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Frieren muss niemand – Grundversorgung springt ein

Was tun, wenn der Gasversorger die Lieferung einstellt?

Münster

Die Temperaturen fallen, die Energiepreise steigen – und dann kündigt das Gasunternehmen auch noch an, künftig nicht mehr zu liefern? So geht es derzeit einigen Verbrauchern – zum Beispiel Gaskunden von Grünwelt/Gas.de bundesweit. Wie sollten Verbraucher reagieren?

Von Martin Ellerich

Einige Gasanbieter haben zuletzt die Belieferung an Haushaltskunden eingestellt. Die Verbraucherzentrale NRW rät den Betroffenen in dem Fall, Einzugsermächtigungen und Daueraufträge zu kündigen. Foto: Foto: dpa

„Aufgrund der historisch einmaligen Preisentwicklung im Erdgasmarkt“ habe Gas.de sich gezwungen gesehen, ­alle Erdgaslieferverträge mit Ablauf des 2. Dezembers zu beenden, heißt es auf der Homepage des Anbieters. Die gute Nachricht: Frieren muss niemand. Die schlechte: Es könnte teurer werden und die Sache macht Arbeit.

Was muss ich tun, um weiter Gas zu bekommen?

Nichts. Um die Weiterbelieferung mit Gas müssen Verbraucher sich nicht kümmern, betonte Verbraucherschützer Holger Schneidewindt, Energierechtsexperte der Verbraucherzentrale NRW. Man falle automatisch in die „Ersatzversorgung“. Dabei zahlten Kunden den örtlichen Grundversorgungstarif. „Sollten Sie nicht erneut wechseln, gehen Sie drei Monate später automatisch in den Grundversorgungstarif über“, erklärte das Vergleichsportal Check24. Als Grundversorger gilt das Unternehmen, das in einem Netzgebiet die meisten Kunden beliefert.

Was sollte ich tun, um Ärger zu vermeiden?

Die Einzugsermächtigungen und Daueraufträge kündigen, so Schneidewindt. „Anschließend solle man die aktuellen Zählerstände notieren“ sagte er unserer Zeitung. Die Zählerstände sollte man an Grundversorger und Netzbetreiber melden.

Das Vergleichsportal Veri­vox rät auf seiner Homepage, sicherheitshalber auch eine formlose Kündigung rauszuschicken, falls der Anbieter den Vertrag nicht gekündigt, sondern nur die Lieferung eingestellt hat: „Denn auch wenn der Energieversorger nicht mehr liefert, beendet das nicht automatisch den geschlossenen Liefervertrag.“

Dann heißt es Preise vergleichen und eventuell einen günstigen neuen Anbieter zu suchen. Nur: Die Preise sind inzwischen hoch. Zudem hatten einige Versorger die Neukundenaufnahme zuletzt zeitweise gestoppt, berichtete Lundquist Neubauer von Verivox.

Was ist, wenn ich nun mehr zahlen muss als zuvor?

Verbraucherschützer Schneidewindt hält wegen der vorzeitigen Beendigung der Lieferung einen Schadenersatzanspruch für möglich, wenn die Verbraucher im Ersatzversorgungstarif jetzt mehr zahlen müssen als vorher. Dies sei vor allem für diejenigen relevant, deren Verträge noch eine lange Laufzeit hätten, sagte er. Verbraucher sollten sich in diesem Fall ans Unternehmen wenden und erklären, dass sie die Ankündigung für nicht zulässig halten.

Wie begründet Gas.de die Beendigung seiner Gaslieferungen?

Die gas.de Versorgungs­gesellschaft in Kaarst gab ei­ne „nie dagewesene Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen“ als Grund an. Zuletzt habe sich der Gaspreis für Lieferungen im kommenden Winter in der Spitze um mehr als 400 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Das sei nicht vorauszusehen gewesen.

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