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Sonderveröffentlichung

Geopolitische Herausforderungen

Ein Epochenbruch mit Folgen

Münster

In der Kombination aus den wirtschafts- und vor allem energiepolitischen Auswirkungen des Ukraine-Krieges und der Verschärfung der Konfrontation zwischen China und den USA entsteht eine geopolitische Gemengelage, die im Zusammenwirken mit den Folgen der Pandemie, deutlich gestiegener Inflationsraten und einer befürchteten weltwirtschaftlichen Rezession die wachsende Unsicherheit auf globaler Ebene begründet.

Von Eberhard Sandschneider

Eberhard Sandschneider Foto: PM

Das Zusammenwirken von Kriegs- und Krisenängsten, die vom Krieg in der Ukraine bis zur Taiwankrise reichen, mit Inflations- und Rezessionsängsten treibt Unternehmen und Anleger verständlicherweise um. Derzeit ist nicht davon auszugehen, dass es eine Rückkehr zu den Grundregeln einer globalisierten Weltwirtschaft geben dürfte, wie es sie bis zum Amtsantritt von Donald Trump und dem Ausbruch der Corona Pandemie gegeben hatte.

Die (nicht nur in Deutschland) immer stärker erhobene Forderung nach einer Verkürzung und Diversifizierung sensitiver Lieferketten, die stärkere politische Kon­trolle von Investitionen (inbound und outbound) und die wachsende Konfrontationsbereitschaft in der Auseinandersetzung zwischen Demokratien und Autokratien zwingen Unternehmer und Anleger zu einem Überdenken ihrer bisherigen Globalisierungsstrategien.

Das neue Zauberwort der „Resilienz“ ist leichter ausgesprochen als umgesetzt. Lieferketten sind eben nicht unter Qualitäts- und Kostengesichtspunkten beliebig ersetzbar. Verlorene oder gefährdete Marktanteile lassen sich eben nicht über Nacht verschieben und ersetzen.

Der Epochenbruch, den die skizzierten Ereignisse markieren, hat erhebliche Konsequenzen für die Positionierung in einer zunehmend unsicheren Welt:

Die geopolitischen Herausforderungen und sicherheitspolitischen Risiken, wie sie sich aus den beiden Großkonflikten dieses Jahres (des Westens mit Russland und der USA mit China) ergeben haben, erzwingen die Einsicht, dass wir vor einer vermutlich längeren Phase wirtschaftlicher Engpässe stehen werden, für deren erfolgreiche Bewältigung ein Blick auf das Erfolgsrezept der chinesischen Entwicklung der letzten 40 Jahre durchaus hilfreich sein dürfte.

Die Maximierung von Pragmatismus und Flexibilität, gepaart mit einer Strategie, die nicht auf maximale Ziele, sondern auf ein Schritt-für-Schritt-Prinzip setzt, hat China zum Erfolg verholfen. Sie kann auch die Grundlage für einen erfolgreichen Umgang mit den derzeitigen geopolitischen Herausforderungen sein. Einer solchen Politik könnte es im Idealfall auch gelingen, zu einem Durchbrechen der Schlafwandler-Politik, die derzeit allseits praktiziert wird, beizutragen.

Der renommierte Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Eberhard Sandschneider, wird beim 6. Münsterländischen Vermögenstag über das Thema „Epochenbruch – geopolitische Herausforderungen für Unternehmen und Anleger in Deutschland“ referieren.

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