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Fußball-WM in Katar

Enttäuschung in Grün - Jetzt hofft Saudi-Arabien auf WM 2030

Salwa (dpa)

Saudi-Arabien ist ausgeschieden, sorgte mit dem Sieg über Argentinien aber für eine Sensation. Der Erfolg löste selbst fernab der Metropolen des Königreichs Euphorie aus. Und macht den Fans Mut.

Jan Kuhlmann, dpa

Saudi-Arabien ist ein fußballbegeistertes Land. Foto: Robert Michael/dpa

Sie sind bereit für einen der größten Erfolge der saudischen Fußballgeschichte. Selbst hier in Salwa, einer unscheinbaren Kleinstadt am Persischen Golf fernab aller Metropolen. Überall im Königreich zittern Fans vor Bildschirmen, um gegen Mexiko den möglichen ersten Einzug in die K.o.-Runde seit 1994 feiern.

In Salwa unweit der Grenze zu Katar strömen Hunderte in eine Public-Viewing-Zone mit Großbildleinwand. Der Eintritt kostet zehn Riyal, umgerechnet etwa 2,50 Euro. Das saudische Team werde gewinnen, sind sich Chalid und seine Kollegen bei Anpfiff sicher. 

Ein Turnier für die Nachbarn

In Salwa ist ein wenig zu spüren, was Gastgeber Katar versprochen hatte: dass die WM auch ein Turnier für die Nachbarn, wenn nicht für alle arabischen Länder sein soll. Männer und Frauen verfolgen das Spiel gemeinsam, was so vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Salwa gilt auch im ohnehin muslimisch-konservativen Saudi-Arabien als besonders traditionell. Einige Männer tragen Trikots der Nationalelf, manche Frauen haben sich grüne Fanschals über die schwarze Abaja, das in Saudi-Arabien übliche lange Gewand, gelegt. Große Scheinwerfer tauchen die Public-Viewing-Zone in grünes Licht.

Mit dem sensationellen 2:1-Sieg gegen Argentinien zum WM-Auftakt hatte die Euphorie in dem ohnehin fußballbegeisterten Land neue Höhen erreicht. König Salman ordnete einen Nationalfeiertag an. Zehntausende machten sich auf den Weg ins Nachbarland Katar, um dort die Spiele ihrer Mannschaft zu sehen. Das Emirat hat die Grenzstation ausgebaut, um alle schnell abzufertigen. Busse bringen die Anhänger umsonst weiter in die Hauptstadt Doha. 

Die Stimmung in Salwas Public-Viewing-Zone erinnert eher an ein Familienausflug im Park an einem Sonntagnachmittag als an Fan-Fest. Manche Fans sitzen auf großen orientalischen Teppichen, die über dem Rasen ausgerollt wurden, und essen Kebab irakischer Art oder Pommes vom Stand eines amerikanischen Schnellrestaurants. Laute Musik dröhnt vor Anpfiff aus den Boxen. „Seid Ihr begeistert? Seid Ihr bereit?“, ruft ein Moderator ins Mikrofon.

Fußball ist in Saudi-Arabien Nationalsport

Fußball ist in Saudi-Arabien Nationalsport. «Wie in Brasilien», sagt Chalid. Anders als im kleinen Katar lockt die Liga des großen Nachbarn Zehntausende in die Stadien. Chalid zieht sein Handy aus der Tasche und zeigt ein Video mit den zehn besten Choreografien seines Lieblingsclubs Al-Hilal. Das Stadion ist bis zum letzten Platz gefüllt, die Tribünen in Blau und Weiß gehüllt. Saudi-Arabiens Fankultur kann es mit anderen Ländern aufnehmen. 

Die erste Fußball-WM in der arabischen Welt findet jedoch nicht im Königreich statt, sondern in Katar, dem kleinen und aus saudischer Sicht oft widerspenstigen Nachbarn. Das Verhältnis der beiden Länder ist kompliziert: Es gibt enge gesellschaftliche Verbindungen, aber immer wieder auch politische Spannungen. Ob die Saudis nicht ein wenig neidisch seien, dass Katar WM-Gastgeber sei? Nein, sagt: Chalid: «Am Golf sind wir alle ein Volk.» Die WM sei gelungen, fügt er hinzu. «Der Fußball bringt uns Saudis mit den anderen Nationen zusammen.»

Doch das Spiel läuft für die saudische Elf, die Grünen Falken, nicht gut. Mexiko schießt das 1:0, später das 2:0. Chalid stöhnt laut, wirkt aber ansonsten gefasst. «Jalla», ruft er ein paar Mal: «Los jetzt.» Einmal dürfen die saudischen Fans immerhin noch jubeln, als ihr Team den Anschlusstreffer schießt. Dann ist das Spiel vorbei und Saudi-Arabien ausgeschieden. 

«Die Entwicklung ist gut»

«Normal», sagt Chalid, ein wenig enttäuscht, aber dennoch zufrieden mit dem Team, schon allein wegen des historischen Erfolgs gegen Argentinien und Superstar Lionel Messi. «Das ist ein Sieg für die Zukunft», findet Chalid. Die Entwicklung des Fußballs in Saudi-Arabien habe an Tempo zugelegt: «Sieh doch, bis wohin wir es schon geschafft haben. Wir haben Argentinien besiegt und gegen Polen waren wir stärker. Die Entwicklung ist gut.»

Saudi-Arabien hat mittlerweile große Ambitionen im Sport im Allgemeinen und im Fußball im Besonderen, vorangetrieben von Kronprinz Mohammed bin Salman dem international umstrittenen eigentlichen Herrscher des Landes. Was Katar gelungen ist, will jetzt auch das Königreich schaffen: eine WM ins Land holen, am besten schon 2030. Medien zufolge denkt Saudi-Arabien darüber nach, sich gemeinsam mit Ägypten und Griechenland zu bewerben.

Ein solches Turnier wäre gut für die Entwicklung des Landes, glaubt Chalid. Das Königreich habe sich schon in den vergangenen Jahren rasant verändert und geöffnet. Er jedenfalls wäre «zufrieden und glücklich», wenn die Weltmeisterschaft nach Saudi-Arabien käme.

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