Spendenaktion: Jung mit Krebs

Vom Krebs-Schock ins Mutterglück

Münster

Vier Wochen vor ihrer Hochzeit bekommt Sina Kock die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs, fortgeschrittenes Stadium. Ihr Leben ist in Gefahr. Die größte Angst der heute 29-Jährigen ist aber, dass sie wegen der Krankheit keine Kinder bekommen kann. Es folgen eine aufwendige Behandlung – und ein kleines Wunder.

Pjer Biederstädt

Sina Kock ist überglücklich: Vor drei Monaten hat sie ihren Sohn Hannes zur Welt gebracht – und das, obwohl lange fraglich war, ob sie nach ihrer Krebserkrankung noch Mutter werden kann. Foto: UKM/Wibberg

Sina Kock ist überglücklich. Vor zwölf Wochen hat sie ihren Sohn Hannes zur Welt gebracht. Was sich anhört wie das Normalste der Welt ist eine Besonderheit. Denn vor gut zwei Jahren haben Ärzte bei der heute 29-Jährigen weit fortgeschrittenen Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Lange war unklar, ob die Frau aus Olfen überhaupt Kinder bekommen kann – und ob sie die Krankheit überlebt.

Alles begann 2016 mit starken Rückenschmerzen. Sina Kock versuchte es mit Sport, begab sich in orthopädische Behandlung. „Aber auch nach zwei Jahren hat es nicht wirklich geholfen“, erinnert sich Kock. Die Schmerzen hatten eine andere Ursache. Ärzte diagnostizierten bei der damals 27-Jährigen das Hodgkin-Lymphom, einen bösartigen Tumor des Lymphsystems – vier Wochen vor ihrer kirchlichen Hochzeit. Eine Welt brach zusammen.

Sina Kock

Dennoch sagt Kock heute: „Ich war dankbar für die Diagnose.“ Sie war einfach froh, dass es endlich eine Erklärung für ihre Schmerzen gab - abgesagte Hochzeit hin oder her. Die Lage war äußerst ernst. „Ihre Knochen und andere Organe waren sehr stark befallen. Die Situation war dramatisch, ein regelrechter Wettlauf mit der Zeit“, beschreibt die behandelnde Ärztin Dr. Andrea Kerkhoff, Leiterin der Onkologischen Tagesklinik der Medizinischen Klinik A des Universitätsklinikums Münster (UKM), Kocks Zustand in der Rückschau.

Vier Projekte, ein Konto

Vier Projekte stehen zur Auswahl: Jung mit Krebs, Krisenhilfe, Pro filia, Indien. Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung beim Verwendungszweck den Code 2020 in der zweiten Zeile oder unter „Veröffentlichung?“ ein.

Konto: Sparkasse Münsterland Ost; IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

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Klar, die Schwere der Krankheit habe auch sie „umgehauen“, so Kock, viel schlimmer sei es aber für ihren Partner und ihre Eltern gewesen. Diese Ungewissheit. Das Gefühl, nicht helfen zu können. Hinzu kamen finanzielle Belastungen: Die Intensivkrankenschwester konnte ihren Beruf nicht weiter ausüben, der Kredit für das frisch gebaute Haus lief weiter. „Zum Glück hat unser Umfeld uns sehr unterstützt“, sagt Kock.

Ihre größte Sorge aber war eine andere. „Nicht zu wissen, ob ich nach der Behandlung noch schwanger werden kann, war der Horror für mich“, sagt die junge Mutter heute. Um Kocks Fertilität zu erhalten, seien Eizellen von ihr eingefroren worden, erklärt Reproduktionsbiologin Dr. Verena Nordhoff. Kostenpunkt für Kock: 10 000 Euro. „Durch ein neues Gesetz sollen die Kosten in Zukunft übernommen werden – ein Meilenstein für Patienten“, so Nordhoff. Für das Prozedere unterzog sich Kock einer Hormonbehandlung, erst danach konnte die Chemotherapie beginnen.

Ein starkes Team (v.l.): Study Nurse Sabrina de Jesus Pereira Lopes, Sina Kock mit Hannes und Priv.Doz. Dr. Verena Nordhoff Foto: UKM/Wibberg

Dabei erlitt sie erst einen Rückschlag durch eine schwere infektiöse Komplikation. „Ich war immer optimistisch, aber zu dem Zeitpunkt habe ich mich erstmals gedanklich mit dem Tod beschäftigt“, sagt Kock. Dann ging es langsam bergauf. Kock benötigte nur vier statt sechs Zyklen der strapaziösen Therapie, eine anschließende Bestrahlung war nicht mehr nötig. Insgesamt erfolgte die Behandlung in einer Therapiestudie, die durch eine spezielle Zusammensetzung der Chemotherapie die Chance auf Erhalt der Fertilität erhöht. Study-Nurse Sabrina de Jesus Pereira Lopes aus dem Studienteam der Medizinischen Klinik A stand Kock die ganze Zeit beratend zur Seite.

Sina Kock mit Sohn Hannes und Study-Nurse Sabrina de Jesus Pereira Lopes im UKM Foto: UKM/Wibberg

Langsame, aber stetige Erholung

Ein halbes Jahr Reha, regelmäßige Kontrolluntersuchungen – Kock erholte sich langsam, aber stetig. Und sie wurde schwanger – auf natürlichem Weg. „Außergewöhnlich“, so Nordhoffs begeisterter Kommentar. Kocks Eizellen bleiben aber eingefroren. Schließlich soll der kleine Hannes noch ein Geschwisterchen bekommen.

In Zukunft will das Team des WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Netzwerkpartners Münster, der zentralen Einrichtung am UKM zur fachübergreifenden Behandlung von Krebspatienten, ein besonderes Betreuungs- und Beratungsangebot für junge Krebspatienten wie Kock anbieten und benötigt dafür Unterstützung. Damit auch andere jung an Krebs Erkrankte die Chance auf einen möglichst optimalen Therapieverlauf bekommen.

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