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Spendenaktion: Krisenhilfe

An der Trauer nicht zerbrechen

Münster

Wenn Menschen sich das Leben nehmen, wirft dies Angehörige mitunter komplett aus der Bahn. Damit die Angehörigen an ihrer Trauer nicht zerbrechen, bietet die Krisenhilfe wichtige Unterstützung und Begleitung.

Martina Döbbe

Es ist oft ein langer Weg, Trauer zu verarbeiten. Die Krisenhilfe bietet Betroffenen die Unterstützung ausgebildeter Trauerbegleiter an, um wieder Licht und Hoffnung im Leben zu spüren. Foto: Krisenhilfe

Vorfreude auf ein sonniges Wochenende. Noch am Morgen hat Konrad mit seinem Lebensgefährten Paul Pläne geschmiedet: hinaus in die Natur, gemeinsam die freie Zeit genießen, etwas Schönes unternehmen. Am Abend ist Paul tot. Er hat sich das Leben genommen – und Konrads Welt zerbricht in der Sekunde, in der er ihn findet. Dramatische Stunden, Tage – sie versinken im Nebel. Er weiß heute kaum noch, wie er diese Zeit überstanden hat. Warum soll er noch leben? Der erste Anruf bei der Krisenhilfe wird seine Rettung: „Frau Lindenbaum hat alles abbekommen, meine Trauer, meine Angst vor dem Weiterleben, meine Leere. Für mich schien alles sinnlos. Ich war für jeden anderen Menschen eine Zumutung“, sagt er selbst.

Nicht für Rita Lindenbaum. Seit 19 Jahren engagiert sie sich in der Krisenhilfe, zehn davon als ausgebildete Trauerbegleiterin. „Ich halte das mit Ihnen zusammen aus“, hat sie oft zu ihrem Klienten gesagt. Über ein Jahr erstrecken sich die anfangs mindestens einmal wöchentlichen Gespräche, in denen die Krisenbegleiterin immer wieder spürt, wie tief die Trauer sitzt, wie viele Fragen ihn quälen. Und wie stark Konrads Gedanke ist, wenn er über den Mann spricht, den er verloren hat: „Warum lege ich mich nicht einfach daneben?“ Behutsam, mit viel Einfühlungsvermögen aber auch der ihr eigenen Beharrlichkeit nimmt Rita Lindenbaum ihrem Klienten nach jeden Treffen ein persönliches Versprechen ab und bittet ihn: „Sie tun sich in der Zwischenzeit nichts an.“ Und wenn es einen Moment geben sollte, in dem er nicht mehr weiter weiß, darf er sich jederzeit in der Krisenhilfe melden.

Gemeinsam reden, gemeinsam trauern

So vergehen Wochen, Monate, ein Jahr, ein weiteres Jahr. Als er sich tatsächlich ein bisschen stabiler und dafür offen fühlt, schließt Konrad sich einer Trauergruppe in der Krisenhilfe an. Es hat ihm gut getan: das Zusammensein mit Menschen, die auch einen Angehörigen durch Suizid verloren haben, gemeinsam trauern, reden, sich austauschen, weinen dürfen. Heute, Jahre später, trauert er noch immer, aber er schafft es, mit diesem Gefühl zu leben.

Vier Projekte, ein Konto

Vier Projekte stehen zur Auswahl: Jung mit Krebs, Krisenhilfe, Pro filia, Indien. Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung beim Verwendungszweck den Code 2020 in der zweiten Zeile oder unter „Veröffentlichung?“ ein.

Konto: Sparkasse Münsterland Ost; IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen erhalten Sie unter  www.wn.de/Service/Datenschutz

Dafür ist er Rita Lindenbaum und der Krisenhilfe unendlich dankbar. Familie, Freunde und auch Kollegen – sie alle waren damals an seiner Seite. Und doch: „Hier gibt es einen anderen Blick, die nötige Distanz und trotzdem so viel Empathie“, beschreibt er das Beratungsangebot. Er habe immer das Gefühl gehabt, „hier ist jemand, der mich versteht, der mir nichts vorschreibt, was ich tun muss, der damit umgehen kann, dass ich nur noch aus Trauer bestehe“.

Rita Lindenbaum

Für Rita Lindenbaum und die elf Trauerbegleiter der Krisenhilfe ist das der Kern ihrer Arbeit. „Aushalten können, auch wenn Tränen fließen, zuhören, schweigen, aber auch den richtigen Moment erspüren, um ganz langsam den Blick nach vorn zu richten. Manchmal geht es einen Schritt vor, dann zwei zurück.

Um diese Trauerbegleitung zu gewährleisten, ist die Krisenhilfe auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Kosten für die Fortbildung in dieser ehrenamtlichen, aber hochprofessionellen Arbeit trägt die Beratungsstelle – das Unterstützungsangebot ist für die Klienten kostenlos: „Jeder, der Hilfe braucht, bekommt sie.“ Wer sich an die Krisenhilfe wenden möchte, kann dies direkt telefonisch unter 51 90 05 oder per Mail kontakt@krisenhilfe-muenster.de

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