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Der Holocaust-Gedenktag an münsterischen Schulen

Münster

Weil der internationale Holocaust-Gedenktages am 27. Januar coronabedingt nur digital stattfinden kann, haben wir hier weitere Texte - die an die Verbrechen der Nazi-Zeit erinnern - von Schülerinnen und Schülern an Münsters Schulen gebündelt.

WN

Die Sonne scheint vor dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust auf das Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Foto: Fabian Sommer/dpa

Überlebens-Geschichten

Auch in diesem Jahr möchte das Pascal-Gymnasium den Opfern des Holocausts gedenken. Hierzu gab es zwei Projekte in der achten Jahrgangsstufe sowie in der Q2. Der Zusatzkurs Geschichte von Anke Tröster-Lanzrath arbeitete mit Zeitzeugenberichten und bediente sich dabei verschiedener Portale, wie z.B. Yad Vashem, Papierblatt und Bundeszentrale für politische Bildung. Die Schüler*innen recherchierten, unter welchen Umständen das Überleben jüdischer Mitbürger überhaupt möglich war. Besonders beschäftigt hat die Schüler*innen in diesem Zusammenhang die

Frage, welche Auswirkungen die Traumata der Überlebenden vor allem für die Folgegeneration hatte.

Die Achtklässler von Evelyn Herweg beschäftigten sich im Rahmen eines Literaturprojektes mit dem Roman „Einmal“ von Morris Gleitzmann. Dieses Projekt fand ausschließlich digital statt, sodass die Schüler zum einen mit einer interaktiven Wandzeitung arbeiteten und mithilfe dieser, Fragen, Gedanken und Gefühle zum Thema „Judenverfolgung“ austauschen konnten. Zudem wurden historische Orte und Ereignisse aufgearbeitet, die in dem Roman thematisiert wurden. Da der Protagonist am Ende des Romans glücklicherweise überlebte, setzten sich die Schüler*innen ebenfalls mit Biografien von Überlebenden des Holocausts auseinander, die mithilfe digitaler Plakate erarbeitet und vorgestellt wurden.

Evelyn Herweg, Pascal-Gymnasium

Schriftsteller im Exil

Anlässlich des Überthemas des Holocaustgedenktages 2021steht das Motto „Über-Lebensgeschichten“ auch im Fokus von Unterrichtseinheiten am Gymnasium Paulinum.

Foto: Paulinum

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte der Jahrgangsstufe Q2 setzten sich unter der Leitung von Anna-Lena Böttcher mit Geschichten aus dem Exil auseinander: Die Kursmitglieder erarbeiteten Biografien von Personen des kulturellen Lebens, die in den 1930er Jahren aus Deutschland flohen, weil ihre Werke verbrannt wurden oder sie nicht mehr komponieren, schreiben oder auftreten durften.

Darunter befinden sich die Brüder Mann, die Schriftstellerinnen Anna Seghers und Mascha Kaléko, die Schauspielerin Elisabeth Bergner sowie der Komponist Walter Arlen. Die Lerngruppe untersuchte in dem Zusammenhang, was ein Leben im Exil gerade für Schriftstelleri:innen bedeutete, die nun nicht mehr in ihrer Muttersprache veröffentlichen konnten. Einige von ihnen kehrten niemals nach Deutschland zurück – enttäuscht von den Menschen, die der NS-Diktatur gefolgt waren oder auch aufgrund von Schuldgefühlen, ihr Heimatland im Stich gelassen zu haben.

Die Biografien sowie Texte aus dem Exil präsentieren die Schülerinnen und Schüler auf DIN-A-4-formatigen Postern im Schulgebäude. Über einen QR-Code erhält man weitere Informationen zur Person sowie Hörbeispiele wie Gedichte oder Musikstücke.

Gern hätte der Kurs im Rahmen einer kleinen Gedenkveranstaltung am 27. Januar die Schulgemeinde auf die Ausstellung aufmerksam gemacht. Geplant war in dem Rahmen, dass auf dem Schulhof Schülerinnen und Schüler unter der Leitung der Musiklehrerin Susanne Schmitz das populäre jiddische Lied „Donna Donna“ von den jüdischen Künstlern Aaron Zeitlin (Text) und Sholom Secunda (Melodie) singen. Sowohl Komponist als auch Verfasser des Textes des Stücks flohen vor den Nationalsozialisten ins US-amerikanische Exil. Coronabedingt soll dies nachgeholt werden.

Anna-Lena Böttcher, Gymnasium Paulinum

Immanuel-Kant-Gymnasium

Das Immanuel-Kant-Gymnasium plant eine Gedenkveranstaltung, in der Schülerinnen und Schüler eines Q2-Geschichtskurses unter Leitung von Thomas Schlamann im Forum der Schule an Hiltruper Familien erinnern, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen. So erlitt die jüdische Familie Salomon – Eltern und ein Sohn – ein typisches Schicksal: Die Familie wurde, wie so viele andere aus Münster auch, in das KZ Riga-Strasdenhof deportiert und ermordet. Beabsichtigt ist auch, zum Gedenken und zur Erinnerung kleine Steine gemäß jüdischer Tradition bei den Stolpersteinen in Hiltrup durch Schülerinnen und Schüler abzulegen.

Foto: Kant-Gymnasium

„Über – Lebensgeschichten“

Anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar haben sich die Schülerinnen und Schüler aus den Zusatzkursen Geschichte in der Q2 unter der Leitung von Clarissa Kirchhoff mit den Lebensgeschichten von fünf Münsteraner Überlebenden des Holocaust beschäftigt. Die Kurse setzten sich mit den Biografien von Helge Loewenberg-Domp, Dorothy Warner (geb. Litten), Jules Markus, Liesel Binzer (geb. Michel) und Marion Zambrano (geb. Eichenwald) auseinander und erarbeiteten sich im Anschluss verschiedene (Lebens)Stationen der Biografien. So sind ergänzend zu Präsentationen über die fünf Holocaustüberlebende unter anderem auch Präsentationen zu den Themen Emigration, Zwangsarbeit oder der Reichspogromnacht entstanden. Bei ihrem Projekt war es den Schülerinnen und Schülern besonders wichtig, lokalgeschichtlich zu arbeiten und über die Geschichte der Münsteraner Jüdinnen und Juden zu informieren. Um die Ergebnisse allen Interessierten zugänglich zu machen und im Sinne eines gemeinsamen Gedenkens, wurden die Darstellungen der beiden Zusatzkurse in Form eines Padlets auf der Homepage des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums veröffentlicht.

Clarissa Kirchhoff, Wilhelm-Hittorf-Gymnasium

Digitales Treffen mit Tswi Herschel

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages finden auch am Annette-Gymnasium traditionell kleine und größere Projekte statt. Im vergangenen Jahr wurde eine Gedenkminute zusammen mit Gästen aus den Niederlanden gestaltet, die eine Woche in Münster im Rahmen eines Erasmus+ Projektes verbracht haben. Doch wie kann ein Projekt in Zeiten der Pandemie aussehen? Hier kam das Angebot der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem genau richtig. Als Partnerschule von Yad Vashem ist es dem Annette möglich, eine (fast) direkte Begegnung mit dem Shoah-Überlebenden Tswi Herschel zu ermöglichen.

Tswi Herschel wurde am 29. Dezember 1942 in Zwolle, in den Niederlanden, geboren. Um ihn vor der Verfolgung der Nationalsozialisten zu schützen, gaben seine Eltern ihn in die Obhut einer protestantischen holländischen Familie Schwencke. Diese riskierten ihr Leben mit der Aufnahme von Tswi, zog ihn aber wie ein eigenes Kind auf. Dort lebte er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Seine Eltern wurden unterdessen im Juni 1943 in das Durchgangslager Westerbork verschleppt und einen Monat später in das Vernichtungslager Sobibór deportiert und ermordet. Nach dem Krieg nahm ihn seine Großmutter als einzige noch lebende Verwandte bei sich auf, und erzog ihn in einem jüdischen Umfeld. Den Kontakt zu seiner Adoptivfamilie brach ab. Seit 1986 lebt Tswi mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Israel. Mittlerweile hat er auch Enkelkinder. Die Familie Schwencke wurde als Gerechte unter den Völkern geehrt.

In dem Zeitzeugengespräch kommen die Schüler*innen der 9. Klassen mit Dr. Caspary und Frau Müller, und der Grundkurs Geschichte der Q2 mit Kim Keen direkt mit ihm ins Gespräch kommen und mehr über seine Geschichte erfahren.

Kim Keen, Annette-Gymnasium

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