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Ukraine-Krieg

Agravis-Chef Dirk Köckler beschreibt die Folgen für den Agrarmarkt – und seinen Konzern

Münster

Der Ukraine-Krieg hat den Weizenmarkt in Turbulenzen versetzt. Die Folge der zeitweisen Knappheit ist nicht nur ein steigender Preis, sondern auch eine Diskussion um die Verwendung der knappen Ressource im Brot, im Tierfutter oder im Biokraftstoff.

Agravis spürt die Turbulenzen auf den Agrarmärkten. Foto: Günter Benning

Die „Teller-Trog-Tank-Diskussion“ ist laut Dr. Dirk Köckler, Chef des münsterischen Agrarhandelskonzerns Agravis, unbegründet. Im Gespräch mit unserer Zeitung versucht er sie zu entkräften: „Der vorrangig eingesetzte Futterweizen weist in der Regel schlechte Backqualitäten auf“, betonte Köck­ler. Agravis setze in der Produktion von Nutztierfutter zu weniger als fünf Prozent Brotweizen ein. Auch weil vor allem viel Mais, aber auch für den menschlichen Verzehr ungeeignete Getreide wie Gerste, Roggen und Triticale eingesetzt würden, sei die „Teller-Trog-Diskussion“ unbegründet.

Gleiches gelte für den Einsatz von Weizen in der Produktion von Bio-Kraftstoffen. „Alles, was wir da machen, ist keine Willkür und immer auch nachhaltig“, betonte der Agravis-Chef.

Insgesamt werde in Deutschland in diesem Jahr laut Köckler eine Weizenernte von 22 Millionen Tonnen Weizen erwartet. Davon gehen rund sieben Millionen Tonnen in den Export. Acht Millionen Tonnen Brotweizen und rund sieben Millionen Tonnen Futterweizen blieben aber auch im Land, so der Agravis-Vorstandsvorsitzende.

Verschiebung der Warenströme

„Insgesamt hat der Krieg global zu einer fundamentalen Verschiebung der Warenströme geführt", so Köckler, wobei immer schon nur wenig Weizen aus der Ukraine oder Russland nach Westeuropa geliefert wurde. Die steigenden Preise an den Rohstoffmärkten seien vor allem auch Folge des zeitweise teuren Rohöls.

Lage beim Sonnenblumenöl entspannter

Auch beim zunächst knappen Sonnenblumenöl habe sich die Lage entspannt. Es werde zwar deutlich weniger Öl aus dem ehedem großen Exportland Ukraine ausgeführt. Stattdessen käme mehr Sonnenblumensaat nach Westeuropa, die dann auch in deutschen Ölmühlen verarbeitet würde, erklärte Köckler. „Der Sonnenblumensaatexport stieg von praktisch Null auf knapp über eine Million Tonnen im Zeitraum April bis Juni 2022.“

„Logistik-Notstand in Deutschland“

Bei den Düngemitteln prognostizierte Köckler ein anhaltend hohes Preisniveau. Hinzu kommt: Die aktuell extrem niedrigen Pegelstände der Flüsse machten einen Düngemitteltransport aktuell unmöglich, so der Agravis-Chef. Köckler sprach von einem „Logistik-Notstand in Deutschland“, der die Agrarprodukte schwer treffe – auch weil es einen großen Mangel an Lkw-Fahrern gebe. „Folge für die Verbraucher sind dann wohl auch höhere Brotpreise“, kündigte der Manager an.

Dr. Dirk Köckler, Chef des münsterischen Agrarhandelskonzerns Agravis

Mit Blick auf das gesellschaftlich schlechte Image der Landwirtschaft warnte Köckler vor den Folgen. Immer mehr junge Menschen hätten keine Lust mehr, in diesem Sektor zu arbeiten. Das sei bedenklich, „denn die Landwirtschaft hat heute eine große Systemrelevanz“.

Agravis-Umsatz

Auf den Agravis-Umsatz haben die hohen Preissteigerungen im Markt eine expansive Wirkung: Zum 30. Juni 2022 erreichte der Konzern einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden €, das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg um 33 Prozent. „Aber wir haben aktuell große Risiken zu stemmen“, relativierte Köckler. Das Ergebnis vor Steuern betrug zum Halbjahr rund ­ 23 Millionen € und lag um rund zehn Millionen € über dem Vorjahreswert. Das langfristige Ziel einer Umsatzrendite von einem Prozent ist „weiter Benchmark“, wie Köckler formulierte.

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