Krisenhilfe als Anlaufstelle in der Corona-Zeit

Wege zurück aus dem Dunkel

Münster

2020 wird mein Jahr, dachte Sven. Doch es wurde das schlimmste seines Lebens, weil er depressiv wird. Die Krisenhilfe Münster ist in solchen Fällen eine wichtige Anlaufstelle, wie Sven zu berichten weiß.

Martina Döbbe

Eine Krise wie Corona stellt jeden einzelnen vor enorme psychische Herausforderungen. Die Krisenhilfe bietet als Anlaufstelle Unterstützung und Begleitung in dieser schwierigen Zeit. Foto: Krisenhilfe Münster

Silvester 2019, kurz vor Mitternacht – Sektkorken und Raketen knallen um die Wette. Mitten im Trubel Sven. Der 38-Jährige ist stolzer Vater eines Sohnes, der nach der Trennung der Eltern bei ihm lebt, er ist erfolgreich im Beruf, und er hat noch einmal eine große Liebe gefunden. „2020, das wird mein Jahr“, denkt er um Mitternacht. Und ahnt nicht: 2020 -- „sein Jahr“ – es wird das bisher schlimmste seines Lebens. Corona stürzt ihn, der gewohnt ist, zu agieren, zu planen, zu organisieren, in ein tiefes Loch.

Homeoffice, Kita geschlossen, finanzielle Verluste durch den Wirecard-Skandal – seine Träume zerplatzen, der Alltag gerät aus den Fugen,  feste Strukturen brechen weg,  aber Druck und Anforderungen von allen Seiten wachsen. Sein Engagement im Fußball, seine Begeisterung für Preußen Münster erscheint ihm sinnlos. „Ich sah nur noch Probleme, hatte aber keine Lösungen mehr.“ Er zieht sich immer mehr in sich zurück. „Ich war depressiv“, weiß er inzwischen.

Corona als Bedrohung

So wie Sven geht es vielen Menschen – sie erleben Corona als Bedrohung, die alles auf den Kopf stellt, die Angst macht, die Einsamkeit und seelische Probleme verstärkt. Sven, der nach vielen dunklen Monaten jetzt endlich wieder für sich Licht am Ende des Tunnels sieht, weiß heute, wie wichtig es ist, zu sprechen, sich zu öffnen, aus seiner Depression kein Geheimnis zu machen.

Vier Projekte, ein Konto

Vier Projekte stehen zur Auswahl: Jung mit Krebs, Krisenhilfe, Pro filia, Indien. Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

Namensnennung: Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung beim Verwendungszweck den Code 2020 in der zweiten Zeile oder unter „Veröffentlichung?“ ein.

Konto: Sparkasse Münsterland Ost; IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen erhalten Sie unter   www.wn.de/Service/Datenschutz

Die Krisenhilfe Münster ist hier eine wichtige Anlaufstelle, in der  die Mitarbeiter zurzeit verstärkt Ratsuchende begleiten und unterstützen, die sich durch Corona vom Leben abgehängt fühlen, die Zukunftsängste quälen, die allein keinen Ausweg finden. Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Verlust des Arbeitsplatzes, Isolation, aber auch schon vor der Pandemie vorhandene Depressionen, Ängste und andere psychische Erkrankungen – all das führt bei vielen Menschen zu Hoffnungslosigkeit und der bohrenden Frage: Hat mein Leben überhaupt noch einen Sinn?

Petra Karallus

„Gerade jetzt ist es wichtig, für diese Menschen da zu sein und sie aufzufangen, Pläne zu entwickeln, wie sie mit dieser belastenden Situation persönlich umgehen“, berichtet Petra Karallus. Denjenigen, die  ohnehin schon in einer Lebenskrise stecken, bürde Corona noch eine zusätzliche Last auf und verstärke die scheinbare Ausweglosigkeit. Auch in der Trauerarbeit werde das spürbar: „Menschliche Nähe, Umarmungen, ein tröstender Händedruck, all das fehlt einfach“, unterstreicht die Leiterin der Krisenhilfe die Vielschichtigkeit des Problems und die Auswirkungen.

Eine gute Nachricht: Sven ist auf dem Weg zurück ins Leben. Nicht mehr in das alte, es hat sich viel verändert, er hat sich verändert. „Ich bin achtsamer geworden, passe besser auf mich auf, gucke, was mir gut tut und was nicht. Und ich erlebe die schönen, manchmal kleinen Dinge des Lebens viel bewusster.“ Das Motto „höher, schneller, weiter“ gilt für ihn nicht mehr – er nimmt wahr, dass er überhaupt Gefühle wieder spürt, dass er sich traut, offen zu reden, persönliche Schwierigkeiten anzusprechen.“ Er wollte immer alles allein schaffen, heute sieht er es anders und rät Betroffenen: „Holen Sie sich Hilfe.“

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