1. www.wn.de
  2. >
  3. Wn-aktion
  4. >
  5. Wn-osterbummel
  6. >
  7. In Israel steigen die Zahlen an

  8. >

Corona Pandemie

In Israel steigen die Zahlen an

Tel Aviv/Berlin

Deutschland hat bisher mit einer Mischung aus Neid und Faszination auf Israels erfolgreiche Impf­kampagne geblickt

Von Stefanie Järkel, Gisela Gross undJosefine Kaukemüller

Menschen auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem: Nur wenige tragen Masken. Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Deutschland hat bisher mit einer Mischung aus Neid und Faszination auf Israels erfolgreiche Impf­kampagne geblickt. Gut 55 Prozent der 9,3 Millionen Israelis sind bereits gegen das Coronavirus geimpft. Doch seit rund einer Woche steigen die Zahlen der regis­trierten Neuinfektionen in dem Mittelmeerland deutlich an. Viele haben sich mit der Delta-Variante angesteckt.

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventions­forschung und Epidemiologie in Bremen zeigt sich angesichts der Entwicklung in Israel beunruhigt. „Es ist in der Tat besorgniserregend“, sagt Zeeb, dass trotz der hohen Impfquote „mit einem sehr gut wirksamen Impfstoff wieder Ausbrüche stattfinden“. Noch Mitte Juni wurden in Israel Corona-Neuinfektionen nur noch im einstelligen Bereich regis­triert – landesweit. Die Regierung schaffte fast alle Einschränkungen ab. Für viele Israelis fühlte es sich an, als gehöre die Corona-Pandemie der Vergangenheit an. Doch vor rund einer Woche wurden erstmals seit April wieder mehr als 100 Neu­infektionen pro Tag nachgewiesen.

Nach Untersuchungen des israelischen Gesundheits­ministeriums haben rund 90 Prozent der Neuinfizierten die aggressivere Delta-Variante. Die meisten der Infizierten sind Kinder. Am Freitag führte die Regierung wieder die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen ein. Ministerpräsident Naftali Bennett warnte bereits zuvor vor einem „neuen Ausbruch“ des Coronavirus im Land.

Ins Ausland

Warum steigt die regis­trierte Zahl der Infizierten plötzlich so deutlich an? Das geht offenbar vor allem auf Menschen zurück, die infiziert aus dem Ausland zurückkamen – und sich nicht an die Quarantäne-Auflagen gehalten haben. „Die Ein­haltung der Quarantäne ist unsere Achillesferse“, sagte der Corona-Beauftragte Nachman Asch dem israelischen Fernsehen.

Er forderte die Bevölkerung dazu auf, möglichst nicht ins Ausland zu fliegen, besonders nicht mit ungeimpften Kindern. Mehrere Ausbrüche in den vergangenen Tagen waren an Schulen geknüpft, Hunderte mussten in Quarantäne. Zudem hatten wegen der Überlastung von Teststationen Tausende Menschen bei der Einreise ungetestet den Flughafen verlassen.

Eltern aufgefordert

In Israel haben bereits mehr als 5,5 Millionen der neun Millionen Landesbewohner eine erste Corona-Impfung erhalten, rund 5,2 Millionen davon auch die zweite Dosis. Dabei wird der Impfstoff von Pfizer/Biontech verwendet. In den vergangenen Wochen stagnierten die Impfzahlen allerdings. Derzeit sind zwar mehr als 90 Prozent der über 90-Jährigen geimpft, aber nur rund 20 Prozent der Zehn- bis 19-Jährigen. Ministerpräsident Bennett hat Eltern klar dazu aufgefordert, Kinder im entsprechenden Alter zügig impfen zu lassen.

In Israel wirft der hohe Anteil Geimpfter unter den Neuinfizierten Fragen auf. Studien zufolge hat Delta eine deutlich erhöhte Ansteckungsfähigkeit und eine leichte Immunflucht, also die Eigenschaft, den Schutz nach Impfung oder Infektion zu umgehen. Die Botschaft aus der Fachwelt ist aber: Wer den kompletten Impfschutz hat, ist auch bei Delta vor schwerer Erkrankung geschützt.

Experte Zeeb betont angesichts der Lage in Israel, trotz des Impffortschritts werde es in Schulen in Europa und Deutschland weiter Schutzmaßnahmen wie Aerosol­filter und Masken geben müssen, sowie intensives Testen. „Andererseits bleibt auch richtig, dass schwere Verläufe zum Glück selten bleiben“, sagt Zeeb.

Startseite