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Getreide aus dem Münsterland

Versorgung steht – Preise steigen

Münster

In der Ukraine hängt die Getreideernte fest – droht in Deutschland ein Versorgungsengpass? Die Landwirte wiegeln ab. Die Preise steigen dennoch. Warum, erläuterten Landwirte und Bäcker in Münster.

Von Gunnar A. Pier

Der heimische Weizen leuchtet noch grün, in absehbarer Zeit wird er goldgelb gereift sein. Am Freitag schauten sich (von links) Bäcker Georg Krimphove, Dr. Dirk Köckler (Agravis-Vorstandsvorsitzender), Susanne Schulze Bockeloh (Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster) und Bäcker Christopher Krimphove im Feld um. Foto: Gunnar A. Pier

„Nach dem Dreschen wird abgerechnet“, zitierte Susanne Schulze Bockeloh am Freitagmorgen eine überlieferte Maxime in der Landwirtschaft. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Zusammen mit der Agravis und Bäckern blickte die Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster vorab auf die anstehende Ernte. Kurz zusammengefasst: Die Ernte wird vermutlich ganz gut, die Preise steigen trotzdem – und um die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln muss sich hierzulande niemand sorgen.

Im Wandel ist die Landwirtschaft ja irgendwie immer – aber derzeit ändert sich die Welt auch für sie besonders rasant. Der Klimawandel zwingt zum Umdenken, die explodierenden Preise etwa für Düngemittel und Diesel und die Lieferschwierigkeiten durch den Ukraine-Krieg bringen alles durcheinander. „Wir konnten uns nie vorstellen, dass es mal einen Mangel an Rohstoffen geben könnte“, sagte Bäcker Georg Krimphove am Freitag. Plötzlich aber könnten Sonnenblumenkerne, die oft aus der Ukraine kommen, Kürbiskerne (China) und Sesam (Indien) knapp werden. Die Preisen gehen bereits durch die Decke.

„98 Prozent des Brotgetreides kommt aus Deutschland“

Das eigentliche Getreide aber werde den Bäckern nicht ausgehen: „98 Prozent des Brotgetreides kommt aus Deutschland“, verdeutlicht Krimphove, Geschäftsführer einer Bäckerei mit über 20 Verkaufsstellen in Münster. „Wir Landwirte können die Sicherheit der Ernährung gewährleisten“, bestätigte Kreislandwirtin Susanne Schulze Bockeloh.

Preise steigen

Die Preise für Brot und Brötchen werden aber an der Ladentheke steigen, kündigte Krimphove an. Er erwarte im kommenden Jahr alleine für Strom zusätzliche Kosten im sechsstelligen Bereich, seine Öfen laufen mit Gas – Kosten, die er weitergeben müsse – nicht zuletzt, um seine 240 Mitarbeiter zu schützen.

Auf die Ernte blickt Kreislandwirtin Schulze Bockeloh derweil ganz optimistisch, wenngleich es wieder einmal viel zu trocken sei. Von den gestiegenen Erzeugerpreisen bleibe jedoch wenig bei den Landwirten hängen – dazu sind die eigenen Kosten zu sehr gestiegen.

Wachstum ist nötig

Doch eine gleichbleibende Ernte ist gar nicht das Ziel, verdeutlichte der Agravis-Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler. Bei steigender Weltbevölkerung müssten auch die Erträge immer weiter steigen. Das sei jedoch in den vergangenen Jahren – vermutlich durch den Klimawandel – nicht gelungen. „Wir erwarten perspektivisch anhaltend hohe Getreidepreise.“

Wichtig war dem Agravis-Chef derweil noch der Hinweis, dass – anders als vielfach kolportiert – kaum Lebensmittel an Tiere verfüttert würden. „Nutztiere sind klassische Resteverwerter“, so Köckler, die etwa Schrote oder Kleien aus den Schalen von Getreide bekämen. Die „Teller-Trog-Diskussion“ halte er deshalb für verfehlt.

Beim gemeinsamen Auftritt am Freitag jedenfalls beschworen die Vertreter des Bäckerhandwerks, der Landwirtschaft und der Genossenschaft den Willen, gemeinsam die regionale Produktion zu stärken, um den notwendigen Wandel zu meistern.

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