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Tagesgeldzinsen

Historischer Tiefststand: Wie sollen Anleger reagieren?

Das Zinsniveau ist auf historischem Tiefststand, der Leitzins fast auf null. Viele Sparer suchen deshalb alternative Anlageformen mit höheren Renditen. Frei von Risiken sind diese aber nicht. Beim kostenlosen Vermögens-Check unserer Zeitung analysieren unabhängige Vermögensverwalter, welche Alternativen zum Tagesgeld Ihr Vermögen verträgt.

Paul Lauer

Foto: Colourbox.de

Kennen Sie noch Rudi Carrells Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ aus dem Jahr 1975? Der Sommer hat die Deutschen 2014 größtenteils im Stich gelassen. Und auch Sparer dürften sich schon längst fragen, wann es endlich wieder Zinsen gibt. Die Experten sind sich einig: EZB-Präsident Mario Draghi wird den Leitzins in den kommenden Jahren weiter niedrig halten. Die Verlierer dieser Niedrigzinspolitik der Notenbanken stehen heute schon fest: Sparer, die ihr Vermögen auf Tagesgeldkonten angelegt haben. Denn die Zinsen für diese kurzfristigen Anlagen sind seit der letzten Zinssenkung im September dem Verbraucherportal biallo.de zufolge auf durchschnittlich nur noch 0,45 Prozent gefallen. Einige Banken zahlen inzwischen gar keine Zinsen mehr.

Für die Anleger ist das deswegen so schmerzlich, weil sie aufgrund der Finanzkrise viel Vermögen aus Wertpapieren in Sichteinlagen umgeschichtet haben. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank sind die Bargeldbestände und Sichteinlagen von rund 650 Milliarden im Jahr 2007 auf inzwischen fast eine Billion Euro 2014 gestiegen. Mit schwerwiegenden Folgen: Laut einer Studie der Allianz betrugen die Zinsverluste deutscher Haushalte allein im vergangenen Jahr 5,4 Milliarden Euro. „Die deutschen Anleger werden Opfer ihrer Risikoabneigung“, umschreibt Johannes Elmerhaus, Vermögensverwalter der Value Experts Vermögensverwaltungs AG in Beckum, die Folgen. Denn das niedrige Zinsniveau reicht nicht aus, um nach Abzug der Inflationsrate den realen Wert der Ersparnisse zu erhalten.

Dahinter stecke Absicht, meint Peter Retzmann, Finanzplaner der FiNUM.Private Finance AG in Waltrop: „Die niedrigen Zinsen sind von den Staaten so gewollt, weil sie sonst ihre Schuldenlast nicht mehr bedienen könnten.“ Und genau deswegen sieht er wenig Hoffnung, dass sich an der Zinsfront bald etwas ändern wird. Anlegern bleibt also nichts anderes übrig, als sich nach Alternativen umzuschauen.

Diese haben aber ihren Preis: „Wenn Anleger höhere Renditen erwirtschaften wollen, müssen sie bereit sein, mehr Risiken einzugehen, und mit Kursschwankungen umgehen lernen“, betont Johannes Elmerhaus. Die Umschichtung auf höher rentierliche Anlagen wie Anleihen oder Aktien sollte auf jeden Fall mit Bedacht angegangen werden. Zunächst sollte der Anleger ermitteln, wie viel Geld er als eiserne Reserve benötigt. Alles was darüber hinausgeht, steht für Umschichtungen zur Verfügung. Wichtig: Bei der Umverteilung sollte darauf geachtet werden, dass die Mischung im Depot stimmt.

Etwas höhere Renditen finden Anleger bei Festzinsanlagen. So gibt es für Laufzeiten mit drei Jahren Festgeldkonten mit Zinsen von bis zu zwei Prozent. „Hier sollte man sich aber genau den Anbieter anschauen“, empfiehlt Peter Retzmann. Auch Unternehmens- und Fremdwährungsanleihen bieten vielfach 3 Prozent Rendite und mehr, allerdings um den Preis höherer Kursschwankungen. Eine zweite Alternative sind Sachwertanlagen,  vor allem Aktien. Sie sind derzeit noch moderat bewertet und bieten interessante Dividenden. „Schon mit einer Aktienquote von 20 Prozent wird ein Depot bei mäßigen Schwankungen auf Dauer rentabler“, ist Retzmann überzeugt. 

Höhere Zinsen, mehr Risiko

Festgeldkonten: Es gibt noch Angebote mit zwei Prozent und mehr. Aber es gilt, den Anbieter genau unter die Lupe zu nehmen.

Unternehmensanleihen: Bieten attraktive Zinsen. Die Kurse können aber stark schwanken, wenn es dem emittierenden Unternehmen wirtschaftlich schlecht geht. Im Extremfall droht bei einer Insolvenz des Unternehmens der Totalverlust.

Fremdwährungsanleihen: Anleihen vieler aufstrebender Entwicklungsländer bieten gute Renditen. Risiko: Bei einer Abwertung der Währung drohen Verluste.

Aktien: Hohen Dividenden und niedrige Bewertungen locken, Kurse können aber je nach Stimmung an den Börsen stark schwanken.

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