Indischer Schwesternorden kümmert sich um Waisenkinder

Zum Sterben zurückgelassen

Münster

Mit vier Jahren hat Aishwarya Mutter ihr heißes Wasser über die Schultern und die Brust geschüttet, damit sie beim Betteln mehr Geld bekommt. Kurze Zeit später wurde sie zum Sterben zurückgelassen. Heute ist Aishwarya zwölf Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Und sie hat Ziele im Leben.

Joel Hunold

Aishwarya (4.v.r.) ist glücklich, dass sie die Schule des Schwesternordens besuchen kann. Foto: Helpers of Mary

Aishwarya ist vier Jahre alt, als ihre Mutter brodelndes Wasser über ihre Brust und Schultern schüttet. Das Mädchen erleidet schlimme Verbrennungen. Doch das war der Plan der Mutter.

Statt sich um die Verletzungen zu kümmern, schickt sie die Tochter raus auf die Straße, zum Betteln. Raus auf die Straßen von Borivili, einem im äußersten Norden gelegenen Stadtteil der indischen Millionenmetropole Mumbai. Dort wohnt Aishwarya mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester in einem Slum, in einer kleinen Hütte am Rande der Stadt. Der Vater sitzt wegen eines Raubüberfalls im Gefängnis. Dunkle Tage für das junge Mädchen.

Mittlerweile hat sich ihre Situation verbessert. „Aishwarya nimmt jede Gelegenheit wahr, um etwas zu lernen. Sie mag es zu schreiben und Bücher zu lesen. Sie mag Sport. Sie ist sehr zärtlich und liebenswürdig.“ So beschreibt Schwester Regina Joseph vom Schwesternorden „Helpers of Mary“ die heute Zwölfjährige. Von den Verbrennungen sind Narben geblieben. Doch statt mit der Mutter im Slum, lebt sie nun in einem Kinderheim im zentraler gelegenen Stadtteil Andheri.

Dieses wird von den „Helpers of Mary“ betrieben, einem 400 Frauen starken katholischen Orden, die in ganz Indien Kinderheime sowie Sozial- und Krankenstationen aufgebaut haben.

Wurzeln im Münsterland

Der Orden hat Wurzeln im Münsterland. Eine Schwester aus Dülmen ging vor etwa 80 Jahren nach Mumbai, um dort in einem (anderen) Kinderheim zu arbeiten. Sie begründete den Orden mit. Die Verbindungen ins Münsterland bestehen noch heute, über den „Andheri – Kinder- und Leprahilfe Verein Dülmen“ sowie über eine vielfältige Zusammenarbeit der Schwestern mit dem Gymnasium Paulinum.

Vier Projekte, ein Konto

Vier Projekte stehen zur Auswahl: Jung mit Krebs, Krisenhilfe, Pro filia, Indien. Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung beim Verwendungszweck den Code 2020 in der zweiten Zeile oder unter „Veröffentlichung?“ ein.

Konto: Sparkasse Münsterland Ost; IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

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„Mädchen in den Slums von Mumbai werden oft misshandelt, vergewaltigt oder von Familienmitgliedern oder Nachbarn ausgenutzt“, berichtet Schwester Regina Joseph. Deren Zuhause sei meistens kein sicherer Ort.

Frische Verbrennungen

So war es auch bei Aishwarya. Eine Schwester der „Marys“, wie sie in Indien genannt werden, hat das junge Mädchen mit ihren frischen Verbrennungen auf der Straße gefunden, in einer „erbärmlichen Situation“, sagt Schwester Regina. Sie habe sie mitgenommen, um die Verbrennungen zu behandeln. Doch daraufhin habe die Mutter sie alleine neben Bahngleisen zurückgelassen. Verwandte haben sie im Anschluss zu den „Marys“ gebracht.

„Acht Jahre ist sie jetzt bei uns. Sie lernt gut und ist froh, eine größere Familie gefunden zu haben“, erzählt Schwester Regina.

Alleine in dem Kinderheim in Andheri leben 125 Mädchen mit ähnlichen Vorgeschichten wie Aishwaryas. Langfristig gehe es darum, die versteckten Talente und Potenziale der Mädchen hervorzulocken, damit diese später eine richtige Arbeit fänden.

Denn ewig können die Mädchen nicht bleiben. Viele Kinderheime der „Marys“ seien maßlos überfüllt, die Corona-Pandemie habe für noch mehr elternlose Kinder gesorgt, sagt Bernd Schmitz, der den Dülmener Andheri-Verein leitet.

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