutschland im Auge haben und die Ausbaugeschwindigkeit der Erneuerbaren“, sagt er.

Bis März muss er einen ­60-seitigen Gesetzesentwurf überarbeiten, der die Grundlage für die geplante Richtlinie ist. „Wir stellen damit auch die Weichen für Deutschland“ sagt er. Ob es Streit geben wird? Pieper rechnet mit 1000 Rückmeldungen hierzu. „Dass es einfach wird, hat ja auch niemand gesagt.“

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