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Der größte Fehler bei der Geldanlage

Ersparnisse werden oft zu wenig gestreut

Sparer wissen oftmals nicht, welches Risiko in ihrer Geldanlage steckt. Der Vermögens-Check unserer Zeitung hilft bei der Suche nach den größten Mängeln. Machen Sie noch bis zum 30. November 2014 mit.

Anke Leuschke

Ein Aktienfonds Europa mit Schwerpunkt Deutschland kann nahezu die gleichen Unternehmen erwerben wie ein reiner Deutschland-Aktienfonds. Foto: Colourbox.de

Böse Überraschung für einen Teilnehmer des Vermögens-Checks: Er vereinbarte mit seinem Bankberater, dass er nur Anlagen wolle, die ihm eine hundertprozentige Rückzahlung garantieren. Das Ergebnis: Das sechsstellige Vermögen wurde in Anleihen eines einzigen Schuldners mit unterschiedlichen Laufzeiten investiert. Bei der Überprüfung durch einen unabhängigen Vermögensverwalter erfuhr der Mann nicht nur, dass bei Ausfall des Emittenten die Rückzahlung gefährdet ist; in seinem Depot steckt auch ein gewaltiges Klumpenrisiko. Das entsteht, wenn Anleger ihr Geld auf wenige oder eine einzige Anlage konzentrieren. Außerdem handelte es sich bei den festverzinslichen Wertpapieren um Spezialanleihen, die nicht an einer regulären Börse gehandelt werden können. Ein schneller Verkauf der Papiere wird damit erschwert.

Peter Lackamp, Prokurist der Kroos Vermögensverwaltung AG in Münster, empfahl dem Leser eine Streuung seines Vermögens. Vorher muss sich der Anleger jedoch erst einmal bewusst werden, ob er gewisse Schwankungen überhaupt aushält. Hält er an seinem Wunsch nach absoluter Sicherheit fest, kommen Wertpapiere für ihn grundsätzlich nicht infrage.

So wie dieser Leser haben zahlreiche Teilnehmer am Vermögens-Check unserer Zeitung ihr Depot von einem unabhängigen Vermögensverwalter überprüfen lassen. Nicht alle Fälle waren so drastisch, doch die Tendenz ist eindeutig. „Ein Großteil der Leser geht davon aus, dass das Vermögen automatisch breit gestreut ist, wenn sie verschiedene Finanzprodukte haben“, stellt Peter Lackamp fest. Dabei wird häufig übersehen, dass viele Produkte in die gleichen Märkte investieren. Ein Aktienfonds Europa mit Schwerpunkt Deutschland kann nahezu die gleichen Unternehmen erwerben wie ein reiner Deutschland-Aktienfonds.

Bei den angemeldeten Lesern teilte sich das Gesamtvermögen meist auf Tages- und Festgelder sowie Immobilien auf. „Fast alle Teilnehmern hatten eine selbstgenutzte Immobilie“, bemerkt Stefan Bauer, Geschäftsführer der Vermögensberatung Franz Heinrich Bauer Asset Management GmbH & Co. KG in Münster. Grundsätzlich sei das kein Fehler, so Bauer: „Bei der Planung der Altersvorsorge sollten Immobilien immer berücksichtigt werden. Das mietfreie Wohnen oder zusätzliche Mieteinnahmen sind im Alter nicht unwesentlich“. Problematisch wird es allerdings, wenn bei vermieteten Objekten die Eigentümer weder den Ertrag noch den Wert ihrer Immobilie kennen, wie Peter Retzmann, Vermögensberater der FiNUM.Private Finance AG in Waltrop bei Gesprächen immer wieder feststellt. Dabei sei das richtige Verhältnis von Kaufpreis und Miete das A und O bei der Wahl des Objektes. Andernfalls würden Immobilieneigentümer kräftig Verluste machen.

Andere Investitionsmöglichkeiten wie Aktien, Mischfonds oder Unternehmensanleihen ließen die Leser häufig links liegen, beklagt Vermögensverwalter Johannes Elmerhaus von der Value Experts Vermögensverwaltung AG in Beckum. Wenn sie Aktien kaufen, dann vorrangig deutsche Titel. „Ein global gestreutes Aktiendepot war die absolute Ausnahme“, so Elmerhaus. Dabei ließe sich das Risiko bei einer Anlage in weltweite oder zumindest europäische Aktientitel besser verteilen.

Unsere Leser können noch bis zum 30. November überprüfen lassen, ob in ihrem Depot Klumpenrisiken stecken, ob es an der Zeit ist, Gewinne mitzunehmen oder in welche Aktien sie investieren sollten.

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