1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Vermieter: Sozialer Frieden wegen Energiepreisen in Gefahr

  8. >

Wohnen

Vermieter: Sozialer Frieden wegen Energiepreisen in Gefahr

Berlin (dpa)

Heizung runter, kürzer duschen, richtig lüften - man kann viel tun, um Energie zu sparen. Doch die Nebenkosten werden trotzdem kräftig steigen. Große Vermieter schlagen Alarm.

Von dpa

Die großen Vermieter in Deutschland rechnen weiter mit deutlich höheren Energiepreisen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Energiepreise stellen Mieter und Vermieter im Winter vor eine Belastungsprobe. Die großen Wohnungsunternehmen warnen vor deutlichen Kostensteigerungen für Mieter und forderten staatliche Hilfe.

«Die Situation ist mehr als dramatisch, und der soziale Frieden in Deutschland ist massiv in Gefahr», erklärte der Branchenverband GdW. Gleichzeitig machen demnach gestiegene Zinsen und Baukosten das Ziel unerreichbar, mehr Wohnungen zu bauen und so den Druck von den Mieten zu nehmen.

In Folge des Ukraine-Kriegs sind die Energiepreise nach Verbandsrechnung bis Mai um 37 Prozent gestiegen. Für einen Ein-Personen-Haushalt bedeute das eine Mehrbelastung von 508 Euro im Jahr verglichen mit 2021, für vier Personen 938 Euro. Die Unternehmen rechnen aber mit höheren Steigerungen und einer deutlich vierstelligen Mehrbelastung.

Gasversorgung soll gesichert bleiben

Die Bundesregierung wird nach Worten von Wirtschaftsminister Robert Habeck die Gasversorgung mit allen Mitteln sicherstellen. Angesprochen auf einen möglichen Zusammenbruch des Marktes, sagte der Grünen-Politiker am Mittwochabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz», das werde nicht passieren. Allerdings müssten sich die Bürger auf einen teuren Winter einstellen. Die Preiserhöhungen im Herbst und Winter würden pro Haushalt im vierstelligen Bereich liegen. «Und das kann dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein.»

Sparen bleibt nach Habecks Ansicht das Gebot der Stunde. Der Zentralverband des deutschen Handwerks sprach sich in den Zeitungen der Funke-Gruppe dafür aus, bei einer Gasnotlage zuerst Freizeitangebote vom Netz zu nehmen. Ähnlich hatte sich die Bundesnetzagentur geäußert. Ihr Präsident Klaus Müller rief zudem dazu auf, dass sich Handwerker stark auf Heizungen und Warmwasserversorgung konzentrieren sollten. Haus- und Wohnungsbesitzer sollten ihre Gasbrennwertkessel und Heizungen überprüfen und einstellen lassen.

Raumtemperatur senken?

Der Vermieterverband GdW bekräftigte seinen Vorschlag, die Raumtemperatur um zwei Grad zu senken. Vermieter müssten dann tagsüber nur noch 18 und nachts 16 Grad gewährleisten. «Ich glaube, dass sehr viele Unternehmen das in der Tat machen würden», sagte Verbandspräsident Axel Gedaschko.

Vermieter informierten außerdem ihre Mieter über energiesparendes Heizen und Lüften. Sinnvoll sei es auch, Warmwasser auf bestimmte Zeiten zu beschränken, sofern sich alle im Haus darüber einig seien. Eine solche Entscheidung einer Genossenschaft im sächsischen Dippoldiswalde hatte für Aufsehen gesorgt.

Viele Wohnungsunternehmen haben die Nebenkosten-Vorauszahlungen schon erhöht. Dennoch könne ein Teil der Wohnungsunternehmen in existenzbedrohende Liquiditätsengpässe geraten, warnte der GdW. Die Mieter und Unternehmen dürften in dieser Situation nicht allein gelassen werden. «Der Staat muss in dieser Notsituation seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.» Der Verband schlug staatliche Hilfsfonds vor, um Nebenkosten zu begrenzen.

«Orkan aus Lieferkettenproblemen»

Der GdW vertritt vor allem Genossenschaften und städtische Wohnungsunternehmen, aber auch börsennotierte Branchenriesen wie Vonovia. Die Mitglieder kommen auf etwa 30 Prozent der Mietwohnungen in Deutschland. «Wir vermieten vor allem an Menschen, die nicht so viel Einkommen haben», sagte Gedaschko. Sie könnten die hohen Energiepreise nicht bezahlen.

Die Branche befindet sich nach eigener Darstellung in einem «Orkan» aus Lieferkettenproblemen, wechselnden Förderbedingungen, steigenden Zinsen, Fachkräfte- und Materialmangel sowie Preisexplosionen. Bauen sei heute etwa doppelt so teuer wie im Jahr 2000.

Um das notwendige Geld zu verdienen, müssten Unternehmen rechnerisch eine monatliche Nettokaltmiete von deutlich über 16 Euro pro Quadratmeter verlangen, rechnete der GdW vor. Viele Mitglieder hörten deshalb auf zu bauen. «Die Regierungsziele von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr sind Makulatur», sagte Gedaschko.

Startseite
ANZEIGE