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Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Münster

Stahlmangel lähmt Baubranche

Münster

Auf den Baustellen ist es besonders schlimm, aber fast alle Sparten sind von der extremen Materialknappheit betroffen. Das berichtete die Handwerkskammer Münster am Mittwoch bei der Vorstellung der Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage.

Von Jürgen Stilling

Auf den Baustellen im Münsterland ist der Materialmangel sehr stark spürbar. Foto: dpa

„Es gibt fast keinen Stahl mehr – dann kann man auch nicht mehr bauen“, nannte Hans Hund, der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Münster, am Mittwoch ein krasses Beispiel aus der Baubranche. Noch gebe es im Münsterland keine Kurzarbeit wegen des fehlenden Materials. „Das droht aber“, fürchtet Hund.

Verbraucher legen Pläne ad acta

Kein Wunder, dass Verbraucher ihre Bau- und Umbaupläne zurzeit ad acta legen oder enorm lange auf einen Handwerker warten müssen. Besonders bei Bauaufträgen, aber letztlich sind alle Gewerke betroffen. „Die Auftragsreichweite beträgt inzwischen zehn Wochen. Das sind 2,4 Wochen mehr als vor einem Jahr“, weiß Hund.

Doch die Kunden der Handwerksbetriebe brauchen nicht nur Geduld, sie müssen meist auch mehr bezahlen. Aus der Konjunkturumfrage der HWK geht hervor, dass rund zwei Drittel der Betriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region ihre Preise erhöht haben, rund 30 Prozent konnten noch zu stabilen Preisen arbeiten, nur knapp drei Prozent haben weniger berechnet.

Düstere Zukunftsperspektive

Bei der Beurteilung der ­ Lage klafft bei den Handwerksbetrieben eine große Lücke zwischen der aktuellen Situation und den Erwartungen für die nahe Zukunft. Laut Hund bewerten von 534 Betrieben aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region, die an der Umfrage teilnahmen, 46 Prozent die aktuelle Geschäftslage mit „gut“. 40 Prozent finden sie „befriedigend“, 14 Prozent „schlecht“. „Auch die Kapazitätsauslastung liegt inzwischen bei 79,9 Prozent“, betonte der HWK-Präsident. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 5,5 Prozentpunkte.

Düster ist die Zukunftsperspektive: Mit Blick auf das nächste Halbjahr überwiegen bei den Unternehmen die negativen Erwartungen die positiven um elf Prozentpunkte. Hund: „Wir haben das erste Frühjahr seit der Finanzkrise, in dem das Handwerk mit einem Abschwung rechnet.“

Schritt in die Selbstständigkeit

Dennoch drängen neue Handwerker in die Selbstständigkeit: Die Existenzgründungen erhöhten sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent. Von Januar bis März hätten 707 Handwerkerinnen und Handwerker in der Region den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, berichtet HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz. Trotz des wachsenden privaten Konsums, der dem Handwerk – vor allem dem personenbezogenen – zugute kommt, blickt Kammerpräsident Hund mit Skepsis auf die bevorstehenden Monate: „Unsicherheiten und Risikofaktoren sind dominierend.“

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