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Fußball-WM

«Ein Witz!»: Frust über Schiedsrichter wächst

Doha (dpa)

Dass sich die Verlierer nach ihrem WM-Aus über den Referee beschweren, überrascht erst mal nicht. An diesem Wochenende gibt es in Katar gleich mehrfach heftige Kritik. Teilweise ist sie berechtigt.

Nils Bastek, dpa

Portugals Pepe (M) diskutiert mit Schiedsrichter Facundo Tello. Foto: Tom Weller/dpa

Pepes Frust über den Schiedsrichter war so groß, dass er sogar seine Schmerzen vergaß. Mit gebrochenem Arm stand der Verteidiger nach Portugals WM-Aus im Stadion und beschwerte sich über den Unparteiischen.

«Es ist inakzeptabel, dass ein argentinischer Schiedsrichter unser Spiel pfeift», schimpfte der 39-Jährige nach dem 0:1 gegen Marokko über Facundo Tello. Dieser habe kaum eingegriffen, obwohl die Marokkaner im Viertelfinale «jeden unserer Spielzüge» mit Fouls unterbrochen hätten. Erst später wurde im Krankenhaus festgestellt, wie schwer Pepe sich verletzt hatte. An der Enttäuschung über das Viertelfinal-Aus wird das nichts geändert haben.

Karten-Rekord bei Niederlande gegen Argentinien

Die teils heftige Kritik der Portugiesen am Unparteiischen passt gewissermaßen ins Bild dieses WM-Wochenendes. Erst hatten die Niederlande und Argentinien in ihrem umkämpften Duell einen Rekord an Gelben Karten aufgestellt: 15 Verwarnungen für Spieler beider Teams hatte es nach Angaben des Statistik-Dienstleisters Opta zuvor noch bei keinem Spiel in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften gegeben. Trotz des Halbfinal-Einzugs beschwerte sich Superstar Lionel Messi am Ende ebenfalls über die schwache Leistung des Referees. Auch an der Spielleitung des Brasilianers Wilson Sampaio beim 2:1-Sieg Frankreichs gegen England gab es Kritik. «Ein Witz!» sei dieser, twitterte der englische Ex-Profi Gary Neville.

Aber woher kommt die geballte Kritik auf einmal? Und was hat es damit auf sich? Dass sich Engländer oder Portugiesen nach ihrem Ausscheiden negativ über die Unparteiischen äußern, erscheint erst mal wenig überraschend. Tatsächlich aber wirkte zumindest Sampaio in seinem Spiel in mehreren Situationen unsouverän und überfordert. Der Brasilianer hatte mehrere knifflige Elfmeterszenen zu beurteilen. Der 40-Jährige sprach den Engländern in der zweiten Halbzeit zwei Strafstöße zu. Den ersten verwandelte Harry Kane, den zweiten schoss er über das Tor. Für den früheren Nationalspieler Gary Lineker hätte es noch einen dritten Strafstoß geben müssen, nämlich vor der Halbzeit.

Nach der hitzigen Partie zwischen Portugal und Marokko war die Stoßrichtung der Kritik etwas anders. Dass der Argentinier Tello angesichts des ab der zweiten Halbzeit offensichtlichen Zeitspiels der Nordafrikaner nur acht Minuten Nachspielzeit gab, erscheint tatsächlich diskussionswürdig. Ansonsten zeigte er aber eine ordentliche Leistung. Was die Portugiesen vor allem störte, war schlichtweg seine Nationalität. Und dass ein argentinischer Referee, dessen Heimatnation ebenfalls noch im Turnier vertreten ist, ein derart brisantes Viertelfinale pfeift, ist ebenfalls diskussionswürdig. Der Weltverband FIFA äußerte sich während der WM auf Nachfrage nicht zu den Schiedsrichteransetzungen.

Auch Messi ist sauer

«Ich möchte nicht über Schiedsrichter sprechen, weil du bestraft werden kannst. Du kannst nicht sagen, was du denkst», sagte Messi nach dem Halbfinal-Einzug. Was er aber dann doch tat. Denn dieser Referee sei dem Spiel nicht gewachsen gewesen, meinte der Weltstar über den Spanier Antonio Mateu Lahoz. Auch Emiliano Martínez wetterte: «Der Referee hat ihnen alles gegeben. Er hat zehn Minuten nachspielen lassen, ohne Grund zehn Minuten. Er hat Freistoß gegeben vorm Strafraum, zwei oder dreimal. Er wollte einfach, dass sie treffen. Hoffentlich haben wir den Schiedsrichter nicht noch mal. Er ist nutzlos.»

Ein deutscher Schiedsrichter wird für die Halbfinal-Partien nicht angesetzt - Daniel Siebert war bereits vor den Viertelfinals abgereist.

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